Tausende Retter im EinsatzMindestens acht Deutsche nach Sturzflut in Nepal vermisst

Nach der gewaltigen Sturzflut im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet suchen Tausende Einsatzkräfte nach Vermissten. Unter ihnen sind zahlreiche ausländische Reisende. Überlebende berichten von dramatischen Szenen und gewaltiger Zerstörung.
Nach der verheerenden Sturzflut in Nepal werden mindestens acht Deutsche vermisst. Insgesamt gibt es keine Lebenszeichen von 517 Ausländern, wie die nepalesische Tourismusbehörde mitteilte. Darunter sind unter anderem 178 Touristen aus Indien, 65 Reisende aus den USA und 33 Briten.
Eine gigantische Sturzflut, die nach Angaben der US-Erdbebenwarte USGS von einem Gletscherabbruch ausgelöst worden war, hatte am Mittwoch ganze Städte und Dörfer im Grenzgebiet zwischen Nepal und Tibet zerstört. Insgesamt werden in der Region fast 1500 Menschen würden vermisst, darunter rund 800 Ausländer. Die Zahl werde aber voraussichtlich weiter steigen. "Die Zahl wird nach oben gehen, da wir die Suche wieder aufgenommen haben und voraussichtlich weitere Leichen geborgen werden", sagte ein nepalesischer Polizeisprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Die Such- und Rettungsarbeiten laufen auf Hochtouren. Mehr als 5000 Rettungskräfte von Armee und Polizei sind im Einsatz. Auch internationale Hilfe lief an.
Viele der Opfer befanden sich auf einer Pilgerreise zum Berg Kailash in Tibet, der unter anderem im Hinduismus und Buddhismus als heilig gilt. Überlebende berichteten von dramatischen Szenen. "Es war ein riesiger Schwall Schlamm, der direkt auf uns zukam", sagte der 68-jährige Keshav Prasad Baral. Er habe noch versucht, seine Frau auf die Terrasse zu retten. "Aber sie wurde vom Schlamm mitgerissen." Das Ausmaß der Zerstörung ist enorm: "Es gibt keine Siedlungen mehr. Alles ist einfach platt", sagte der Chef eines Tourismusunternehmens nach einem Hubschrauberflug über das Gebiet.
In den am schwersten betroffenen Gebieten Nepals warfen Hubschrauber Zelte, Lebensmittel und andere Hilfsgüter ab, die vom Nachbarland Indien bereitgestellt wurden. Mehr als 5000 Rettungskräfte von Armee und Polizei seien im Einsatz, sagte ein Armeesprecher. Auf der chinesischen Seite könnten die Rettungsarbeiten durch einen aufgestauten See am Zusammenfluss zwei Flüsse in Gyirong oberhalb des Katastrophengebiets erschwert werden, berichtete CCTV.
International liefen Hilfsmaßnahmen an: Die USA sagten 500.000 Dollar sowie die Entsendung eines Beraters für Katastrophenhilfe zu, während die Vereinten Nationen Personal und Material schickten. Der kanadische Premierminister Mark Carney bezeichnete die Überschwemmungen auf der Online-Plattform X als "absolut verheerend". Auch der australische Premierminister Anthony Albanese äußerte sich besorgt, verwies jedoch auf die schwierige Informationslage. Die UN und ihre Partnerorganisationen entsandten nach Angaben von Generalsekretär Antonio Guterres Hilfsgüter und Personal, um die betroffenen nepalesischen Ortschaften zu unterstützen.