Panorama

Schwarzer bei Kontrolle erschossen Mordanklage gegen weißen US-Polizisten

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Der 25-jährige Ray T. muss sich nun wegen Mordes vor Gericht verantworten.

(Foto: REUTERS)

Nach einem Fall tödlicher Polizeigewalt in den USA muss ein weißer Polizist vor Gericht. Er hatte bei einer Verkehrskontrolle einen 43-jährigen Schwarzen erschossen. Es war Mord, sagt der Staatsanwalt. Die Körperkamera des Polizisten liefere den Beweis.

Ein weißer US-Polizist hat bei einer Verkehrskontrolle einen Afroamerikaner erschossen - nun steht der Beamte Ray T. unter Mordanklage. Wie die Staatsanwaltschaft in Cincinnati im Bundesstaat Ohio erklärte, habe der Polizist der Universität von Cincinnati den 43-Jährigen vor gut einer Woche grundlos niedergeschossen.

Wie die New York Times berichtete, veröffentlichte die Staatsanwaltschaft ein Video von dem Vorfall. Das mit einer am Körper des angeklagten Polizisten befestigten "Bodycam" aufgenommene Filmmaterial soll zeigen, wie die Situation während der Verkehrskontrolle eskaliert - und der 25-jährige Polizist am Ende dem dunkelhäutigen Autofahrer in den Kopf schießt.

"Wenn Sie sehen, glauben Sie nicht, wie schnell er (der Polizist) seine Waffe zog und ihn in Kopf schoss", sagte Staatsanwalt Joseph Deters mit Blick auf das Video. "Vielleicht eine Sekunde", fügte er hinzu. Viele US-Universitäten verfügen über eigene Polizeibeamte. Der Polizist habe den Mann am 19. Juli in Cincinnati angehalten, weil sein Auto vorn kein Nummernschild gehabt habe. Die Polizei habe ihn darauf verfolgt und gestellt und nach seinem Führerschein gefragt. Eigentlich handele es sich dabei um "Kleinkram" ("chicken crap"), meinte Staatsanwalt Deters weiter. "Sie müssen ihn nicht in den Kopf schießen", aber das ist das, was passiert ist."

"Ohne Zweifel ein Mord"

Laut Deters ist die Aufnahme ein "stichhaltiger Beweis" dafür, dass der Fahrer sich nicht aggressiv verhalten und keine Gefahr für den Polizisten dargestellt habe. Zudem belege sie, dass der Polizist mit seiner Aussage gelogen habe, von dem Auto des Opfers mitgeschleift worden zu sein. Es handele sich ohne Zweifel um einen Mord, so der Staatsanwalt. Dem Angeklagten drohe bei einer Verurteilung eine lebenslange Freiheitsstrafe.

Nach einer Serie von Übergriffen weißer Polizisten auf Schwarze in den vergangenen Monaten berichteten US-Medien landesweit über den jüngsten Fall. Die Vorfälle hatten zum Teil auch gewalttätige Proteste und Diskussionen über Rassismus in der Polizei ausgelöst. Ende April wurde die Ostküstenstadt Baltimore von schweren Ausschreitungen erschüttert, nachdem ein junger Afroamerikaner dort in Polizeigewahrsam ums Leben gekommen war.

Quelle: ntv.de, kst/dpa