Erste EnzyklikaPapst Leo XIV. ruft zur "Entwaffnung" von KI auf

Künstliche Intelligenz bringt große Chancen, birgt aber auch Gefahren. Damit befasst sich nun das erste Lehrschreiben von Papst Leo XIV., eine Art Regierungserklärung. Seine Kritik richtet sich indirekt auch an Tech-Milliardäre und US-Präsident Trump.
Papst Leo XIV. hat nach einem Jahr im Amt seine erste eigene Enzyklika veröffentlicht - eine mehr als 100 Seiten lange Abhandlung zum Thema Künstliche Intelligenz (KI). Das päpstliche Lehrschreiben trägt den Titel "Magnifica Humanitas" (Großartige Menschheit). Darin warnt das Oberhaupt von weltweit 1,4 Milliarden Katholiken vor zahlreichen Gefahren, die KI für das menschliche Zusammenleben bedeute. Deshalb fordert er strenge Richtlinien für den Umgang damit. Er sieht aber auch Chancen.
Das Schreiben trägt den Untertitel "Über die Bewahrung des Menschen im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz". Leo betont darin, dass KI in verschiedenen Bereichen eine "wertvolle Hilfe" sein könne. Vor allem warnt er jedoch vor deren Risiken - beispielsweise, dass in erster Linie nur wenige Menschen mit jetzt schon viel Besitz profitieren. "Kleine, sehr einflussreiche Gruppen können Informationen und Konsum lenken, demokratische Prozesse konditionieren und die wirtschaftliche Dynamik beeinflussen."
Er spricht zudem von einer "neuen Formen der Sklaverei" durch KI und den digitalen Wandel. Mehr Effizienz oder Innovation sei keine Rechtfertigung für "eine Kette der Ausbeutung, die absichtlich im Verborgenen gehalten wird". Es müsse auch mehr getan werden, um die Umweltschäden durch KI zu verringern und "unser gemeinsames Haus zu schützen", fordert der Papst.
"Entwaffnung" von KI
Deshalb sei es "unerlässlich, dass der Einsatz von KI - insbesondere, wenn es um öffentliche Güter und Grundrechte geht - von klaren Kriterien und wirksamen Kontrollen begleitet wird". In diesem Zusammenhang hat der 70-Jährige zur "Entwaffnung" dieser neuen Technologie aufgerufen. "KI zu entwaffnen bedeutet, sie der Logik des bewaffneten Wettbewerbs zu entziehen", heißt es. "Entwaffnen bedeutet nicht, auf die Technologie zu verzichten, sondern zu verhindern, dass sie den Menschen beherrscht."
Auch der Besitz der Nutzerdaten müsse reguliert werden. Mehrfach betont der Papst, dass KI auf menschliche Werte und Moral ausgerichtet sein müsse. Allerdings nütze auch das nichts, "wenn diese Moral von einigen wenigen bestimmt wird". Vielfach wird das als Kritik an Tech-Milliardären in den USA verstanden.
Besonders kritisch äußerte sich der Pontifex über die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf Konflikte. Mit KI-gestützten autonomen Waffensystemen sei Krieg in der heutigen Zeit wieder "durchführbarer" gemacht worden. Die Entscheidung über Leben und Tod dürfe jedoch keinesfalls Maschinen überlassen werden. Wörtlich heißt es in dem Schreiben: "Daher ist es nicht zulässig, tödliche oder jedenfalls irreversible Entscheidungen künstlichen Systemen anzuvertrauen."
Trump streitet mit Papst
Das katholische Kirchenoberhaupt rief zudem dazu auf, die Theorie des "gerechten Krieges" zu überwinden, auf die sich etwa die rechtsgerichtete US-Regierung von Präsident Donald Trump bezieht. Trump hatte zuletzt wütend auf Friedensaufrufe des aus den USA stammenden Papstes reagiert und ihm mit Blick auf den Iran vorgeworfen, sich mit einem Land gemein zu machen, "das eine Atomwaffe will". Leo XIV. bezeichnete in der Vergangenheit zudem den Umgang mit Migranten in den USA als "äußerst respektlos" und forderte einen "menschlichen" Umgang.
Die erste Enzyklika in der Amtszeit eines neuen Papstes zählt vielfach als eine Art Regierungserklärung für dessen Pontifikat. Solche "Rundschreiben" - so die wörtliche Bedeutung - sollen Gläubigen rund um die Welt einen moralischen Kompass geben. Als Nachfolger des verstorbenen Papstes Franziskus ist Leo seit Mai vergangenen Jahres im Amt. Er ist der erste US-Amerikaner an der Spitze der katholischen Weltkirche und mit seinen 70 Jahren ein verhältnismäßig junger Papst.