Panorama

Skurriles Vorgehen in Tansania Mit Dampf und Gott gegen Corona

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Tansania gilt als Corona-frei. Zumindest ist es das laut Präsident John Magufuli, der im September 2020 in der Hauptstadt Dodoma vor Tausenden von Menschen ohne Abstand und Masken sprach.

(Foto: imago images/Xinhua)

Seit Mai 2020 liefert Tansania keine Corona-Neuinfektionszahlen mehr an die WHO, denn laut Präsident Magufuli gibt es das Virus dort nicht mehr. Und wenn doch, empfiehlt er fragwürdige Dinge, um mit einer Erkrankung umzugehen. Von Tests und Impfungen hält er nichts.

Hustend und röchelnd gab Tansanias Finanzminister Philip Mpango eine Pressekonferenz. Es gehe ihm wieder besser, sagte er nach längerem Krankenhausaufenthalt mit Sauerstoffbehandlung Mitte Februar. Von Corona war kaum die Rede - offiziell galt Tansania lange Zeit als Corona-frei: Seit Mai 2020 liefert der Staat überhaupt keine Neuinfektionszahlen mehr. "Wir haben bisher noch keine Berichte von Tansanias Regierung erhalten", bestätigte Ende Februar die Afrika-Direktorin der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Matshidiso Moeti. Immerhin, so Moeti, habe die Regierung nun keine Einwände gegen Menschen, die Masken tragen und auf Desinfektion setzten.

Während Afrikas Regierungen im Kampf gegen das Coronavirus seit Monaten auf Masken, Desinfektion, Impfungen und Distanzregeln setzen, ragt Tansania auf dem Kontinent so einsam heraus wie der Kilimandscharo aus der Savanne. Die frühere deutsche Kolonie mit ihren rund 58 Millionen Einwohnern gilt eigentlich als stabiles Land, das im Ausland vor allem für Safari-Reisen in der Serengeti und das Besteigen von Afrikas höchstem Berg, dem Kilimandscharo, bekannt ist. Im Vergleich zu Deutschland, wo die Einschränkung von Freiheitsrechten in der Corona-Pandemie bei einigen auf Kritik stößt, existiert dort eine verkehrte Welt. Viele Menschen unterwerfen sich mittlerweile freiwillig selbst auferlegten Restriktionen.

Gebete und Gesundheitsdrinks

Denn ihr Präsident John Magufuli hält nichts davon und empfiehlt stattdessen unkonventionelle Mittel wie Dampfbäder, Gebete oder Gesundheitsdrinks. Auch eins seiner Kinder sei infiziert gewesen, hatte er im Vorjahr erklärt. Es sei aber geheilt, nachdem es unter anderem Zitronen und Ingwer gegessen habe. Homeoffice, geschlossene Büros? Nicht in Tansania: "Ich will nichts von Corona als Ausrede für Projektverzögerungen hören", sagte Magufuli bei der Eröffnung einer Fußgängerbrücke in Daressalam. Seine Minister seien angewiesen, Unternehmer zu feuern, die Corona als Ausrede nutzen.

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Magufuli wird auch "Bulldozer" genannt.

(Foto: imago images/Xinhua)

Magufuli spielte die Gefahr durch das Virus lange herunter und stellte selbst die Glaubwürdigkeit von Corona-Tests infrage. Erst vor wenigen Tagen wurde die Präsenz von Corona-Fällen im Land öffentlich anerkannt. Restriktionen wurden erst spät eingeführt und waren im Vergleich zu denen anderer afrikanischer Länder locker. Kirchen und Moscheen blieben offen. "Wir haben uns nicht eingesperrt und wir werden jetzt auch keinen Lockdown für das Land verhängen, weil ich glaube, dass das vorübergehen wird, wenn wir uns Gott unterwerfen", sagte er kürzlich bei einer Feier. Er denke, dass Gott die Tansanier testen wolle, weil sie etwas falsch gemacht hätten.

Im Januar hatte er noch vor Corona-Impfungen gewarnt. "Es gibt einige Tansanier, die ins Ausland gegangen sind, um eine Corona-Impfung zu bekommen, und das sind diejenigen, die die Krankheit hierher gebracht haben", sagte er und betonte: "Vertraut diesen Impfstoffen nicht." Der seit 2015 amtierende und gerade wiedergewählte Magufuli - wegen seines kompromisslosen Führungsstils auch "Bulldozer" genannt - forderte das Gesundheitsministerium zur Vorsicht mit den im Ausland entwickelten Impfstoffen auf und stellte infrage, wie sie so schnell hätten entwickelt werden können.

Land offen für Tourismus

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Der Kilimandscharo lockt Touristen nach Tansania.

(Foto: imago images/YAY Images)

Anders als in vielen anderen afrikanischen Ländern, wo sich im Vorjahr per Flugzeug einreisende ausländische Urlauber erst in eine mehrtägige Quarantäne begeben mussten, öffnete er das Land dem Tourismus. Die Behörden erhielten Anweisung, den Weg dafür freizumachen. Die Folge: Vor allem die Insel Sansibar wurde zu einem Biotop meist osteuropäischer Urlauber, die dort frei von den Restriktionen in ihren Heimatländern entspannen wollten. Die USA dagegen sprachen Reisewarnungen aus, denen sich andere Länder anschlossen.

Auch Schulunterricht und Sportveranstaltungen blieben erlaubt - wie der im kommenden Jahr 20 Jahre alte Kilimandscharo-Marathon. Das ausgebuchte Sportereignis im Schatten des Berges ist ein Massenevent mit 1200 Läufern - meist gewinnen die flinken Kenianer, die diesmal aber auf Anordnung ihrer Regierung Ende Februar nicht teilnahmen. Das Rennen wurde daher nun ein überwiegend tansanisches Spektakel. "Wir hatten seit Jahresbeginn deutsche und Schweizer Gäste und nun sogar zwölf Motorradfahrer - die meisten davon aus Osteuropa", berichtete ein deutscher Lodgemanager am Fuße des Berges, betonte aber: "Was diesmal flach fiel, waren deutsche Marathon-Reisende."

Lediglich die Afrika vorgelagerte Gewürzinsel Madagaskar kommt an diesen unkonventionellen Umgang mit der Pandemie heran. Dort setzt die Regierung auf einen "Covid Organics" genannten Gesundheitsdrink. Das auf Basis der heimischen Artemis-Pflanze hergestellte Getränk soll die Immunität stärken, vor zahlreichen Viren und Fieber schützten - vor allem vor Lungenkrankheiten. Vergangenen Oktober kam er dann sogar in Pillenform als "CVO+Préventif" auf den Markt.

Quelle: ntv.de, Ralf E. Krüger, dpa

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