Royale RomanzeLiebesschwüre an Marie-Antoinette "enthüllt"

"Ich lebe und existiere nur, um Sie zu lieben" - Zeilen für Frankreichs Königin Marie-Antoinette, die gut 200 Jahre unsichtbar waren. Experten ist es gelungen, einige geschwärzte Stellen aus den Briefen zwischen ihr und dem schwedischen Staatsmann Hans Axel von Fersen zu entziffern.
Sie ist zweifellos eine der berühmtesten Frauen des 18. Jahrhunderts: Marie-Antoinette. Frankreichs Königin führte nicht nur ein ausschweifendes Leben, sondern hatte auch eine leidenschaftliche Romanze mit einem schwedischen Staatsmann. Gut 200 Jahre später haben Experten einige Zeilen zwischen ihr und ihrem Liebhaber entziffern können.
Das Verhältnis zwischen Marie-Antoinette und ihrem Liebhaber, dem gleichaltrigen schwedischen Staatsmann Hans Axel von Fersen (1755-1810), sorgte in der Französischen Revolution für Empörung. Auch als sie längst unter Hausarrest in Paris stand, bekundete die Frau von König Ludwig XVI (1754-1793) dem schwedischen Adeligen heimlich in Briefen ihre Liebe - und er ihr. Da die Königsfamilie in den Revolutionsjahren unter Druck stand, schwärzten Zensoren ganze Passagen. Womöglich habe Fersen auch selbst seine Briefe unkenntlich gemacht, hieß es nun.
Mehr als 50 Briefe der Liaison im Nationalarchiv in Paris
"Erstmals können wir nun aus der Feder Fersens unzweideutige Sätze über seine Gefühle für die Königin lesen, die bisher sorgsam versteckt waren", erklärte das Nationalarchiv in Paris, das 25 Briefe von Marie-Antoinette und 29 Schreiben Fersens in seinen Beständen hat. "Ich lebe und existiere nur, um Sie zu lieben", schrieb Fersen etwa.
Die Briefe wurden mit einer neuartigen Röntgen-Methode entziffert. Das Projekt sei jedoch weniger auf "sensationelle Enthüllungen" ausgerichtet, betonte das Nationalarchiv. Vielmehr gehe es um "Hoffnung, Sorge, Zuversicht und Entsetzen" in den Revolutionsjahren.
Bekanntlich nahm die Geschichte von Marie-Antoinette kein gutes Ende. 1793 wurde "die Österreicherin", wie sie in Frankreich abwertend genannt wurde, einige Monate nach ihrem Gatten kurz vor ihrem 38. Geburtstag auf dem Schafott hingerichtet. Im Prozess wurden ihr ein liederlicher Lebenswandel und Hochverrat vorgeworfen. Das bekannte Zitat "Wenn sie kein Brot haben, sollen sie doch Kuchen essen" über das hungernde Volk wurde Marie-Antoinette nach Einschätzung von Historikern fälschlich zugeschrieben.