Panorama

Übergriffiger Rentner verurteilt Macheten-Mann zerstört Obdachlosen-Zelt

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Es gehört jemandem: Schlafstätte eines Obdachlosen in Berlin.

(Foto: imago images / Christian Spicker)

Die Behörden kennen den Rentner schon. Im Düsseldorfer Hofgarten sorgt er für "Ordnung": Er sammelt Müll und mäht mit einer Machete das Unterholz, damit sich dort keine Liebespaare einnisten können. Nun verurteilt ein Gericht den handgreiflichen Senior, weil er das Zelt eines Obdachlosen zerschnitten hat.

Für das Zerschneiden des Zelts eines Obdachlosen muss ein Düsseldorfer Rentner 800 Euro Strafe zahlen. Das Amtsgericht verurteilte den 75-Jährigen wegen vorsätzlicher Sachbeschädigung. Seine Behauptung, er habe das scheinbar herrenlose Zelt nur entsorgen wollen, glaubte ihm die Richterin nicht. "Es hat jemandem gehört, egal wem. Das Zelt war aufgebaut", betonte sie. Ein Zeuge, der den Rentner beim Zerstören des Zeltes gesehen und ihn fotografiert hatte, sagte: "Das Zelt war von Obdachlosen bewohnt."

Der Anwalt des Rentners schilderte vor Gericht, sein Mandant habe sich über das Zelt schon seit Tagen geärgert. Die Boulevardzeitung "Express" berichtete, er habe sich vor seiner eigenen Aktion beim Ordnungsamt informiert, das aber auf die eigene Personalnot verwiesen hätte. Außerdem sei dem Rentner mitgeteilt worden, dass die Düsseldorfer Stadtreinigung zuständig sei. Denn ein illegales Zelt sei wie Müll zu behandeln und auch so zu entsorgen. „Mein Mandant fühlte sich im Recht, weil Zelten im Hofgarten ja nicht erlaubt ist“, argumentierte der Anwalt laut Bericht. Deshalb habe er das Zelt zerlegt und die Einzelteile für die Stadtreinigung neben einem Papierkorb gelegt. Auch sonst sammele er dem Park regelmäßig den Müll auf. Davor habe er das Zelt jedoch tagelang beobachtet. Da sich niemand blicken ließ, kam er zu dem Schluss, dass der Besitzer es zurückgelassen habe.

Doch da hatte sich der Beschuldigte geirrt. Das Zelt gehörte einem 42-jährigen Obdachlosen, der laut "Express" nun ohne ein Dach über dem Kopf dastand. Doch gab es für den Mann wohl ein unverhofftes Happy End: Spender seien von der Geschichte des Obdachlosen gerührt gewesen und kauften ihm ein neues, viel größeres Zelt. Zum Prozess erschien das Opfer allerdings nicht. Der Obdachlose ist laut dem Bericht zurzeit nicht auffindbar. Doch auch mit dem Rentner zeigte sich das Gericht vergleichsweise milde. Er war zuvor per Strafbefehl zu einer Strafe von 1050 Euro verurteilt worden.  Doch da seine Rente nicht so hoch sei, setzte die Richterin die Strafe auf 800 Euro fest.

Allerdings ist der Mann für die Düsseldorfer Behörden kein Unbekannter. Laut Staatsanwaltschaft handelt es sich bei dem 75-Jährigen um den "Macheten-Mann", der mit einer Machete in dem Düsseldorfer Hofgarten eigenmächtig das Unterholz gelichtet haben soll, um die Verstecke von Obdachlosen und schwulen Liebespaaren zu zerstören. Er war nach monatelangem Treiben erwischt worden.

Quelle: ntv.de, mau/dpa