Personal durfte Tür nicht öffnenNotausgang in Schweizer Bar war wohl immer verschlossen
40 Tote und 116 Verletzte sind nach der Feuerkatastrophe in Crans-Montana zu beklagen. Ex-Mitarbeiter sagen jetzt, die Zahlen hätten geringer sein können, wenn die Barbetreiber nicht Sicherheitsregularien missachtet hätten. Die Staatsanwaltschaft geht dem nach.
Ehemalige Angestellte erheben schwere Vorwürfe gegen die Betreiber der Bar "Le Constellation" im Schweizer Luxus-Skiort Crans-Montana. Der Notausgang der Lokalität sei stets "verschlossen gewesen, weil er direkt in ein anderes Gebäude führte", sagte eine Ex-Mitarbeiterin dem französischen Fernsehsender BFMTV. Ihr, die 2023 in der Bar arbeitete, und dem anderen Personal sei es "verboten" gewesen, die Tür zu öffnen.
Bei der Feuerkatastrophe in der Silvesternacht starben 40 Menschen, 116 weitere wurden verletzt. 83 der Verletzten werden auch jetzt noch in Krankenhäusern behandelt. Ausgelöst wurde der Brand im Kellergeschoss wohl durch an Sektflaschen angebrachte Feuerwerkskörper, die zu nah an die Decke gehalten wurden. Die Partygäste mussten über eine schmale Treppe nach draußen fliehen.
Die Frau ist überzeugt: "Wäre die Tür hinten, gegenüber den Toiletten, offen gewesen, hätte das die Zahl der Opfer verringert." Den Fluchtweg über die Treppe empfand sie als "zu eng". Es sei "unmöglich", 200 Menschen in zehn Minuten durch das schmale Treppenhaus zu retten.
Ein anderer ehemaliger Angestellter nannte es "keinen Zufall", "dass es zu einem Drama gekommen ist". Auch er sagte dem Sender, dass der Notausgang "manchmal blockiert oder verschlossen" war. Darüber hinaus hätte es "keinen Zugang zu Feuerlöschern, nicht geschultes Personal und nur einen Sicherheitsmitarbeiter vor Ort" gegeben.
In einem Video ist zudem zu sehen, dass das Notausgangsschild neben der Treppe zum Unglückszeitpunkt nicht leuchtete. In dem Clip entdecken die Partygäste die Flammen an der Decke und filmen diese, während sie weiterfeiern. Bei einem schnellen Schwenk fällt der Treppenaufgang auf, neben dem eigentlich ein leuchtendes Schild auf den Fluchtweg hinweist. Es deutet sich jedoch nur dunkel durch den Rauch an. Ein weiterer Brandschutzmangel könnte die Treppe selbst sein.
Fluchttreppe zu schmal?
Medienberichten zufolge wurde die Bar 2015 nach einem Betreiberwechsel umgebaut. Fotos dokumentierten, wie die Treppe durch neue Wände künstlich verschmälert wurde. Links und rechts auf den Stufen wurden Holzpaneele an Mauersteine angebracht. Die Bilder teilten die neuen Chefs der Einrichtung selbst in den sozialen Netzwerken. Seit dem Feuer-Drama sind die Profile des Lokals auf Facebook und Instagram jedoch gelöscht.
Ob die Fluchttreppe, die zugleich Zugang zur Bar im Kellerbereich des Gebäudes war, zu schmal gebaut wurde, prüft nun die Generalstaatsanwaltschaft. "Es ist in der Tat eine enge Treppe gewesen", sagte die Walliser Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud. "Wir müssen prüfen, ob alle Sicherheitsvorschriften eingehalten worden sind." Bei vorherigen Brandschutzbegehungen gab es offenbar keine Beanstandungen.
