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Falls Service nicht besser wirdNetzagentur droht Post wegen Mängeln mit hohen Strafen

23.11.2025, 07:47 Uhr
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Die Vorwürfe gegen die Deutsche Post sind vielfältig. (Foto: picture alliance/dpa)

Sendungen verloren, verspätet, beschädigt. Die Netzagentur bekommt im Sommer viele Beschwerden von Kunden der Deutschen Post. Der Konzern steht nun unter Beobachtung.

Netzagentur-Chef Klaus Müller hat der Post mit Strafzahlungen gedroht, sollte sich der Service nicht verbessern. "Wenn die Post unseren Anordnungen dann nicht nachkommt, kann das im Extremfall teuer für sie werden", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Wir wollen, dass die Post ihre Dienstleistung verbessert. Das hat sie uns auch zugesagt. Wenn das nicht eintritt, haben wir Möglichkeiten laut dem Gesetz, und die werden wir nutzen."

Im vergangenen Jahr sind nach Angaben der Post vom Juni rund 420.000 Beschwerden eingegangen. Demnach sind Pakete oder Briefe verloren gegangen, verspätet angekommen, gestohlen oder beschädigt worden. Die Bundesnetzagentur hat im Sommer laut Müller sehr viele Beschwerden über die Post erhalten. "Das ist jetzt etwas weniger geworden. Und die Post hat Besserung gelobt", fügte der Netzagentur-Chef hinzu. "Das werden wir beobachten." Müller verwies darauf, dass die Post eine neue Erhöhung des Portos angekündigt habe. "Aber den Antrag prüfen wir, wenn er eingeht", sagte er.

Der Umwandlung von Postfilialen in Postautomaten kann Müller auch etwas Positives abgewinnen. "Viele Leute, die tagsüber arbeiten, haben keine Chance, zu den Öffnungszeiten in eine Postfiliale zu gehen", sagte er. "Für diese Kunden sind gut gemachte Automaten mit 24-Stunden-Service eine gute Sache."

Für die Genehmigung eines Automaten sei wichtig, was die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister in den betreffenden Kommunen sagten. "Und es muss klar sein, dass die Post echte Anstrengungen unternommen hat, vor Ort eine Filiale zu etablieren", sagte er. "Wenn das nachgewiesenermaßen keinen Erfolg hatte, kommen Automaten infrage. Automaten sind besser als gar keine Post vor Ort."

Die Post ist gesetzlich verpflichtet, in Gemeinden mit mehr als 2.000 Einwohnern eine Filiale zu haben. Außerdem darf die Filiale in zusammenhängend bebauten Wohngebieten nicht weiter entfernt sein als zwei Kilometer. Diese Vorgaben hält die Post schon seit Jahren nicht mehr ein.

Anfang des Jahres waren erstmals automatisierte Stationen als offizielle Postfilialen anerkannt worden. Neben dem Einwerfen von Briefen und dem Kauf von Briefmarken ist dort auch eine Videoberatung möglich.

Post will Porto deutlich anheben

Die Deutsche Post DHL pocht auf eine deutliche Erhöhung des Briefportos ab 2027. "Ich setze darauf, dass die Bundesnetzagentur beim nächsten Mal die reale Kostenentwicklung und den beschleunigten Briefrückgang noch stärker berücksichtigt - und dann muss das Standard-Porto nennenswert wachsen", sagte die im Unternehmen für das Post- und Paketgeschäft zuständige Vorständin Nikola Hagleitner Mitte September der Funke-Mediengruppe.

Die Bundesnetzagentur muss Portopreiserhöhungen der Deutschen Post genehmigen. Anfang dieses Jahres waren die Preise für Briefe und Postkarten gestiegen - für einen Standardbrief werden 95 statt 85 Cent fällig, für eine Postkarte ebenfalls 95 Cent statt vorher 70 Cent. Diese Erhöhung gilt für 2025 und 2026.

Hagleitner sagte, dies reiche nicht aus. "Aus meiner Sicht ist die Portoerhöhung beim letzten Mal zu gering ausgefallen - nicht weil wir gierig sind, sondern weil wir die Erlöse benötigen, um die Modernisierung der Post zu stemmen", sagte sie der Funke-Mediengruppe. "Jeder Cent, den meine Konzerndivision mit Leistungen und Produkten erwirtschaftet, wird in den Standort Deutschland reinvestiert."

Die Bundesnetzagentur beginnt laut Hagleitner im Januar mit der Prüfung weiterer Erhöhungen. Die Entscheidung falle dann voraussichtlich Ende des kommenden Jahres. "Wo man da genau landet, mag ich nicht vorempfinden. Aber ich erwarte eine signifikante Erhöhung."

Quelle: ntv.de, gut/AFP/dpa

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