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Tests mit unzugelassenen Wirkstoffen Liberia hebt Ebola-Notstand auf

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Zahlreiche internationale Helfer sind in Liberia im Einsatz gegen die Ebola-Epidemie.

(Foto: AP)

Der Kampf gegen Ebola zeigt erste Erfolge. Liberias Präsidentin Sirleaf entschärft die Notstandsmaßnahmen in ihrem Land, da die Zahle der Infektionsfälle sinkt. Unterdessen sollen nicht zugelassene Medikamente in Guinea am Betroffenen getestet werden.

Das westafrikanische Liberia hebt den wegen der Ebola-Seuche verhängten Notstand wieder auf. Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf sagte im Staatsrundfunk, sie werde die seit August geltende Maßnahme nicht verlängern. Sie begründete das mit den Fortschritten, die im Kampf gegen die Seuche erzielt worden seien.

Die Bekämpfung des Virus werde fortgesetzt, bis es in Liberia ausgelöscht sei, sagte die Präsidentin. Eine nächtliche Ausgangssperre bleibt in Kraft. Liberia ist das bislang am stärksten von Ebola betroffene Land. Bislang erlagen dort 2836 Menschen der Krankheit.

Medikamententests laufen

Unterdessen sollen nicht zugelassene Ebola-Medikamente bald an Patienten in Guinea erprobt werden. Die freiwilligen klinischen Tests würden Anfang Dezember in drei Ebola-Stationen des westafrikanischen Landes beginnen, kündigte die Organisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) an. Erste Ergebnisse von drei separaten Versuchsreihen sollen bis März vorliegen.

Getestet werden zwei verschiedene Wirkstoffe (Brincidofovir und Favipiravir) sowie die Antikörper-Behandlung mit Blut und Plasma von genesenen Patienten. Ziel aller Versuche sei es, die Überlebensrate innerhalb von 14 Tagen deutlich erhöhen zu können, sagte die Ebola-Koordinatorin von MSF, Annick Antierens. Das in Japan entwickelte Favipiravir wurde bereits Menschen verabreicht, um das Grippevirus zu bekämpfen. Für den Einsatz gegen Ebola soll die Dosis erhöht werden.

Brincidofivir, das aus den USA stammt, wurde bereits einzelnen Ebola-Patienten verabreicht. "Wenn sich ein Medikament als erfolgsversprechend herausstellt, wird es auch anderen Patienten an anderen Orten zur Verfügung stehen", kündigte die Expertin an. Die Mittel seien so ausgewählt worden, dass sie ohne Unterbrechung ausreichend zu Verfügung stehen würden.

Antierens lobte die unbürokratische Zusammenarbeit unterschiedlichster Akteure, um die Tests möglich zu machen. Die klinischen Studien führen MSF-Mediziner gemeinsam mit drei Forschungsinstitutionen aus Großbritannien, Frankreich und Belgien sowie in Abstimmung mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) durch. Grundlage ist eine Liste von Behandlungsmethoden, die von der WHO zusammengestellt und gutgeheißen wurde.

Kritiker sehen Ebola-Opfer als "Versuchskaninchen"

In Guineas Hauptstadt Conakry wird zeitgleich die Behandlung mit Blut und Plasma genesener Ebola-Patienten erprobt. Wegen der im Blut enthaltenen Antikörper gilt diese Behandlung als besonders aussichtsreich. Allerdings sind dafür Spezialgeräte und eigens geschultes Personal nötig.

An den Tests sollen jeweils rund einhundert Infizierte teilnehmen. Besonders wichtig sei dabei die Unterstützung für die Versuche durch die Menschen in den von Ebola betroffenen Gebieten. Vielerorts wird internationalen Helfern in Westafrika noch Misstrauen entgegengebracht. In örtlichen Medien wurde mehrfach der Vorwurf erhoben, Pharmakonzerne würden Ebola-Opfer als billige "Versuchskaninchen" missbrauchen.

Die Seuche hat in Westafrika bereits mehr als 5000 Todesopfer gefordert, wie die WHO mitteilte. Insgesamt gebe es seit Bekanntwerden des Ausbruchs im März 14.098 bestätigte Ebola-Infektionen und 5160 Todesfälle. Nach Angaben der WHO gibt es Hinweise, dass sich die Lage in Guinea und Liberia beruhigt, während die Zahl der Neuerkrankungen in Sierra Leone weiter steil ansteigt.

Quelle: n-tv.de, lsc/rts/dpa

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