Panorama

Freispruch in Heidelberg Paketbomben stammen nicht von Rentner

d971062c7fd9209c91ceef0a7bab5f75.jpg

Am Ende stand der Freispruch für den 67-Jährigen.

(Foto: dpa)

Ein Mann wird beschuldigt, Pakete mit explosivem Inhalt an Lebensmittelfirmen geschickt zu haben. Doch vor Gericht wird er entlastet und freigesprochen. Eine Geldstrafe aber muss er zahlen - wegen eines Souvenirs aus seiner Militärzeit.

Im Prozess um explosive Postsendungen an Lebensmittelfirmen hat das Landgericht Heidelberg einen Rentner freigesprochen. Trotz umfassender Beweisaufnahme und akribischer Kleinarbeit der Ermittler seien Zweifel an der Täterschaft des Mannes nicht ausgeräumt worden, sagte der Vorsitzende Richter Markus Krumme bei der Urteilsverkündung. Deshalb gelte das Prinzip "im Zweifel für den Angeklagten".

Der Ulmer hatte stets vehement seine Unschuld beteuert. Der Richter betonte, dass der Mann unter monatelanger U-Haft gelitten habe und womöglich mit dem Stigma leben müsse, vielleicht doch der Paketbomber gewesen zu sein.

Die Serie der explosiven Postsendungen hatte am 16. Februar in Eppelheim in Baden-Württemberg begonnen. Dort war in der Warenannahme des Getränkeherstellers ADM Wild ein Mann durch eine Verpuffung verletzt worden, als er ein Paket annahm. Am Folgetag kam es beim Öffnen eines Briefes in der Lidl-Zentrale im baden-württembergischen Neckarsulm zu einer Explosion mit drei Verletzten. Ein drittes Paket, das an den Babynahrungshersteller Hipp im oberbayerischen Pfaffenhofen an der Ilm adressiert war, wurde in einem Paketverteilzentrum am Flughafen München abgefangen und entschärft.

Munition in Erinnerung an Militärzeit

Der Angeklagte müsse nur eine Geldstrafe wegen des unerlaubten Besitzes von Munition zahlen, hieß es. Dieser Fall hat mit den explosiven Postsendungen aber nichts zu tun. Die sicher gestellte Munition - darunter 13 Zentralfeuerkartuschen - hatte er in seinem Haus in Erinnerung an seine Militärzeit aufbewahrt. Die Munition war zufällig gefunden worden. Dem 67-Jährigen sei klar gewesen, dass dies verboten sei. Die Geldstrafe dafür beträgt 30 Tagessätze von jeweils 60 Euro.

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg hatte dem Angeklagten vorgeworfen, eine Sprengstoffexplosion herbeigeführt zu haben, außerdem gefährliche Körperverletzung und versuchte schwere Körperverletzung. Mittels selbstgebauter Sprengsätze habe der Elektriker Geld von den Firmen erzwingen wollen. Die Verteidiger hatten auf Freispruch plädiert, weil der Rentner nach einem anthropologischen Gutachten mit höchster Wahrscheinlichkeit gar nicht der gesuchte Mann sei.

Das Gericht übernahm das Ergebnis dieser Expertise. Überzeugend sei vor allem der Abgleich der Farbe des Haaransatzes sowie der Form der Ohrläppchen zwischen dem Angeklagten und einer vermummten Person in einer Postfiliale. Dort hatte ein mit einem Schal, einer Maske und Mütze bekleideter Mann die drei Postsendungen aufgegeben und war dabei von einer Videoüberwachungskamera aufgenommen worden.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.