Panorama

Flucht nach Europa Italien dementiert Bootsunglück

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Seenotretter der "Alan Kurdi" nähern sich einem Schlauchboot mit Flüchtlingen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Im Mittelmeer sollen beim Untergang eines Schlauchboots bis zu 85 Menschen ertrunken sein, meldet eine Rettungsorganisation. Die italienische Küstenwache weist die Angaben zurück. Inmitten der Virus-Krise versuchen weiter Menschen, nach Europa zu fliehen.

Die italienische Küstenwache hat einen Bericht der deutschen Seenotrettungsorganisation Sea Watch über ein im Mittelmeer mit Dutzenden Flüchtlingen an Bord gesunkenes Boot dementiert. Das von einem Flugzeug der EU-Grenzschutzagentur Frontex am Morgen entdeckte Schlauchboot sei sehr wahrscheinlich von den libyschen Behörden im Meer belassen worden, nachdem diese die "Migranten an Bord in Sicherheit gebracht" hätten, erklärte die Küstenwache.

Auf den Frontex-Aufnahmen seien weder Leichen noch auf dem Wasser treibende Gegenstände zu sehen, die auf einen kürzlichen Schiffbruch hinwiesen, hieß es in der Erklärung weiter. Der maltesische Minister für europäische und außenpolitische Angelegenheiten, Evarist Bartolo, erklärte, vor der Küste Maltas sei kein Boot gesunken: Offenbar sei dies mit dem von Frontex entdeckten "leeren und zerrissenen Schlauchboot" verwechselt worden.

Sea Watch hatte am Samstag erstmals von vier Booten berichtet, die zwischen Libyen, Malta und Italien in Seenot geraten seien. An Bord befanden sich demnach insgesamt rund 260 Migranten. Später meldete die Organisation, dass ein Schlauchboot mit mutmaßlich 85 Menschen gesunken sei. Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR und die Internationale Organisation für Migration (IOM) äußerten sich daraufhin besorgt über das Schicksal der Flüchtlinge.

Frontex: Kein Wrack im Mittelmeer

Frontex erklärte am Montag, alle vier Boote seien ausfindig gemacht worden. "Zwei sind in Sizilien angekommen und zwei bleiben im maltesischen Such- und Rettungsgebiet", erklärte Frontex. "Frontex ist heute informiert worden, dass (auch) das vermisste Schlauchboot, das am Freitag erstmals gesichtet wurde, in Porto Palo auf Sizilien angekommen ist", erklärte die Grenzschutzbehörde. Es gebe kein Wrack im Mittelmeer. Ein auf Malta stationiertes Frontex-Flugzeug sei derzeit auf Patrouille, um sicherzustellen, dass in dem Gebiet kein Schiff in Not sei.

Die Verwirrung um das angeblich havarierte Schlauchboot wirft ein Schlaglicht auf die Fluchtsituation im zentralen Mittelmeer: Italien hatte in der vergangenen Woche wegen der Coronavirus-Pandemie alle seine Häfen geschlossen, auch für Schiffe mit aus Seenot geretteten Flüchtlingen.

Davon sind auch knapp 150 Migranten an Bord des privaten deutschen Rettungsschiffs "Alan Kurdi" betroffen. Sie sollen zunächst für eine Corona-Quarantäne auf eine italienische Fähre gebracht werden. Der sizilianische Regionalpräsident Nello Musumeci habe mitgeteilt, dass die Fähre "Azzurra" der Reederei GNV als Quarantäne-Schiff zur Verfügung stehe.

Der Sprecher der Organisation Sea-Eye, die die "Alan Kurdi" betreibt, erläuterte, noch seien ihm keine Details bekannt. Gorden Isler sagte, er rechne damit, dass das Tauziehen um die Menschen von der "Alan Kurdi" noch dauern werde. Allerdings versorgten die Italiener das Schiff mit Essen und anderen benötigten Dingen. Italien möchte, dass Deutschland die Verantwortung für die Menschen von der "Alan Kurdi" übernimmt.

Quelle: ntv.de, vpe/AFP/dpa