Panorama

Tief "Luis" bringt Unwetter Neues Hochwasser bedroht Venedig

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Beim letzten Hochwasser verhängte die italienische Regierung den Notstand.

(Foto: dpa)

Im Mittelmeerraum wird es am Wochenende wieder ungemütlich. Tief "Luis" bringt Sturm- und Orkanböen und wieder gigantische Regenmengen. Schlechte Nachrichten sind das vor allem für die zuletzt leidgeprüften Menschen in Venedig.

Das Mittelmeer kommt einfach nicht zur Ruhe. Derzeit sorgen die Reste von Tief "Keke" noch Richtung Griechenland und Türkei für teils kräftige Gewitter. Doch damit ist die Unwetter-Situation leider noch nicht vorbei. Denn mit "Luis" naht nun vom Atlantik bereits das nächste Sturmtief. Und das sorgt von West nach Ost im Mittelmeerraum für die nächste brisante Wetterlage. Neben Sturm- und Orkanböen drohen zum Teil mehrere Hundert Liter Regen pro Quadratmeter, der in den Hochlagen in Schnee übergeht. Außerdem müssen sich die Menschen in Venedig auf das nächste "Acqua alta" einstellen.

Sturmtief "Luis" zieht vom Atlantik direkt über die Iberische Halbinsel und ans westliche Mittelmeer. Somit sind Portugal, Spanien und Südfrankreich zuerst betroffen. Nachmittags und abends weht der Wind auf den Bergen, wie den Pyrenäen in Spitzen bereits mit voller Orkanstärke über 120 Kilometer pro Stunde. Und auch in den tieferen Lagen bis nach Mallorca sind Böen um Tempo 100 drin. Gleichzeitig türmen sich die Wellen meterhoch auf und der Regen peitscht über Land und Meer.

Besonders heftig schüttet es dort, wo die Regenwolken an den Bergen ausgequetscht werden. Das heißt, rund ums französische Zentralmassiv und die französischen Alpen bis herunter an den Golf von Genua. Hier sind bis einschließlich Sonntag örtliche Regenmengen von über 400 Liter pro Quadratmeter nicht auszuschließen. Verschärfend wirkt sich dabei aus, dass wir in den betroffenen Regionen auf eine mitunter sehr nasse Vorgeschichte blicken. Die Böden sind durchnässt und können das Wasser kaum noch zwischenspeichern. Außerdem haben die angrenzenden Berge eine hohe Reliefenergie. Das Wasser strömt also rasch talwärts und es drohen neben Überschwemmungen abermals Murenabgänge und Erdrutsche.

Schnee in den Hochlagen

Nachdem zuletzt ja eher die Ostalpen von teils intensiven Schneefällen heimgesucht wurden, sind nun die westlichen Alpen im Südstau dran. Die Schneefallgrenze liegt zwar eher bei 1500 bis 2000 Meter. Dennoch wird es in den Hochlagen zum Teil durchaus 1 bis 2 Meter Neuschnee geben. Vor allem rund um die französischen Alpen. Der Wind bläst hier ebenfalls stürmisch, sodass der Schnee zudem verfrachtet wird. Eine gefährliche Lage, die die Lawinengefahr im Hochgebirge deutlich verschärfen wird.

Zum Sonntag erreicht "Luis" Italien und damit weht der Sturm aus südöstlichen Richtung auf Venedig zu, was wiederum den Wasserstand in der Region ansteigen lässt. Ganz so heftig wie bei den letzten Unwettern wird es zwar nicht. Dennoch dürfte das Hochwasser am Sonntagvormittag um gut 1,25 Meter erhöht sein und damit ist gut die halbe Stadt vom "Acqua alta" betroffen. Und auch dem großen Rest Italiens drohen am Sonntag teils heftige Regengüsse und Gewitter mit Sturmböen.

Zum Wochenwechsel und zu Beginn der nächsten Woche dreht "Luis" seine Kreise am östlichen Mittelmeer. Mit Glück hat sich das Tief bis dahin zwar abgeschwächt. Dennoch werden sich die Menschen dort ebenfalls auf die nächste Unwetterserie mit Starkregen und schweren Gewittern samt Sturmböen einstellen müssen.

Seit Spätsommer außergewöhnliche Unwetterserie

Der Mittelmeerraum gehört zu den Regionen der subtropischen Winterregengebiete. Insofern konzentriert sich der Regen natürlich auf den Herbst und den Winter. Denn dann greift die wettersteuernde Strömung wesentlich weiter nach Süden aus als im Sommer und die Tiefdruckgebiete können wiederholt bis ans Mittelmeer vorankommen.

Jedoch sind die letzten Wochen seit September definitiv eine Ausnahme. Bereits im Spätsommer und im Frühherbst ereilten den Süden Europas einige Unwetterlagen mit teils schlimmen Verwüstungen. Und diese Wiederholung der extremen Wetterlage ist auf jeden Fall eine Ausnahmeerscheinung. Das gilt ebenso für die intensiven Regen- und Schneefälle im Bereich der Südalpen, wo in letzter Zeit teilweise bereits etliche Hundert Liter an Niederschlägen zusammen gekommen sind. Im Hochgebirge mit Neuschneemengen, die so früh in der Saison in den letzten Jahrzehnten beispiellos sind. Und eine nachhaltige Entspannung zeichnet sich vorerst nicht ab. Zumindest sind auch in der kommenden Woche in Teilen Südeuropas weitere Regengüsse mit Blitz und Donner zu erwarten.

Quelle: ntv.de