Panorama

Geflüchtete dürfen nicht an Land Not und Verzweiflung auf der "Alan Kurdi"

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Die "Alan Kurdi" lag im Februar im Hafen von Burriana. In Italien darf das Schiff nicht anlegen.

(Foto: imago images/Tim Wagner)

Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" liegt mit 149 Geflüchteten vor der italienischen Küste, doch die italienische Regierung lässt die Menschen nicht an Land. An Bord sorgt das nach Angaben einer Hilfsorganisation für eine angespannte Situation - und dramatische Szenen.

Auf dem blockierten deutschen Rettungsschiff "Alan Kurdi" vor Sizilien verzweifeln die Migranten nach Angaben der Hilfsorganisation Sea-Eye zunehmend. Ein Mann habe versucht, sich das Leben zu nehmen, teilte die Organisation am Donnerstag mit. Ein weiterer habe sich selbst verletzt. Die italienische Küstenwache habe deshalb drei von insgesamt 149 Geflüchteten in Sicherheit gebracht.

Das Schiff liegt vor der Stadt Palermo. Eigentlich sollen die Menschen wegen der Corona-Pandemie auf ein größeres Schiff in Quarantäne kommen. Bislang ist jedoch unbekannt, wann das geschehen soll. Italien und Malta haben erklärt, dass sie keine Migranten an Land lassen könnten, weil diese nicht gesundheitlich versorgt werden könnten. Die Menschen legen meist im Bürgerkriegsland Libyen ab, wo ihnen in Lagern schwere Misshandlungen drohen.

Einsatzleiter Jan Ribbeck sagte: "Die Menschen werden seit zehn Tagen auf der "Alan Kurdi" festgehalten und sind total verzweifelt." Einige hätten während des Einsatzes der Küstenwache angedeutet, ins Wasser zu springen, um die italienischen Boote zu erreichen. "Sie ließen sich kaum beruhigen", sagte Ribbeck. Die "Alan Kurdi" brauche einen sicheren Hafen, "die Untätigkeit der EU-Staaten wird zunehmend gefährlich", teilte Sea-Eye am Donnerstag per Twitter mit.

Vor der italienischen Insel Lampedusa wartet auch das spanische Rettungsschiff "Aita Mari" mit etwa drei Dutzend Migranten auf einen sicheren Hafen. Aus Gesundheitsgründen durften sieben Geflüchtete an Land: eine dreiköpfige Familie und vier Männer, wie die spanische Hilfsorganisation "Salvamento Marítimo Humanitario" auf Twitter mitteilte. Die "Aita Mari" hatte am Montag nach diesen Angaben vor Malta insgesamt 43 Menschen aus einem sinkenden Schlauchboot gerettet.

Italien hat wegen der Coronavirus-Pandemie all seine Häfen geschlossen, auch für Schiffe mit aus Seenot geretteten Flüchtlingen. Die Entscheidung wurde von Seenotrettungsorganisationen heftig kritisiert.

Quelle: ntv.de, ter/dpa