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"Immenser Schaden" drohtLuftretter warnen: Gesundheitsministerium "bedroht unsere Existenz"

22.04.2026, 15:21 Uhr
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Sind die gelben Helikopter bald seltener am Himmel zu sehen? (Foto: picture alliance / dpa)

Gerade wenn sich schwere Unfälle oder Unglücke ereignen, kommen Luftretter zum Einsatz. Das passiert vergangenes Jahr 90.000 Mal. Jetzt könnte es deutlich seltener werden. Die wichtigsten Organisationen befürchten herbe Einschnitte durch die Politik.

Sonst sind sie diejenigen, die zu Notfällen alarmiert werden, jetzt schlagen die gemeinnützigen Luftrettungsdienst-Organisationen von ADAC, DRF und Johanniter selbst Alarm. Der Referentenentwurf zur Stabilisierung der Beitragssätze in der gesetzlichen Krankenversicherung hätte "schwerwiegende Folgen für die notfallmedizinische Versorgung von Millionen von Menschen", zeigen sich die drei Organisationen besorgt.

90.000 Luftrettungseinsätze sind der ADAC, die DRF und die Johanniter im vergangenen Jahr mit ihren gelben und roten Hubschraubern geflogen. Vor allem im ländlichen Raum sind die Pilotinnen und Piloten, die mit Notärztinnen und Notärzten an Bord ausrücken, nach schweren Verkehrsunfällen, bei Bränden oder anderen Unglücken gefragt. Doch um die Krankenkassen zu entlasten, soll ausgerechnet dort gespart werden.

ADAC, Johanniter und DRF sind überzeugt, dass die schnelle Versorgung von Patienten und Patientinnen durch die Luftrettung zu verminderten Folgekosten für die Kassen und oft zu einer schnelleren Wiedereingliederung in das Arbeitsleben führt. Doch die Sparmaßnahmen würden "der Luftrettung in Deutschland schrittweise die finanzielle Grundlage entziehen und die schnelle Hilfe aus der Luft in ihrer Existenz bedrohen", teilen die Rettungsdienste gemeinsam mit. "Die geplanten Einsparungen im Bereich Luftrettung stehen in keinem Verhältnis zum immensen Schaden, der für die notfallmedizinische Versorgung entsteht."

Das Bundesgesundheitsministerium von CDU-Politikerin Nina Warken schlägt in seinem Referentenentwurf vor, die Ausgaben der Kassen an die Entwicklung der Löhne der Einzahlenden zu koppeln, die Rede ist von einer Grundlohnrate. Allerdings soll das nicht eins zu eins geschehen: Die Kosten sollen um ein Prozent weniger gesteigert werden als die Einnahmen. Die drei Luftrettungs-Organisationen sehen gerade diesen Punkt "besonders kritisch". Sie schreiben in ihrer Erklärung: "Bereits die Begrenzung auf die Grundlohnrate reiche nicht aus, um eine auskömmliche Finanzierung sicherzustellen - eine weitere Minderung mache eine wirtschaftliche Sicherung der Luftrettung unmöglich."

"Immenser Schaden für notfallmedizinische Versorgung"

Die Grundlohnrate spiegele nicht die tatsächlichen Kosten "einer hochregulierten, sicherheitskritischen und permanent vorzuhaltenden Infrastruktur" wie die der Luftrettung wider. Johanniter, ADAC und DRF würden sehr viele hochqualifizierte Fachkräfte beschäftigen, die qualitative Anforderungen auf höchstem Niveau erfüllen und jahrelange Erfahrung vorweisen müssten. Das zeige sich in den Gehältern des Personals. Dazu gehören neben den Pilotinnen und Piloten auch Mediziner wie Notfallsanitäterinnen, Notfallsanitäter, Notärztinnen und Notärzte. "Wettbewerbsfähige Vergütungen sind unabdingbar, um die personelle Sicherstellung der Luftrettung zu gewährleisten." Zudem sind die Hubschrauber teuer und mit 20 Jahren sehr langfristig abzuschreiben.

"Eine Deckelung an unbestimmte Grundlohnraten untergräbt die Finanzierungskontinuität und gefährdet die wirtschaftliche Planungssicherheit", so die Rettungskräfte. "Die geplanten Einsparungen im Bereich Luftrettung stehen in keinem Verhältnis zum immensen Schaden, der für die notfallmedizinische Versorgung entsteht."

DRF Luftrettung, Johanniter Luftrettung und ADAC Luftrettung fordern "dringend die Anpassung des Referentenentwurfs". Es müssten "die besondere Rolle und die spezifischen Anforderungen der Notfallrettung aus der Luft im Gesetz berücksichtigt werden", um die Versorgung der Bevölkerung in der Zukunft sicherstellen zu können. Die Retter fordern, Ausnahmen in den Gesetzen zu definieren, damit unvorhergesehene Preissteigerungen, wie derzeit bei Kraftstoffen, nicht zum Stillstand führen.

Quelle: ntv.de, mpa

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