Panorama

Umweltschutz einfach vergessen Masken vermüllen Strände von Costa Rica

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Die Masken sind überall.

(Foto: imago images/Jan Huebner)

Christine Figgener forscht an Schildkröten. Und sie sammelt Müll. Beides sind schier endlose Unterfangen. Jetzt kommt jedoch ein neues Problem hinzu: die Einweg-Atemschutzmasken, mit denen sich die Menschen in der Pandemie gegen das Coronavirus schützen.

Die deutsche Schildkrötenforscherin Christine Figgener zählt zu den engagiertesten Umweltaktivistinnen unserer Zeit. Ein Video, das sie vor einigen Jahren hochgeladen hat, machte sie weltweit bekannt: Es zeigt, wie sie zusammen mit ihrem Team einer Schildkröte einen Strohhalm aus dem Nasenloch zieht.

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Ein entsetzlicher Anblick: Der Schildkröte wird ein Strohhalm aus dem Nasenloch entfernt.

(Foto: YouTube/ CFiggener)

Der Clip wird millionenfach geklickt. Jeder, der das Video sieht, leidet mit der Schildkröte und dem entsetzten Team mit, das anfangs gar nicht glauben kann, wovon es das Tier tatsächlich befreien muss. Seitdem hat Figgeners Stimme in der Umweltszene Gewicht. Durch ihr Video wird eine Diskussion über Einwegplastik losgetreten, die am Ende sogar dazu geführt hat, dass ab 2021 Einwegplastik innerhalb der EU verboten werden soll. Zusätzlich feierte das Time Magazine Christine als "Next Generation Leader" dafür, dass sie maßgeblich daran teilhat, das Zeitalter von Plastik - hoffentlich - bald zu beenden.

Bereits vor einem Jahr hat die deutsche Biologin in Panama zusammen mit der Organisation "Ocean Legacy" dabei geholfen, Strände von Müll zu befreien und einheimische Dörfer über ein besseres Müll-Management aufzuklären. Eine Erfahrung, die noch heute nachwirkt, sagt Christine Figgener: "Die haben jetzt eine tolle Müllverwertungsanlage und auch eine bessere Idee, wie sie ihren Müll reduzieren können. Und auch den Müll, den sie noch produzieren, können sie nun besser verwerten, damit er gar nicht erst im Meer landet."

Herber Rückschlag

*Datenschutz

Figgener ist Botschafterin beim diesjährigen "World Clean Up Day" - dem Tag, an dem jeder dazu aufgerufen ist, mitzuhelfen, Müll in der Natur aufzusammeln. Wie wichtig es ist, dass jeder zumindest einmal im Jahr mit anpackt, zeigt der Alltag der Biologin in Costa Rica. Hier befindet sich ihre Forschungsstation. Doch am meisten ist die Deutsche damit beschäftigt, die Strände von Müll zu befreien. Unterstützt wird sie dabei von Einheimischen und Praktikant*innen. Gerade sind es drei deutsche Biologie-Studentinnen.

Zwischen Sand und Ästen finden sie bei ihren fast täglichen Gängen über den Strand so ziemlich alles: Plastikflaschen, Zahnbürsten, Schuhe - und neuerdings auch Einwegmasken. Diese Tatsache frustriert Christine Figgener besonders: "Ich habe das Gefühl, dass alles, was wir erreichen wollten, bevor die Pandemie angefangen hat, in Vergessenheit geraten ist." Dass Einwegmasken einfach in der Natur "entsorgt" werden, ist für die Forscherin ein herber Rückschlag im Kampf gegen Umweltverschmutzung.

Figgener spricht mit dieser Art der Masken-"Entsorgung" ein Problem an, das nicht nur in Costa Rica existiert, sondern genauso in Deutschland. Auch hier werden Masken achtlos weggeworfen. Das zeigt leider auch eine Stichprobe in Köln: Auf einer gewöhnlichen Joggingstrecke fanden sich innerhalb von 25 Minuten 24 Masken. Fast jede Minute eine Maske.

*Datenschutz

Diese Stichprobe bestätigt den Eindruck der letzten Wochen, dass Einwegmasken seit den Corona-Maßnahmen immer öfter im Stadtbild auftauchen. Für die Kölner Abfallwirtschaftsbetriebe (AWB) sind die Masken "die neuen Zigarettenstummel": Nach Benutzung einfach achtlos in die Gegend geworfen - das kennt man sonst nur von den Resten der Glimmstängel. Auf ihrer Instagram-Seite appelliert die AWB, auf Stoff-Masken zurückzugreifen. Diese kann man schließlich mehrfach waschen und wiederverwenden.

Es ist ein Appell, den auch Biologin Christine Figgener unterstützt. Denn die Frau, die ständig Müll beseitigt, ist - nur zur Erinnerung - eigentlich Schildkrötenforscherin. Doch so hart ihr Kampf auch sein mag: Sie wird weiterhin gegen Plastikmüll ankämpfen.

Quelle: ntv.de