Panorama

Ein Land schottet sich ab Österreich schließt alle Schulen

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Die Schulen sind ab morgen geschlossen.

(Foto: imago images/Eibner Europa)

Der österreichische Kanzler Kurz verschärft die Maßnahmen im Kampf gegen das Coronavirus. Zug- und Flugverkehr nach Italien sind eingestellt. Ab kommender Woche pausiert der Schulbetrieb. Mit eindringlichen Warnungen wendet sich der Regierungschef an die Bevölkerung.

Österreich beginnt im Kampf gegen das Coronavirus mit einer weitgehenden Abschottung gegenüber dem Nachbarland Italien. Seit dem Mittag werden an den Grenzübergängen zu Italien, etwa am Brenner, alle Einreisenden kontrolliert. Italiener dürfen laut Erlass die Grenze nur mit ärztlichem Attest passieren. Landesweit machen zudem ab kommender Woche alle Schulen dicht. Viele Museen und Theater sind bereits zu. Im Tagesverlauf stieg die Zahl der mit dem Virus Sars-CoV-2 Infizierten in Österreich laut Gesundheitsministerium auf 245 Fälle. Tote wurden bisher nicht gemeldet.

Laut österreichischem Innenministerium wurde bereits der Flugverkehr zwischen Österreich und Italien eingestellt. Gleiches gilt für den Personen-Zugverkehr. Am Vormittag war der vorläufig letzte Zug, ein Eurocity aus Italien in Richtung Innsbruck und München, über die Grenze gekommen. "Italien hat sehr, sehr, sehr besorgniserregende Zahlen", sagte Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Am Grenzpass Brenner mussten Touristen auf dem Rückweg nach Deutschland oder in andere Länder versichern, dass sie keinen Stopp in Österreich planen. Von den Transitreisenden wurden die Personaldaten aufgenommen und auch die Ausweise fotografiert. Es kam zu längeren Wartezeiten.

In Kärnten wurden ebenfalls die vier Grenzübergänge des österreichischen Bundeslandes zu Italien kontrolliert. Zusätzlich sei eine Totalsperre von zwei kleineren Grenzübergängen absehbar, so Kärntens Landeschef Peter Kaiser.

"Nicht zu den Großeltern"

In der Alpenrepublik selbst wird das öffentliche Leben zunehmend von den Einschränkungen geprägt. So bleiben die Schulen ab nächster Woche geschlossen. Betroffen seien zunächst ab Montag alle Oberstufenschüler, teilte Bundeskanzler Sebastian Kurz mit. Zwei Tage später werde auch der Unterricht für alle anderen Schüler eingestellt. Die Schulschließungen dauern laut Kanzler zunächst bis zum 3. April, dem Beginn der Osterferien. Der Unterricht soll digital fortgesetzt werden. Die Bundesregierung appellierte zudem an Eltern, Kindergartenkinder möglichst zu Hause zu lassen.

Ziel der Maßnahme, von der mehr als eine Million Schüler betroffen sind, sei es, persönliche Kontakte zu reduzieren, sagte Kurz. Für die Unterstufe, also Kinder unter 14 Jahre, soll es aber die Möglichkeit der Betreuung in den Schulen geben. "Das bedeutet, dass alle, die zu Hause betreut werden können, auch zu Hause betreut werden sollen", appellierte der Kanzler an die Bevölkerung. Die Großeltern sollen jedenfalls nicht zur Betreuung herangezogen werden. "Kinder dürfen keinesfalls zu den Großeltern gebracht werden, das sind die Personen, die wir bestmöglich schützen wollen."

Die Möglichkeit der Betreuung in der Schule soll gewährleisten, dass vor allem jene Eltern, die in systemrelevanten Berufen arbeiten, weiter ihrer Tätigkeit nachkommen können. Kurz nannte als Beispiele das Gesundheitspersonal, Polizisten, Busfahrer oder auch Verkäufer in den Supermärkten.

"Tourismus aus Asien ist eingebrochen"

Unterdessen wird es für Touristen immer wenig attraktiv, die österreichische Hauptstadt zu besuchen. Nach den Bundesmuseen wie dem Kunsthistorischen Museum und den großen Theatern schließt laut Wirtschaftsministerium auch Schloss Schönbrunn seine Pforten. Das Schloss ist der größte touristische Anziehungspunkt Österreichs mit jährlich rund vier Millionen Besuchern. Betroffen ist auch der Tierpark Schönbrunn, der älteste Tierpark der Welt.

Viele Veranstaltungen wurden abgesagt. Dazu gehörte auch der für den 19. April geplante Wien-Marathon, zu dem 45.000 Teilnehmer erwartet worden waren. Die Straßen und Plätze sowie die öffentlichen Verkehrsmittel in Wien waren deutlich leerer als sonst. Die von der Regierung angeordnete Obergrenze von 100 Personen bei Veranstaltungen in Gebäuden gilt auch für die Gastronomie.

Besonders der Städtetourismus spürt die Auswirkungen. Tourismusministerin Elisabeth Köstinger erklärte, "Touristen aus Italien und Deutschland bleiben massiv aus." So hat sich die Zahl der Reisebusankünfte in der ersten Märzwoche in der Stadt Salzburg im Vergleich zum Vorjahr halbiert. Der Tourismus aus Asien sei "total eingebrochen", sagte Tourismuschef Bert Brugger den "Salzburger Nachrichten".

Quelle: ntv.de, jwu/rts/dpa