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Berliner Gericht weist Klage ab Mädchen darf nicht im Knabenchor singen

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Will Gleichberechtigung erstreiten: Die Mutter und Anwältin der neunjährigen Klägerin vor Gericht.

(Foto: picture alliance/dpa)

Hat ein Mädchen Anspruch darauf, in einem Knabenchor mitzusingen? Das Berliner Verwaltungsgericht meint: Nein. Die Mutter der Berliner Schülerin wollte ihrer Tochter den Zugang erzwingen. Sie ist zugleich die Anwältin.

Liegt ein Fall von Diskriminierung vor, wenn ein Mädchen nicht in einem Knabenchor singen darf? Über diese Frage musste das Berliner Verwaltungsgericht entscheiden - und wies die Klage einer Neunjährigen zurück: Das Mädchen hatte die Aufnahme in den nur von Jungen gebildeten Staats-und Domchor erzwingen wollen. Vor Gericht gezogen war die Mutter des Mädchens, die gleichzeitig auch seine Anwältin ist. Sie sah das Recht ihrer Tochter auf Gleichberechtigung verletzt.

Es gehe hier um einen Konflikt zwischen Gleichheit vor dem Gesetz und Kunstfreiheit, fasste der Vorsitzende Richter nach rund drei Stunden den Konflikt zusammen. In seinem Urteil setzte das Gericht die Freiheit des Chores, sich seine Sänger selber auszusuchen vor das Verfassungsprinzip der Gleichheit der Geschlechter. Das Gericht sah aber in dem Streit einen "Pilotfall" und ließ deswegen eine Berufung zu.

Die Berliner Schülerin war in dem auf Musik ausgerichteten Händel-Gymnasium in Berlin mit einer hohen Punktzahl aufgenommen worden. Im November 2018 hatte sie sich um einen Platz im Staats- und Domchor beworben. Die Voraussetzungen, so sieht es ihre Mutter, waren blendend. Schließlich hatte ihr Kind schon im Chor der Komischen Oper und in der Frankfurter Domsingschule gesungen. Nun sollte die Stimme des Mädchens in dem 1465 als Hof- und Kirchenchor gegründeten Ensemble, das heute zur Universität der Künste (UdK) gehört, weiter ausgebildet werden.

Urteil des Chorleiters: "Nicht geeignet"

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Der Staats- und Domchor gehört in Deutschland zu den Spitzenensembles.

(Foto: picture alliance/dpa)

Nicht geeignet, urteilte aber Chorleiter Kai-Uwe Jirka nach einem Vorsingen. Dem Mädchen fehlten die Voraussetzungen für den Knabenchor. Das Spitzenensemble tritt etwa mit den Berliner Philharmonikern und dem Konzerthausorchester Berlin auf. In einer eigens von der Mutter und Anwältin geforderten Stellungnahme begründete Jirka im März 2019 auch schriftlich die Ablehnung.

Eine gute Stimme, aber keine Spitzenbegabung, hieß es darin. Außerdem fehle dem Kind die Motivation, um in seinem Konzertchor zu singen. Geschlechtsfragen, so betonte Jirka auch vor Gericht, hätten bei der Ablehnung keine Rolle gespielt. Allerdings hatte die UdK in einem Brief an die Mutter zunächst geschrieben, die Aussicht, dass ihre Tochter im Chor aufgenommen werde, sei so groß, wie etwa die eines Klarinettisten, in einem Streichquartett zu spielen - nämlich null. Also doch eine Geschlechterfrage?

Mit ihrer Klage wolle sie das Recht ihrer Tochter auf eine gute Stimmausbildung durchsetzen, argumentierte die Anwältin der Neunjährigen. Als öffentliche Einrichtung sei der Staats- und Domchor zur Gleichbehandlung verpflichtet. Die Unterschiede zwischen Mädchen- und Jungenstimmen seien nicht so gravierend, wie immer wieder dargestellt. Das hätten auch Untersuchungen ergeben.

Mädchen und Jungenstimmen vergleichbar?

Dieser Vermutung widersprach Chorleiter Jirka. Die Stimme eines Jungen sei bis zum Stimmbruch mit etwa 13 Jahren nicht mit der Stimme eines Mädchens vergleichbar. Mädchenstimmen veränderten sich früher und nicht so extrem. Dank Körperwachstum und einiger Testosteronschübe klinge die Jungenstimme vor dem Stimmbruch am schönsten - "ein letzter Schwanengesang", bevor sie dann ins Krächzen übergehe.

Dass Knabenchöre etwas besonderes sind, wussten etwa auch Gustav Mahler oder Hector Berlioz, die in einigen Kompositionen ausdrücklich Knabenchöre vorgeschrieben hatten. Und im Übrigen sei der Staats- und Domchor in erster Linie keine Ausbildungsstätte, sondern ein Kunstensemble. Deswegen habe er auch als Leiter das letzte Wort, sagte Jirka.

Die Anwältin des abgelehnten Mädchens sieht diese Begründung als vorgeschoben. Der Chor wolle eben keine Mädchen aufnehmen. Am Ende sei es doch nur eine Frage der Ausbildung, dass eine Stimme so klinge, wie es zu einem Chor passe. Da schüttelte Chorleiter Jirka mit dem Kopf. Es mache keinen Sinn, eine Mädchenstimme so zu trimmen, dass sie wie die eines Jungen klingt. "Warum wollten Eltern ihrer Tochter das antun?", fragte er vor Gericht.

Ob sie in die Berufung geht, will die Mutter mit der schriftlichen Begründung des Gerichts entscheiden. Doch sie hoffe, dass in Zukunft ein anderes Mädchen den Mut habe, gegen eine männliche Tradition vor Gericht zu ziehen.

Quelle: n-tv.de, Esteban Engel, dpa

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