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Urteile im Mordfall Maria Nicolas K. würde wieder töten

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Nicolas K (l.) und Niko G. wollten einen Menschen sterben sehen.

(Foto: dpa)

Offenbar aus purer Mordlust erstechen Nicolas K. und Niko G. ihre schwangere Bekannte Maria. Vor dem Landgericht Stralsund wird nun das Urteil gegen die jungen Männer gesprochen. Wie bestraft man einen Täter, der das Töten zu genießen scheint?

Alles beginnt mit ein paar Bier im Park. Nicolas K. und Niko G. sitzen am Abend des 18. März mit Freunden auf der Urlaubsinsel Usedom zusammen. Zu dem Bier kommt Wodka-Cola und irgendwann eine perverse Fantasie: Wie wäre es wohl, einen Menschen sterben zu sehen? Es bleibt nicht bei der Vorstellung. Der 19-jährige Nicolas K. und sein zwei Jahre älterer Freund gehen nach Hause, holen ein Messer, ziehen sich seelenruhig um. Kein Blut soll auf ihre gute Kleidung spritzen. Dann ziehen sie los, um ihre Bekannte Maria K. zu töten, die beste Freundin von Nicolas K.s Partnerin. Die 18-Jährige stirbt mit 35 Messerstichen in Hals, Nacken und Kopf. Und mit ihr ihr ungeborenes Baby.

Nun werden vor dem Landgericht Stralsund die Urteile für ein Verbrechen gesprochen, das auch ein halbes Jahr nach der Tat unfassbar bleibt. Die beiden Angeklagten sollen Maria heimtückisch aus reiner Mordlust getötet haben - ein extrem seltenes Motiv, wie auch ein Gutachter vor Gericht feststellt. Während Nicolas K. zugegeben und vor Gericht detailreich geschildert hat, wie er auf Maria einstach, bestreitet Niko G., aktiv an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Sowohl die Aussage seines Mittäters als auch DNA-Spuren an Marias Hose lassen jedoch das Gegenteil vermuten: Der 21-Jährige hielt das ohnehin wehrlose Opfer während der Tat vermutlich mindestens an den Beinen fest, damit Nicolas K. seine Bluttat ungehindert vollenden konnte.

Unter dem Vorwand, ein vergessenes Ladekabel abholen zu wollen, sollen die beiden von ihrem Opfer an jenem 18. März in dessen Wohnung in einer betreuten Einrichtung im Ostseestädtchen Zinnowitz gelassen worden sein. Dort bitten sie die 18-Jährige um etwas zu trinken. Als die sich umdreht, um zur Küche zu gehen, sticht Nicolas K. von hinten auf sie ein und ringt sie zu Boden. Dass ausgerechnet die im dritten Monat schwangere Maria den Mordfantasien der Männer zum Opfer fällt, ist offenbar reine Willkür. Laut "Bild"-Zeitung sagt Nicolas K. vor Gericht aus, dass vor der Tat noch zwei weitere Bekannte als Mordopfer im Gespräch waren. Am Ende entscheidet man sich für Maria. Es sei eben einfach gewesen, sie zu töten, so Nicolas K.: "Sie lebte alleine."

Nicolas K. fehlt jegliche Empathie

Angesichts der Gleichgültigkeit, mit der der 19-Jährige die Tat in den vergangenen Prozesstagen vor Gericht schildert, ist die Einschätzung eines psychiatrischen Gutachters nicht verwunderlich. Er attestiert Nicolas K. eine ausgeprägte Persönlichkeitsstörung, hält ihn für extrem aggressiv und impulsiv. Dem 19-Jährigen fehlt demnach jegliche Empathie. Denn: K. zeigt keine Reue für seine Tat. Laut der Aussage seiner damaligen Freundin wirkt er nach dem Mord an Maria aufgekratzt und glücklich. "War schön mit dir", schreibt er der "Bild"-Zeitung zufolge in einer Nachricht an seinen Komplizen. Er lässt sich ein Kreuz auf die Wange tätowieren. Es soll ihn, so sagt er später vor Gericht aus, an Maria erinnern. Im Gespräch mit dem Gutachter gibt er sogar offen zu, dass er die Tat wiederholen würde.

"Das sind Leute, um die man sich Sorgen machen muss", resümiert der Gutachter. Auch in Zukunft gehe von dem 19-Jährigen eine extrem hohe Gefahr aus. Inzwischen ist er in einer psychiatrischen Einrichtung untergebracht. Wegen seines Alters wird Nicolas K. allerdings nach Jugendstrafrecht verurteilt - eine lebenslange Haftstrafe würde in diesem Fall nur zehn Jahre Gefängnis bedeuten. Zusätzlich beantragt die Staatsanwaltschaft die Unterbringung im Maßregelvollzug einer psychiatrischen Klinik. Folgt das Gericht dem Antrag, wird K.s Gesundheitszustand dort jährlich überprüft. Eine solche Therapie würde sich über viele Jahre ziehen.

Marias beste Freundin hielt Täter nicht auf

Bei Niko G. dagegen wird das Erwachsenenstrafrecht angewandt. Auch hier fordert die Staatsanwaltschaft eine lebenslange Haftstrafe. Eine Persönlichkeitsstörung wird bei ihm nicht festgestellt. Seine Gutachterin ist sicher: "Er hätte anders handeln können." Die Männer seien während der Tat zwar betrunken, ihre Steuerungsfähigkeit jedoch nicht eingeschränkt gewesen. Nach dem Willen der Staatsanwaltschaft soll bei beiden Angeklagten eine besondere Schwere der Schuld festgestellt werden.

Ein juristisches Nachspiel wird aber auch das Verhalten von Marias bester Freundin haben, die zum Zeitpunkt der Tat mit Nicolas K. zusammenwohnt. Sie bekommt mit, wie der 19-Jährige vor dem Mord an Maria seine Kleider wechselt. Er werde jetzt losgehen und Maria töten, erklärt Nicolas K. seiner Freundin. Zeigt ihr sogar das Messer, das er sich zu diesem Zweck in den Ärmel gesteckt hat. Die 17-Jährige glaubt ihrem Partner trotzdem nicht. "Er hat schon öfter davon gesprochen, dass er jemanden umbringen wollte", zitiert die "Bild"-Zeitung die Aussage der jungen Frau vor Gericht. "Ich sagte: 'Warum? Überleg dir das nochmal.' Ich hab es nicht ernst genommen." Real wird die Situation allerdings, als Nicolas K. nach der Tat blutverschmiert zurückkehrt. Ausführlich schildert er der 17-Jährigen den Mord an ihrer besten Freundin. Trotzdem lebt die Jugendliche vier Wochen weiter mit ihrem Freund zusammen - und schweigt. Auch, weil er ihr gedroht habe, sagt sie vor Gericht aus.

Bevor nun die Urteile gegen Marias Mörder fallen, wendet sich Niko G. in seinen letzten Worten vor Gericht direkt an deren Mutter - die während der Verhandlung mehrfach zusammengebrochen war. Dass er Maria nicht geholfen habe, sei unverzeihlich, sagt der 21-Jährige: "Ich hoffe sehr, dass Sie mir irgendwann verzeihen können." Die Reaktion von Marias Mutter fällt deutlich aus: "Ich vergebe euch nie. Ich werde euch immer hassen."

Quelle: n-tv.de

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