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15-jährige Mia erstochen Mordfall Kandel: Täter tot in Zelle entdeckt

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Mias Tod sorgte bundesweit für Entsetzen.

(Foto: dpa)

Im Dezember 2017 ersticht Abdul D. seine Ex-Freundin Mia vor einem Drogeriemarkt im pfälzischen Kandel. Ein Gericht verurteilt ihn wegen Mordes zu achteinhalb Jahren Haft. Nun wird er tot in seiner Zelle gefunden.

Der wegen Mordes an seiner Ex-Freundin Mia verurteilte Abdul D. ist in der Jugendstrafanstalt Schifferstadt tot in seiner Zelle aufgefunden worden. Ersten Erkenntnissen von Polizei und Staatsanwaltschaft zufolge hat sich der aus Afghanistan stammende Mann erhängt. Hinweise auf Fremdeinwirkung gibt es demnach derzeit nicht.

Die Behörden leiteten ein Ermittlungsverfahren ein, um die genauen Todesumstände aufzuklären. Nach Angaben des Justizministeriums in Mainz erhängte sich D. in der Nacht mit Schnürsenkeln und einem Kopfkissenbezug, während seine Einzelzelle von außen verschlossen war. Die Zelle sei nicht videoüberwacht gewesen, weil es keine Anzeichen für eine Selbsttötungsabsicht gegeben habe. Eine Obduktion am Freitag soll genauere Erkenntnisse zum Todeszeitpunkt bringen.

Der Flüchtling war im September vergangenen Jahres zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden - er hatte Mia im Dezember 2017 vor einem Drogeriemarkt im pfälzischen Kandel mit einem Messer erstochen. Die 15-Jährige starb an einem Stich ins Herz. Die Staatsanwaltschaft ging in ihrer Anklage davon aus, dass Eifersucht und Rache die Motive für die Tat waren. Die Schülerin soll sich wenige Wochen zuvor von Abdul D. getrennt haben.

Diskussionen über Alter des Täters

Für seine Tat wurde dieser nach dem Jugendstrafrecht verurteilt. Abdul D. wurde nach seiner Ankunft in Deutschland als unbegleiteter minderjähriger Flüchtling aufgenommen und betreut. Er gab sein Alter zunächst mit 15 Jahren an. Nach der Tat kamen jedoch Zweifel auf, ob er tatsächlich so jung ist. Ein Gutachten im Auftrag der Staatsanwaltschaft kam zu dem Ergebnis, dass er zum Zeitpunkt der Tat mindestens 17 Jahre und sechs Monate, wahrscheinlich aber schon 20 Jahre alt war. Gegen das Urteil legte die Staatsanwaltschaft zunächst Revision ein, nahm sie aber wieder zurück. Die Verteidigung verzichtete auf Rechtsmittel.

Der damalige Anwalt von Abdul D., Maximilian Endler, sagte zu der Todesmitteilung: "Ich weiß von nichts und kann daher auch nichts dazu sagen." Er hatte nach dem Urteil gesagt, er rechne damit, dass sein Mandant nach der Verbüßung eines Teils der Strafe abgeschoben werde.

Das Verbrechen hatte bundesweit für großes Entsetzen gesorgt. Der Fall fachte zudem die Diskussion um die Altersfeststellung von jungen Flüchtlingen neu an. Rechtspopulistische Gruppen nahmen den Fall zum Anlass, um in Kandel gegen die Asylpolitik der Bundesregierung zu protestieren. Die nächste Demonstration war für diesen Freitag in Landau angekündigt.

Rat und Nothilfe bei Suizid-Gefahr und Depressionen

  • Bei Suizidgefahr: Notruf 112
  • Beratung in Krisensituationen: Telefonseelsorge (0800/111-0-111 oder 0800/111-0-222 oder 116-123, Anruf kostenfrei) oder Kinder- und Jugendtelefon (Tel.: 0800/111-0-333 oder 116-111; Mo-Sa von 14 bis 20 Uhr)
  • Bei der Deutschen Depressionshilfe sind regionale Krisendienste und Kliniken zu finden, zudem Tipps für Betroffene und Angehörige.
  • In der deutschen Depressionsliga engagieren sich Betroffene und Angehörige. Dort gibt es auch eine E-Mail-Beratung für Depressive.
  • Eine Übersicht über Selbsthilfegruppen zur Depression bieten die örtlichen Kontaktstellen (KISS).

 

Quelle: n-tv.de, ftü/dpa/AFP

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