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Re:publica: "Love out Loud" Mit mehr Liebe gegen Hass im Netz

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(Foto: re:publica)

"Wir wollen die Welt nicht den Arschlöchern überlassen", lautet der deutliche Appell zur Eröffnung der elften re:publica. Das diesjährige Motto "Love out loud" gibt auch den Ton vor, der bei der größten Internetkonferenz Europas angeschlagen werden soll.

In den kommenden drei Tagen dreht sich in Berlin wieder alles darum, wie sich mit dem Internet und dortigen Ausdrucksmöglichkeiten wie Blogs oder sozialen Netzwerken mal kurz die Welt retten lässt. Die elfte re:publica steht in diesem Jahr - in Zeiten von Hate Speech und Fake News - unter dem Motto "Love out Loud". Mehr als 1000 Sprecher und über 8000 Besucher aus Dutzenden Ländern werden erwartet.

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Andreas Gebhard (l-r), Markus Beckedahl, Tanja Haeusler und Johnny Haeusler eröffnen die re:publica

(Foto: re:publica)

"Die Welt, auch die virtuelle wollen wir nicht den Arschlöchern überlassen", erklärte Tanja Haeusler vom Spreeblick-Verlag, der das über die Jahre hinweg rasant gewachsene Forum zusammen mit der Firma Newthinking Communications veranstaltet. "Fuck you, let's love out loud", lautet ihr Appell. Es gelte, sich der "Welle organisierten Hasses im Netz entgegenstellen". "Das Leben ist kein re:publica-Hof", ergänzte Spreeblick-Gründer Johnny Haeusler. Er verstehe das Motto als Aufruf zur digitalen Zivilcourage: "Wir müssen Solidarität zeigen, nicht nur weiterscrollen und wegklicken."

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller betonte bei der Eröffnung den Wert freier und unabhängiger Medien. Berlin stehe wie keine andere Stadt für Liberalität, für Offenheit und Toleranz, für Freiheit und Internationalität, sagte der SPD-Politiker. Diese Dinge und auch die Meinungs- und Pressefreiheit seien nicht selbstverständlich, sondern Werte, "für die man immer wieder kämpfen, sich immer wieder engagieren muss". Stellvertretend nannte er den in der Türkei inhaftierten Journalisten Deniz Yücel.

Werte sind nicht selbstverständlich

Der türkische Journalist und Dokumentarfilmer Can Dündar, der als Überraschungsgast auftrat, warb für Solidarität mit inhaftierten Journalisten. Der ehemalige Chefredakteur der "Cumhuriyet" berichtete von einer Gruppe Kollegen, die seit 190 Tagen in der Türkei im Gefängnis säßen, nur weil sie ihrem Beruf nachgegangen seien. "Es gibt kein Recht und keine Pressefreiheit in diesem Land", sagte Dündar, der derzeit in Deutschland lebt und arbeitet.

Dündar rief dazu auf, auch von Deutschland aus die Betroffenen zu unterstützen - und erntete anhaltenden Applaus. Auch Journalisten und Aktivisten aus Ungarn, Ägypten und Polen berichteten von zum Teil schweren Einschränkungen der Pressefreiheit in ihrem Land. "Ungarische Journalisten waren wie der Frosch in einem Topf mit Wasser, das langsam zum Kochen gebracht wird", sagte Márton Gergely, der stellvertretende Chefredakteur der eingestellten ungarischen Oppositionszeitung "Népszabadság".

Die Medien in seinem Land hätten die Bedrohung erst zu spät erkannt und sich auf politische Grabenkämpfe eingelassen, anstatt Neutralität und Solidarität miteinander zu bewahren. Der ägyptische Netzaktivist und Sicherheitsforscher Ramy Raoof forderte die Anwesenden dazu auf, Anfragen bei Regierungen zu stellen und alle Informationen im Netz zu veröffentlichen, um bedrohten Akteuren der Zivilgesellschaft in Ägypten zu helfen.

Viele Menschen würden denken, Werte wie Pressefreiheit seien hierzulande selbstverständlich, sagte SPD-Politiker Müller. Man müsse sich aber dafür einsetzen. Die anstehende Bundestagswahl im September ist für ihn "vielleicht ein Testfall, wie wir uns gemeinsam auseinandersetzen mit dieser Debatte um Lügenpresse und Fake News", sagte Müller. Sie werde aber auch ein Startpunkt sein, "wie wir mittelfristig die politische Bildung und die Medienkompetenz in unserem Land stärken". Zudem sei jeder einzelne aufgerufen, selbstkritisch aus der eigenen "Medienblase" der sozialen Netzwerke auszutreten.

Quelle: n-tv.de, dsi/dpa

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