Panorama

USA gründen Anti-Ebola-Team Obama: "Welt tut nicht genug"

Der rätselhafte Ebola-Fall in Texas bringt die US-Behörden in Bewegung: Der Leiter des Seuchenkontrollzentrums CDC kündigt den Aufbau einer Notfalltruppe an. US-Präsident Obama ruft unterdessen die Welt mit drastischen Worten zum Handeln auf.

In den USA stellen die Behörden angesichts der drohenden Ausbreitung des Ebola-Virus eine hochmobile medizinische Eingreiftruppe zusammen. "Sollte es einen weiteren Fall geben, werden wir innerhalb von Stunden vor Ort sein, mit anpacken und den Krankenhäusern helfen, mit der Situation fertig zu werden", sagte der Leiter der US-Gesundheitsbehörde CDC, Thomas Frieden.

In sei ner Stellungnahme hielt der Behördenleiter mit seiner Ungeduld nicht hinter dem Berg. "Ich wünschte, wir hätten bereits an dem Tag ein solches Team aufgestellt, als der erste Patient die Diagnose erhielt." Gegenwärtig seien mehr als 70 Personen aus dem Umfeld des ersten Ebola-Falls in den USA unter Beobachtung.

"Die Welt als Ganzes tut zu wenig"

US-Präsident Barack Obama rief unterdessen die internationale Staatengemeinschaft erneut dazu auf, im Kampf gegen Ebola energischere Schritte zu unternehmen. Es gebe eine Reihe von Staaten, die sich bisher nicht engagiert hätten, obwohl sie über die nötigen Kapazitäten verfügten, sagte Obama vor Journalisten. Aber selbst die Länder, die schon Beiträge leisteten, müssten sich noch stärker einsetzen.

"Die Welt als Ganzes tut nicht genug", sagte Obama. Dabei seien alle Bevölkerungen direkt bedroht, es gebe keinen Ort, "der mehr als ein paar Flugstunden entfernt ist". Zuvor hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) eine alarmierende Prognose veröffentlicht. Die WHO-Experten gehen demnach davon aus, dass in Westafrika bis Dezember mit bis zu 10.000 neuen Ebola-Fällen pro Woche gerechnet werden muss.

Nur "ein paar Flugstunden" entfernt

In den USA wird derweil weiter darüber spekuliert, wie sich eine Krankenschwester im Bundesstaat Texas trotz strenger Sicherheitsvorkehrungen bei einem Ebola-Patienten anstecken konnte. Sie hatte sich in Dallas um den mittlerweile verstorbenen Ebola-Patienten Thomas Eric Duncan gekümmert, der die Krankheit aus Afrika in die USA gebracht hatte. Duncan erlag der Virus-Infektion in der vergangenen Woche.

Das behandelnde Hospital, das Texas Health Presbyterian (siehe Karte) in Dallas, erklärte am Abend (Ortszeit Dallas), die Ebola-Patientin befinde sich den Umständen entsprechend in einem guten Zustand. "Ich möchte allen für ihre Genesungswünsche und Gebete danken", sagte die 26-jährige Nina Pham laut einer Mitteilung des Krankenhauses. Sie werde von Familie und Freunden unterstützt sowie vom "besten Team von Ärzten und Pflegekräften der Welt" behandelt.

Übertragungsweg ungeklärt

Wie sich die medizinische Fachkraft allerdings trotz Vollschutz bei ihrem Patienten anstecken konnte, stellt Virologen und Epidemie-Experten derzeit noch vor ein Rätsel. Es handelt sich um die erste Übertragung des hochgefährlichen Erregers in den USA.

Insgesamt haben die US-Gesundheitsbehörden 76 Krankenhausmitarbeiter unter Beobachtung gestellt, die bei der Behandlung des verstorbenen Ebola-Patienten mit dem Virus in Kontakt gekommen sein könnten. Die Risikogruppe werde auf Fieber und andere Symptome der Krankheit überwacht, erklärte CDC-Leiter Frieden. Die potenziellen Virusträger seien an der Behandlung von Duncan in dem betreffenden Krankenhaus beteiligt gewesen.

Zu diese Gruppe, die nach der Infektion von Duncans Krankenschwester unter Quarantäne gestellt wurde, zählen nach CDC-Angaben zufolge allerdings nicht nur Ärzte und Pflegekräfte, sondern alle, die Duncans Zimmer betreten oder mit den Blutproben des Patienten hantiert hatten.

US-Soldaten nach Afrika

Die US-Gesundheitsbehörden beobachten außerdem auch noch 48 Menschen, die mit Duncan vor der Einlieferung ins Krankenhaus Kontakt gehabt haben könnten. Sie hätten jedoch die "Hochrisikophase" einer Ansteckung mittlerweile "symptomfrei" überstanden, erklärte Frieden. Es wäre "ungewöhnlich", wenn die Krankheit bei ihnen noch ausbrechen würde.

Nach einer Ansteckung mit dem Ebola-Virus können bis zu 21 Tage vergehen, bis erste Zeichen wie Fieber und Übelkeit auftreten. In den meisten Fällen werden Symptome aber nach acht bis zehn Tagen auffällig. Ebola wird bisherigen Erkenntnissen zufolge nur durch den Kontakt mit Körperflüssigkeiten übertragen.

Der Ebola-Patient Duncan - ein aus Liberia stammender Mann - hatte sich in seiner Heimat infiziert. Die Krankheit wurde bei ihm aber erst festgestellt, nachdem er Ende September zu einem Familienbesuch nach Texas gereist war. Nach Angaben der WHO sind durch die Ebola-Epidemie bislang mehr als 4400 Menschen ums Leben gekommen. Besonders betroffen sind die westafrikanischen Staaten Liberia, Guinea und Sierra Leone. Dort sollen in den kommenden Wochen weitere US-Soldaten eintreffen, um die Ausbreitung des Virus mit Unterstützung militärischer Hilfskräfte einzudämmen.

Quelle: ntv.de, mmo/AFP/dpa/rts