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Der Stolz der argentinischen Marine: Die "ARA San Juan", hier 2011 in der Werft in Buenos Aires (Archivbild).
Der Stolz der argentinischen Marine: Die "ARA San Juan", hier 2011 in der Werft in Buenos Aires (Archivbild).(Foto: picture alliance / Mario Defina/)
Sonntag, 26. November 2017

Vermisstes U-Boot im Südatlantik: Marine spricht von "Verzweiflung"

Seit eineinhalb Wochen gilt die "ARA San Juan" als vermisst: Im Südatlantik suchen Schiffe, Flugzeuge und Tauchroboter nach dem verschollenen U-Boot der argentinischen Marine. Noch wollen viele Angehörige der 44 Besatzungsmitglieder die Hoffnung nicht aufgeben.

Zehn Tage nach dem Verschwinden des argentinischen U-Boots "ARA San Juan" im Südatlantik bleibt das Schicksal der 44 Menschen an Bord weiter unklar. "Bedauerlicherweise konnten wir das U-Boot 'San Juan' trotz aller Anstrengungen noch nicht orten", sagte Marine-Sprecher Enrique Balbi. "Wir befinden uns in einem Moment zwischen Hoffnung und Verzweiflung."

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Zahlreiche Schiffe und Flugzeuge aus 13 Ländern nehmen an der Suchaktion teil. Russland und die USA unterstützten die Suche mit einem Tauchroboter und einem Mini-U-Boot. Zur Klärung des Schicksals der U-Boot-Besatzung würden klare Beweise benötigt, sagte Balbi. "Wir konzentrieren uns darauf, das U-Boot zu finden." Die Suche gehe rund um die Uhr weiter.

Die Kommunikation mit dem havarierten argentinischen U-Boot war am 15. November abgebrochen. Kurz darauf kam es in dem Seegebiet, in dem sich das U-Boot mutmaßlich aufhielt, zu einer schweren Explosion. Darauf deutet zumindest die Auswertung von Daten hin, die die Atomtest-Überwachungsbehörde CTBTO mit ihrem Messnetz aus hochempfindlichen Unterwassermikrofen aufgezeichnet hatten.

"Noch haben wir Hoffnung und Glaube. Ich werde mich nicht geschlagen geben. Wir müssen zusammenhalten. Wir sind 44 Familien", sagte Zulma, die Mutter eines Besatzungsmitglieds, im Fernsehsender C5N. "Ich habe schon so viel geweint. Ich will nur, dass sie uns keine falschen Informationen geben." An Bord der "San Juan" befanden sich zum Unglückszeitpunkt 43 Männer und eine Frau: Eliana Krawczyk, Argentiniens erste Marineoffizierin der U-Boot-Truppe.

Einsatz gegen illegale Fischerei

Kreuzpeilung mit Unterwasserschalldaten: Der Ort der mutmaßlichen Explosion liegt im Südatlantik.
Kreuzpeilung mit Unterwasserschalldaten: Der Ort der mutmaßlichen Explosion liegt im Südatlantik.(Foto: Foto: Google Earth/CTBTO/AP/dpa)

Die "ARA San Juan" war bis zum Zeitpunkt ihres Verschwindens gegen illegale Fischerei am Außenrand der Wirtschaftszone Argentiniens im Südatlantik im Einsatz. Die Grenze der argentinischen Wirtschaftszone verläuft entlang des Kontinentalsockels, bei dem die Meerestiefe von rund 200 auf bis zu 3000 Meter Tiefe abfällt. Im Meer vor Argentinien war es erst im Frühjahr 2016 zu einer Konfrontation zwischen der Marine und kommerziellen Hochseefischern gekommen. Dabei wurde ein chinesischer Trawler versenkt.

Die Chancen, Überlebende zu finden, sind mittlerweile verschwindend gering. Wenn sich die aufgezeichnete Explosion an Bord oder in unmittelbarer Nähe des U-Boots ereignet hat, dann dürfte die "San Juan" so schwer beschädigt worden sein, dass sie an Ort und Stelle versank. Derzeit halten Beobachter dies für die plausibelste Annahme. Denkbar wäre etwa eine durch einen Kurzschluss ausgelöste Zündung im Torpedoraum. In diesem Fall dürfte die Besatzung sofort tot gewesen sein.

Explosion im Torpedoraum?

Das tatsächliche Schicksal der "San Juan" liegt allerdings noch vollkommen im Dunkeln. Gewissheit kann es erst geben, wenn es gelingt, die "San Juan" - oder ihre Überreste - zu finden. Die Chancen, das U-Boot zu entdecken und zu bergen, hängen nun vor allem davon ab, ob es auf dem flacheren Kontinentalschelf oder jenseits des Kontinentalhangs in großer Tiefe auf Grund liegt. Die argentinische Marine führt die Besatzung offiziell noch immer als vermisst.

Die "San Juan" mit einer Kiellänge von 65 Metern wurde im Auftrag der argentinischen Kriegsmarine von den damals dem Thyssen-Konzern gehörenden Nordseewerken in Emden gebaut und 1985 in Dienst gestellt. Ursprünglich war das Boot für eine 29-köpfige Besatzung vorgesehen. Warum sich an Bord der "San Juan" zuletzt deutlich mehr Personen aufhielten, ist noch unklar.

Das U-Boot mit einem diesel-elektrischen Antrieb ist für Tauchfahrten bis 300 Meter Tiefe ausgelegt und kann sich bei Bedarf auch untergetaucht über ein Schnorchelsystem mit Atemluft für Besatzung und Diesel-Aggregate versorgen. Allerdings ist die maximale Tauchtiefe dann auf wenige Meter beschränkt. Ohne zwischenzeitlich aufzutauchen, kann das Boot etwa sieben Tage unter Wasser bleiben. Üblicherweise sind Vorräte für bis zu 30 Tage auf See an Bord. Die maximale Reichweite liegt bei rund 12.000 Seemeilen, was grob der Strecke Hamburg - Buenos Aires und zurück entspricht.

Quelle: n-tv.de