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#bundesjugendspieleweg Mutter will Bundesjugendspiele abschaffen

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Jungen und Mädchen bei Bundesjugendspielen in Hannover.

(Foto: imago/Rust)

Rennen, Werfen, Springen - das sind die Disziplinen der alljährlich stattfindenden Bundesjugendspiele. Vielen macht das Spaß, aber für viele ist es auch eine Qual. Die Mutter eines Drittklässlers hat von den sportlichen Wettbewerben die Nase voll.

Das Schuljahr neigt sich dem Ende entgegen, die Tage werden wärmer, damit stehen in den Schulen wieder die alljährlichen Bundesjugendspiele an. Kein Unterricht, dafür kommen alle in Sportsachen in die Schule und wandern dann gemeinsam auf den naheliegenden Sportplatz oder die dazugehörige Schularena, um sich im sportlichen Wettkampf zu messen. Laufen, Werfen, Springen für alle.

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Am Ende des Tages bekommt die Sportskanone der Klasse einen Stapel Ehrenurkunden, unterschrieben vom Bundespräsidenten und alle anderen eine Teilnahmebestätigung. So erging es auch dem Sohn von Christine Finke, der nach der Rückkehr zu Hause über den gefühlten sportlichen Misserfolg weinte. Daraufhin kündigte die Mutter bei Twitter an, sie erwäge ernsthaft eine Petition gegen die Bundesjugendspiele.

Womit die 48-Jährige nicht gerechnet hatte: Sie bekam für diese Idee jede Menge Unterstützung in den sozialen Netzwerken. Dem Bayerischen Rundfunk sagte sie: "Ich habe zu meinem Tweet wahnsinnig viele Rückmeldungen bekommen. 200 Leute innerhalb von einer Stunde, die auch alle fanden, man müsste da was ändern. Daraufhin habe ich gedacht: Na gut, dann ist das wohl ein Thema."

Anstoß zur Veränderung

Gesagt, getan. Finke startete ihre Petition an Familienministerin Manuela Schwesig mit dem Ziel, die Bundesjugendspiele abzuschaffen. Ihre Hauptargumente: Viele Schüler fühlen sich von der Veranstaltung vor ihren Mitschülerinnen und Mitschülern gedemütigt. Die Unsportlichen stehen chancenlos am Start und das postulierte Ziel, so mehr Freude an Bewegung zu erreichen, könne nur verfehlt werden. Inzwischen haben über 12.000 Menschen diese Petition unterschrieben.

Außerdem tobt gegen Finke ein Shitstorm, der sie zunächst auch den Medien gegenüber verstummen ließ. An #bundesjugendspieleweg scheinen sich die Geister zu scheiden. Finkes Unterstützer teilen ihre Ansicht, dass die Bundesjugendspiele nicht mehr zeitgemäß sind und eher vom Sporttreiben abschrecken, als zu Bewegung zu motivieren. Viele haben Erinnerungen an Demütigungen, wenn sie die Vorgaben als Schüler selbst verfehlten.

Die Kritiker hingegen argumentieren, dass Wettbewerb eben dazugehöre und Kinder das auch in der Schule lernen könnten. Außerdem würde mit einer Abschaffung der jährlichen Sportfeste der zunehmenden Bewegungsarmut der Kinder weiter Vorschub geleistet. Nicht zuletzt sei es gut, wenn man an der Schule auch einmal mit nicht-intellektuellen Leistungen Meriten erwerben könne.

Finke glaubt nicht ernsthaft daran, dass die Bundesjugendspiele, die auf Beschluss der Kultusministerkonferenz an allen Schulen bis zur 10. Klasse stattfinden müssen, wirklich abgeschafft werden. Auch ihre Petition habe ja keinerlei rechtliche Verbindlichkeit, weiß die Mutter dreier Kinder. Aber sie habe eine Diskussion anstoßen wollen, schreibt Finke auf ihrem Blog. Und ein bisschen habe sie es auch für die kleine Christine getan, "die jedes Jahr, trotz eines ganz normalen Körpers, die Langsamste im Rennen, die Schlechteste im Werfen war und blamable Ergebnisse im Weitsprung hatte".

Quelle: n-tv.de

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