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Prozess startet ohne Publikum Lügde-Richterin nennt Taten "abscheulich"

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Die angeklagten Männer sollen hundertfach Kinder missbraucht und manche Taten gefilmt haben.

(Foto: picture alliance/dpa)

Drei Männer müssen sich ab heute vor Gericht wegen des Vorwurfs des schweren Kindesmissbrauchs auf einem Camping-Platz in Lügde verantworten. Die Öffentlichkeit wird am ersten Prozesstag ausgeschlossen. Die Richterin findet zu Beginn deutliche Worte.

Zum jahrelangen und hundertfachen Missbrauch von Kindern auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat der Prozess gegen drei Männer begonnen. Zwei der drei Angeklagten bedeckten ihr Gesicht mit Aktenordnern, als sie den Verhandlungssaal betraten. Die angeklagten Taten seien "zweifelsohne abscheulich", sagte die Vorsitzende Richterin Anke Grudda. Erschreckend sei die hohe Zahl der potenziellen Opfer sowie der lange Zeitraum der mutmaßlichen Taten von mehr als 20 Jahren. "Die Anschuldigungen lassen niemanden unberührt", sagte die Richterin weiter. Es gelte aber die Unschuldsvermutung, das Gericht werde unvoreingenommen und unparteiisch arbeiten.

Schon kurz nach dem Start schloss die Richterin die Öffentlichkeit von der Verlesung der Anklageschriften vorübergehend aus. Alle 18 Anwälte, die 28 Opfer als Nebenkläger vertreten, hatten dies beantragt. Grudda betonte, schutzwürdige Interessen der Opfer würden sonst erheblich verletzt. Deren Namen seien in den Anklagen genannt. Ebenso würden die vorgeworfenen Missbrauchstaten im Detail aufgeführt, die gegen die Kinder und Jugendlichen verübt worden sein sollen. Auch alle Medienvertreter mussten den Saal verlassen. Der Ausschuss gelte nur für die Anklageverlesung, danach müsse "für jeden Prozessabschnitt neu beraten" werden.

Bei den Ermittlungen waren mehr als 40 Opfer identifiziert worden. Angeklagt seien nun die Gewalttaten gegen 34 minderjährige Opfer, sagte eine Gerichtssprecherin. Die Staatsanwaltschaft Detmold wirft dem heute 56-jährigen Dauercamper Andreas V. 298 Straftaten vor. Er soll im Sommer 1998 und von 2008 bis 2018 insgesamt 23 Mädchen sexuelle Gewalt angetan haben. Die Taten soll er in seiner heruntergekommenen Unterkunft auf dem Campingplatz an der Grenze zu Niedersachsen begangen haben. Bei ihm fanden sich fast 900 Bild- und Videodateien, die sexuelle Übergriffe auf Minderjährige zeigen.

Offenbar hundertfacher Missbrauch an Kindern

Der 34-jährige Mario S. ist angeklagt, in 162 Fällen acht Mädchen und neun Jungen missbraucht zu haben, ebenfalls manche schwer. Der Mann soll die Gewalttaten über einen Zeitraum von 20 Jahren ab 1999 auf dem Campingplatz und in seiner Wohnung verübt haben. Bei ihm wurden rund 4800 Bild- und Videodateien mit kinder- und jugendpornografischem Material sichergestellt. Dem Vorwurf zufolge hatten beide Männer manche Gewalttaten gefilmt. Einige der Kinder wurden Opfer sowohl von Andreas V. als auch auch von Mario S. Alle Opfer waren minderjährig, die jüngsten sollen vier Jahre alt gewesen sein.

Beide Angeklagte sollen auch vergewaltigt haben. Andreas V. und Mario S. drohen bis zu 15 Jahre Haft. Opferanwälte hatten im Vorfeld in Medienberichten Sicherungsverwahrung gefordert. Der dritte Angeklagte, Heiko V., soll an mindestens vier Webcam-Übertragungen teilgenommen und zu manchen Taten angestiftet haben. Sein Verteidiger Jann Popkes sagte vor Prozessbeginn, er strebe an, dass das Verfahren gegen seinen Mandanten abgetrennt werde. Alle drei Männer sind Deutsche und sitzen in Untersuchungshaft. Neun weitere Verhandlungstermine bis Ende August sind festgesetzt.

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Quelle: n-tv.de, sgu/dpa

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