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"Super easy in die Spree werfen" Linke mobilisieren gegen hippe E-Scooter

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So bewegen sich Besserverdiener vorwärts, meinen Linksautonome.

(Foto: picture alliance/dpa)

E-Scooter und rote Leih-Räder machen die Gegner dieser hippen Gefährte zunehmend aggressiv. In Berlin rufen linke Aktivisten auf, die Bikes und Roller zu sabotieren, anzuzünden oder in die Spree zu werfen. Die Polizei registriert vor allem im Zentrum Berlins viele Fälle von Vandalismus.

Nach Aufrufen Linksautonomer, Leih-Fahrräder und Elektro-Roller zu zerstören, registriert die Polizei in der Hauptstadt viele Übergriffe. Besonders Fahrzeuge der US-Firma Uber seien ins Visier der Vandalen geraten, berichtete die "Berliner Zeitung". In Friedrichshain, Kreuzberg, Mitte, Schöneberg, Wilmersdorf und Tiergarten seien allein in den letzten zwei Wochen hunderte Reifen von Leihrädern zerstochen worden.

"Ein Taschenmesser oder spitzer Schraubenzieher passen immer in die Hosentasche", heißt es in dem Aufruf der Autonomen. Ein Grund für den Hass sind die mutmaßlich gutbetuchten Nutzer der Bikes und Roller. Diese seien "Touristen sowie besserverdienende Berliner/innen". Und weiter: "Also jene, die sich den happigen Preis von etwa zehn Euro pro Stunde leisten können". Die Firma Uber, die neben den roten Jump-Rädern in Kooperation mit Lime auch am Geschäft mit den E-Rollern verdient, verkörpert in den Augen der Autonomen "ausbeuterischen Kapitalismus in Reinform".

E-Scooter sind "Klimaschweine"

Auf der Plattform "Indymedia" rufen die Vandalen zur politisch motivierten Sachbeschädigung auf. Derzeit kursieren dort zwei Aufrufe, in denen dazu angestiftet wird, planmäßig Uber zu sabotieren ("Uber plätten! Ausbeutung & Kapitalismus den Kampf ansagen!"). Unter der Überschrift "Greta und Kenny hassen E-Scooter" wird darauf hingewiesen, dass die neuen Leihroller umweltschädlicher sind als gedacht. Die Roller verschleißen schnell und die Rohstoffe für die Batterien, die verbaut werden, belasten die Umwelt. Die E-Scooter seien deshalb "Klimaschweine".

Als Mittel gegen die E-Scooter werden unter anderem wohlplatzierte Aufkleber angegeben (ohne lesbaren QR-Code ist eine Ausleihe nicht möglich), das Anbinden gleich mehrerer Roller durch Kabelschlösser oder aber eine besonders radikale Lösung: "In vielen Städten Europas werden die Scooter in Gebüschen oder Flüssen versenkt." Insbesondere in Paris wurden in den vergangenen Monaten tatsächlich viele Roller in die Seine geworfen, wie diverse Medien berichteten. In Marseille landeten die Scooter im Hafenbecken.

Bremskabel durchgeschnitten: Nextbike erstattet Anzeige

Die "Berliner Morgenpost" berichtete von einer weiteren, gefährlichen Form des Vandalismus: Es gebe Räder, an denen die Bremsschläuche durchtrennt worden waren. Betroffen waren dabei Räder der Firma Nextbike und Lidl. "Das ist kein dummer Streich, das ist lebensgefährlich", sagte eine Sprecherin von Nextbike dem Blatt. Man habe die Fälle zur Anzeige gebracht.

Bereits im Juli hatte der Satiriker Jan Böhmermann das Versenken als Methode angepriesen: "Ich werde jedes Mal, wenn ich diese komischen neuen E-Roller überall in Berlin oder in anderen Städten rumstehen sehe, wenn ich diese Leute darauf rumfahren sehe, dann werde ich aggressiv hoch zehn". Und schob hinterher: "Diese Dinger sind mit einem Schwung in der Spree, das ist super easy".

Dass die Räder im Fluss landen, ist nicht nur für die Verleiher ärgerlich. Auch aus Umweltsicht warnten die Behörden etwa in Marseille vor dieser Form des Vandalismus: Die Akkus seien hochgiftig und belasten das Wasser im Hafenbecken.

Quelle: n-tv.de, mau

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