Panorama

"Versagen mehrerer Behörden"Palisades-Brandstifter gibt Feuerwehr die Schuld am Inferno

06.05.2026, 10:59 Uhr
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Tausende Wohnhäuser brannten bei dem Feuer komplett nieder, mehrere Menschen starben. (Foto: IMAGO/Atlas Photo Archive/Cal Fire/Avalon)

Ein Dutzend Menschen starben im Palisades-Feuer im Januar des vergangenen Jahres. Ermittler spüren einen Verdächtigen auf, doch der sieht die Schuld nicht bei sich. Sein Anwalt will bestimmte Beweise vor Gericht verhindern.

Der Verdächtige im Fall um den verheerenden Großbrand in und um Los Angeles zum Jahresbeginn 2025 gibt der Feuerwehr die Schuld an der Ausbreitung der Flammen. Jonathan R. werde zum Sündenbock für das Versagen der Feuerwehr gemacht, sagt sein Anwalt Steve Haney der Nachrichtenagentur Associated Press (AP).

Dem 29-Jährigen wird vorgeworfen, das Palisades-Feuer ausgelöst zu haben. Anfang Januar 2025 brachen die Flammen aus, die 6800 Gebäude zerstörten und zwölf Menschen töteten. Der 95 Quadratkilometer große Brand in Pacific Palisades, einem Vorort von Los Angeles, war der drittzerstörerischste und neunttödlichste Waldbrand in Kalifornien. Angefacht durch die starken Santa-Ana-Winde griff der Brand rasch auf weitere Orte über. Insgesamt loderten mehr als 200 Quadratkilometer. 235.000 Menschen mussten evakuiert werden, 16.250 Gebäude wurden zerstört, weitere rund 2100 beschädigt. Mindestens 30 Personen starben in den Flammen oder durch die Auswirkungen der Brände.

Laut Anklage legte R. kurz nach Mitternacht am 1. Januar das sogenannte Lockman-Feuer, das oberflächlich gelöscht wurde, aber unbemerkt tief in den Wurzeln weiterbrannte. Eine Woche später flammte es erneut auf und wurde schließlich zum Palisades-Feuer. R. alarmierte zwar selbst die Feuerwehr, jedoch erst spät. "Zu diesem Zeitpunkt hatte ein Anwohner den Brand bereits den Behörden gemeldet", heißt es laut "New York Post" in Dokumenten des Justizministeriums. "Der Angeklagte ging denselben Weg wie zuvor in der Nacht hinauf, um das Feuer und die Feuerwehrleute zu beobachten. Gegen 1.02 Uhr benutzte er sein iPhone, um Videos von der Szene aufzunehmen." Als R. von der Polizei befragt wurde, habe er auf die Frage, wo er zu der Zeit war, gelogen, heißt es weiter. Standortdaten seines Handys hätten darüber Aufschluss gegeben.

"Es gibt keinerlei Beweise dafür, dass er dieses Feuer gelegt hat, ganz zu schweigen von dem Wiederaufflammen des Feuers in Palisades, das offensichtlich auf das Versagen mehrerer Behörden zurückzuführen ist", sagt Anwalt Haney der Zeitung zufolge. Er habe 31 Zeugen ausfindig gemacht, darunter auch Feuerwehrleute, die bestätigen könnten, zum Zeitpunkt des Ausbruchs des Feuers verschiedene Feuerwerkskörper gehört zu haben, die den Brand verursacht haben könnten.

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Andere Zeugen hätten bei der Polizei ausgesagt, dass R. in der Silvesternacht als Uber-Fahrer unterwegs war, berichtet AP. Zwei Fahrgäste beschrieben ihn als "wütend, aufgebracht und rücksichtslos fahrend". Der Verdächtige habe darüber geschimpft, "dass er auf die Welt sauer" sei. In einem Polizeiverhör sagte der Angeklagte zudem, ein möglicher Brandstifter könnte von einem Groll gegen Wohlhabende motiviert gewesen sein, da "wir im Grunde von ihnen versklavt werden".

Wenige Tage vor dem Jahreswechsel habe R. "lasst uns alle Milliardäre stürzen" gegoogelt, heißt es in Gerichtsunterlagen. Den Dokumenten zufolge bewunderte der mutmaßliche Brandstifter zudem Luigi Mangione. Der steht derzeit vor Gericht, weil ihm vorgeworfen wird, im Dezember 2024 einen Versicherungschef in New York erschossen zu haben.

Am 8. Juni beginnt nun der mit Spannung erwartete Prozess gegen R. in Los Angeles. Haney kämpft derweil dafür, dass bestimmte Beweise vor Gericht nicht zugelassen werden, weil sie "ohne absolut hinreichenden Tatverdacht" beschlagnahmt worden seien. R. sei "sehr frustriert", da er "stets mit den Behörden kooperiert" habe. Er befindet sich seit Herbst in Untersuchungshaft in einer Bundeshaftanstalt. Eine Entlassung aus der U-Haft gegen Zahlung der Kaution wird ihm verwehrt.

Quelle: ntv.de, mpa

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