Zeichen der SolidaritätPapst Leo XIV. besucht am US-Unabhängigkeitstag Lampedusa

Papst Leo XIV. reist statt zu den Feiern für den 250. Gründungstag der USA auf die italienische Insel Lampedusa. Sein kurzer Besuch wird zum stillen Gedenken an Tausende Menschen, die auf Europas tödlichster Fluchtroute ihr Leben verloren.
Mit einem Besuch auf der italienischen Mittelmeerinsel Lampedusa will Papst Leo XIV. heute an das Schicksal von Migranten erinnern. Das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken bleibt zwar nur knapp dreieinhalb Stunden auf der kleinen Insel. Seine Visite wird jedoch auf Lampedusa als Zeichen der Solidarität mit Menschen gesehen, die auf der Flucht über das Mittelmeer ihr Leben riskieren - oder bereits verloren haben.
Lampedusa gilt seit vielen Jahren als einer der Brennpunkte der Migrationsbewegung aus Afrika nach Europa. Jedes Jahr wagen Zehntausende Menschen die gefährliche Fahrt auf meist kleinen, überfüllten und oftmals auch nicht für die raue See geeigneten Booten über das zentrale Mittelmeer.
Die Route über diesen Teil des Mittelmeers gilt nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) noch immer als die tödlichste Migrationsroute auf dem Weg nach Europa. Seit 2014 registrierte die Organisation dort mehr als 26.000 Tote und Vermisste.
Auch wenn die Zahl der Ankünfte auf Lampedusa in den vergangenen beiden Jahren zurückgegangen ist, bleibt die Insel ein Symbol der europäischen Migrationskrise. Sie liegt nur rund 130 Kilometer von der nordafrikanischen Küste entfernt und ist damit oft die erste Anlaufstelle für Boote von dort. Bilder von ramponierten Booten im Hafen und dem überfüllten Aufnahmezentrum prägten in den vergangenen Jahren immer wieder internationale Schlagzeilen.
Leo will klares Zeichen setzen
Vor diesem Hintergrund will der Papst seinen Besuch bewusst als Zeichen des Gedenkens und der Solidarität gestalten. Trotz der vielen Todesopfer auf der Fluchtroute sei Lampedusa für diejenigen, die die Überfahrt überlebten, ein Ort der Rettung, sagte der Erzbischof von Agrigent, Alessandro Damiano. "Lampedusa steht seit jeher für Aufnahme und Gastfreundschaft."
Zum Auftakt besucht Leo den Friedhof der Insel, wo er an die Menschen erinnern will, die auf der Überfahrt ums Leben gekommen sind. Anschließend fährt er zum Denkmal Porta d'Europa, das seit Jahren als Mahnmal für Migration und Menschenrechte gilt. Später feiert Leo unter freiem Himmel eine Messe.
Besonders symbolträchtig ist der Besuch am Molo Favaloro. Das ist der Landungssteg, an dem entweder die Migrantenboote aus eigener Kraft ankommen oder wo etwa nach Schiffbrüchen auf hoher See aufgelesene Migranten von Hilfsschiffen oder den Behörden an Land gebracht werden. Künftig soll der Kai nach Leos Vorgänger Papst Franziskus benannt werden.
Franziskus hatte Lampedusa im Sommer 2013 als erstes Reiseziel seines Pontifikats besucht und die Insel damit früh zu einem Symbol seines Einsatzes für Migranten gemacht. Immer wieder forderte er, deren Würde in den Mittelpunkt politischen Handelns zu stellen. Leo will nun am Molo Favaloro eine Gedenktafel mit der Aufschrift "Molo Papa Francesco - ein Ort der Ankunft, der Hoffnung und der Menschlichkeit" segnen und danach Migranten treffen.
Differenzen mit dem US-Präsidenten
Der Besuch des ersten US-Papstes fällt auf den 250. Unabhängigkeitstag der Vereinigten Staaten. Während dort im Laufe des Tages der "Fourth of July" groß gefeiert wird, steht für Leo - als Robert Francis Prevost in Chicago aufgewachsen - auf Lampedusa das Schicksal von Migranten im Mittelpunkt.
Die zeitliche Überschneidung wird von Beobachtern auch als mögliches Signal verstanden. Zwischen dem Papst und US-Präsident Donald Trump gab es in der Vergangenheit wiederholt Differenzen, insbesondere in der Migrationspolitik. Leo hatte sich bereits kritisch zur restriktiven US-Einwanderungspolitik geäußert und mehrfach die Würde und den Schutz von Migranten betont.
In einer Videobotschaft im Rahmen einer Preisverleihung in Philadelphia am Freitag an ihn sagte Leo, dass die USA zum Symbol für Freiheit wurden, weil das Land immer wieder Einwanderern und deren Kindern ermöglichte, ihre Zukunft mitzugestalten.