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Schmerzensgeld für HIV-Infektion Mann muss Ex-Partnerin 115.000 Euro zahlen

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Trotz vieler Medikamente, die Erkrankten Linderung versprechen, gibt es immer noch keine Heilung für Menschen, die am HI-Virus erkrankt sind.

(Foto: dpa)

Ein Münchner steht vor Gericht, weil er seine Ex-Freundin mit dem HI-Virus infiziert hat. Obwohl ihn die Frau um eine Untersuchung gebeten hatte, macht der Mann keinen HIV-Test – verschweigt dies aber seiner Partnerin. Das kommt ihn nun teuer zu stehen.

Ein Mann muss seiner früheren Partnerin 115.000 Euro Schmerzensgeld bezahlen, weil er sie mit HIV infiziert hat. Das hat das Münchner Landgericht entschieden. Die Zivilkammer des Gerichts sprach der infizierten Frau außerdem Ersatz aller Folgeschäden zu.

Das Paar hatte sich - dem Urteil zufolge – im März 2012 kennengelernt. Wie die "Süddeutsche Zeitung" berichtete, war die Beziehung der beiden zunächst freundschaftlich gewesen. In dieser Zeit erzählte der Mann, dass seine frühere Freundin an einer Immunschwächekrankheit gestorben sei. Als sich die Freunde schließlich näher kamen, bestand die Frau deshalb auf einen HIV-Test. Sie bat ihren neuen Freund, sich von einem Urologen "durchchecken" zu lassen.

Vor Gericht erklärte die Frau erklärte diese Bitte damit, dass sie gegen Kondome allergisch sei und nur ungeschützten Geschlechtsverkehr haben könne. Bald darauf übergab der Mann der Frau schließlich einen Arztbericht und sagte, dass alles okay sei. Dass er sich zwar vom Urologen untersuchen, nicht aber auf HIV hatte testen lassen, verschwieg er seiner neuen Partnerin. Dreimal schliefen die beiden ungeschützt miteinander.

Blutungen, Durchfall, Erbrechen

Kurze Zeit später kam die Frau mit starken Blutungen, Durchfall, Erbrechen, Schlafstörungen und hohem Fieber ins Krankenhaus. Der "SZ" zufolge erlitt sie in der Klinik außerdem Blackouts, Reizhusten und Schwindel. Sie starb fast an einem Multiorganversagen. Die Ärzte testeten die Frau auf das HI-Virus. Der Test war positiv.

Die Erkrankte verklagte den Mann. Vor Gericht schilderte sie, wie ihr die Krankheit jede Lebensfreude nehme. Sie leide massiv unter den Nebenwirkungen der medikamentösen Behandlung, die sie ein Leben lang fortsetzen müsse. Einen Partner fürs Leben zu finden, wäre ihr nunmehr nahezu unmöglich. Wenn sie damals von der Infektion gewusst hätte, hätte sie nicht mit ihm geschlafen, so die Frau. Der Mann behauptet, von seiner HIV-Infektion erst nach der Erkrankung der Frau erfahren zu haben. Außerdem sagte er, er habe der Frau vor dem ersten Beischlaf die Wahrheit gebeichtet, nämlich dass er keinen HIV-Test gemacht hatte.

Das Gericht ging jedoch von den Angaben der Klägerin und dem Ergebnis eines Experten-Gutachtens aus. Dem Sachverständigen zufolge hat "mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit" der beklagte Mann seine damalige Partnerin infiziert. Dass dieser vorsätzlich gehandelt hat, ließ sich laut Urteil aber nicht beweisen. Er habe jedoch seine Sorgfaltspflichten "schuldhaft verletzt", als er die Existenz eines negativen Tests vorgegeben habe und sie damit zum ungeschützten Sex verleitete.

Das Gericht sagte, dass derzeit über ein insgesamt angemessenes Schmerzensgeld noch nicht geurteilt werden könne. Niemand wisse, wie sich die Krankheit entwickle. Deshalb gehe es derzeit nur um die bisher eingetretenen Schäden. Das Gericht betonte außerdem, dass die Frau mit dem Wissen leben müsse, nach heutigen Kenntnisstand "eines inzwischen nicht mehr fernen Tages an Aids sterben zu müssen". Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Quelle: ntv.de, kpi/dpa