Panorama

Eiskalte Luft aus dem Osten "Nächste Woche wird es noch extremer"

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Dieser Anblick bleibt in den kommenden Tagen und Wochen vielerorts in Deutschland bestehen.

(Foto: dpa)

In den kommenden Tagen gelangt Eisluft aus Sibirien bis nach Europa. "Viel mehr Winter geht kaum", sagt ntv-Meteorologe Björn Alexander. Die frostigen Vorhersagen sind im Moment noch mit einigen Unsicherheiten gespickt. Eines steht aber schon fest: Der Frühling ist noch längst nicht in Sicht.

ntv.de: Berlin und Hamburg haben ja einiges an Schnee abbekommen. Im Westen und Süden sind hingegen Bäche und Flüsse über die Ufer getreten. Wie entwickelt sich dort die Hochwasserlage?

Björn Alexander: Vor allem am Rhein und seinen Nebenflüssen bleibt die Lage zum Teil angespannt. Insbesondere ist dabei die Mosel zu nennen, während an anderen Zuflüssen wie beispielsweise an der Sieg die Situation schon entspannter ist. Für Rhein und Mosel bleibt dagegen noch abzuwarten, wie ergiebig der Regen zur Wochenmitte ausfällt. Bei größeren Mengen könnte sich von der Mosel her eine zweite Hochwasserwelle mit einem erneuten Anstieg ausbilden. Das wäre dann zum Freitag und Samstag hin.

Regen im Westen und Schnee im Nordosten: Wie entwickelt sich die Grenzwetterlage zwischen Frühling und Winter?

Das ist eine enorm spannende Geschichte, die uns die verschiedenen Wettercomputer momentan präsentieren. Die Berechnungen gehen nämlich bereits für das Wochenende enorm auseinander. Und nächste Woche wird es noch extremer.

Mit welchen Extremen ist denn zu rechnen?

Auf der einen Seite spielen die Vorhersagen des Amerikanischen Wettermodells immer wieder mit milderen Ansätzen, die die Frost- und Winterluft vorerst einmal eher im äußersten Norden und Nordosten Deutschlands belassen möchten. Dem gegenüber stehen aber hochwinterliche Optionen, die beispielsweise vom Europäischen Wettermodell wiederholt in den Ring geworfen werden.

Wie sieht der Hochwinter 2021 aus?

Ausgehend vom total desolaten Polarwirbel, der sich jetzt teilt und somit einen lupenreinen Polarwirbel-Split hinlegt, gelangt Eisluft aus Sibirien bis nach Europa. Am Rande des Polarhochs könnte diese Luft allerdings nicht nur bis nach Skandinavien, sondern auch bis zu uns nach Deutschland vorankommen.

Was würde das für unser Wetter bedeuten?

Damit würde die Winterluft mit einem zum Teil eiskalten Wind bereits am kommenden Wochenende von Norden bis runter an die Mittelgebirge gelangen. Und nächste Woche wäre demnach ganz Deutschland wieder weiß und die Nordhälfte sogar richtig tief verschneit. Teilweise mit über 30 Zentimeter Schneeauflage und einem bitterkalten Nordost- bis Ostwind, der außerdem noch Schneeverwehungen im Gepäck hat. Viel mehr Winter geht kaum. Zumal damit auch eiskalte Nächte anstehen würden.

Mit welchen Temperaturen müssen wir denn rechnen?

Sollten sich tatsächlich die kältesten Berechnungen als zutreffend erweisen, dann wäre auch in Großstädten wie in Hamburg oder Berlin strenger Frost, also unter minus 10 Grad, drin. Je nach Vorankommen des Schnees und der Eisluft könnten auch der Westen und der Südwesten betroffen sein.

Was bedeutet das für den Februar 2021?

ntv-Meteorologe Björn Alexander

ntv-Meteorologe Björn Alexander

(Foto: ntv)

Eiskalte Nächte mit minus 10 Grad oder weniger zum Beispiel ebenso in Köln, Frankfurt am Main oder Freiburg. Das wäre somit eine der kältesten Wetterlagen des letzten Jahrzehnts. Aber in der Vorhersage zum jetzigen Zeitpunkt ist das eben auch gespickt mit enormen Unsicherheiten und man darf gespannt sein, welches Vorhersagemodell sich am Ende durchsetzt.

Gibt es denn bei den Vorhersagen auch mal Chancen für den Frühling?

Auch wenn es jetzt am Rhein mal für frühlingstaugliche 15 Grad reicht, so sind wir vom tatsächlichen Frühling noch weit entfernt. Denn einerseits kommen diese sehr milden Temperaturen am Mittwoch mit neuem Regen und einem teilweise starken bis stürmischen Wind daher. Und das bremst die Frühlingsgefühle doch ganz stark aus. Andererseits hat es der richtige Frühling bei dieser Gemengelage mit sehr kalter Winterluft über Skandinavien so oder so nicht leicht. Das zeigen uns auch die langfristigen Wettervorhersagen.

Wie sehen die Langfristvorhersagen denn aus?

Für Frühlingsfreunde ziemlich bitter. Denn zum einen berechnen die experimentellen Langfristvorhersagen des Amerikanischen Wetterdienstes (NOAA) für Nordeuropa einen deutlich zu kalten Februar 2021. Mit Auswirkungen bis in die Nordhälfte Deutschlands, die ebenfalls zu kalt bleiben dürfte. Zum anderen sehen auch andere Langfristvorhersagen den Frühling 2021 auf einem schwierigen Pfad. Hier sind sogar Prognosen im Spiel, die dauerhaften Sonnenschein mit 15 Grad und mehr erst im April kommen sehen. Natürlich sind das extrem weite Vorhersagen. Aber allen ist eines gemein: Frühlingserwachen in nachhaltiger Form ist vorerst einmal nicht in Sicht. Und in Anbetracht der Situation rund um den gestörten Polarwirbel und den Polarwirbel-Split ist sogar ein richtiger Märzwinter wie im Jahr 2013 nicht ganz unwahrscheinlich.

Quelle: ntv.de

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