Panorama

Viertägige Konferenz im Vatikan Papst vergleicht Missbrauch mit Menschenopfern

Vier Tage lang sprechen im Vatikan hochrangige Vertreter der katholischen Kirche über die Missbrauchsskandale überall auf der Welt. Zum Abschluss wählt Papst Franziskus einen drastischen Vergleich.

In einer Ansprache zum Abschluss des historischen Anti-Missbrauchsgipfels im Vatikan hat Papst Franziskus den sexuellen Missbrauch durch Geistliche in der katholischen Kirche als noch schwerwiegender als in anderen Bereichen der Gesellschaft bezeichnet. "Wir müssen uns darüber im Klaren sein: Die weltweite Verbreitung dieses Übels bestätigt, wie schwerwiegend es für unsere Gesellschaften ist, schmälert aber nicht seine Abscheulichkeit innerhalb der Kirche", sagte Franziskus. "Die Unmenschlichkeit dieses Phänomens auf weltweiter Ebene wird in der Kirche noch schwerwiegender und skandalöser, weil es im Gegensatz zu ihrer moralischen Autorität und ihrer ethischen Glaubwürdigkeit steht." 

Der Kindesmissbrauch erinnere ihn an die in einigen Kulturen einst weitverbreitete "grausame" religiöse Praxis, Menschen "in heidnischen Ritualen" zu opfern, sagte das Kirchenoberhaupt. Oft seien Kinder die Opfer gewesen. Papst Franziskus hatte für den Gipfel unter anderem die 114 Chefs der Bischofskonferenzen weltweit in den Vatikan beordert.

"Kopernikanische Wende"

In der vorhergehenden Messe hatte der Erzbischof von Brisbane, Mark Coleridge, die katholische Kirche bereits zu einer dramatischen Kehrtwende aufgefordert. Coleridge sagte in seiner Predigt: "Diese Verwandlung ist tatsächlich eine kopernikanische Revolution."

"Wie ihr wisst, hat Kopernikus bewiesen, dass es nicht die Sonne ist, die sich um die Erde dreht, sondern die Erde, die sich um die Sonne dreht", erläuterte Coleridge. "Für uns besteht die kopernikanische Revolution in der Erkenntnis, dass die missbrauchten Personen sich nicht um die Kirche drehen, sondern dass es die Kirche ist, die sich um sie dreht." Manchmal seien Missbrauchsopfer gar als "Feinde" angesehen worden, beklagte der Erzbischof von Brisbane. Nur wenn es den Kirchenleuten gelinge, sich in die Missbrauchsopfer hineinzuversetzen, könne für die Kirche eine "neue Jahreszeit ihrer Mission" beginnen. "Vor uns liegt eine Mission - eine Mission, die nicht nur Worte, sondern wirklich konkretes Handeln benötigt. Wir werden alles tun, damit Überlebende des Missbrauchs Gerechtigkeit und Heilung bekommen", sagte er.

Bei einem Bußgottesdienst am Samstagabend hatten sich die Bischöfe dazu bekannt, dass sie ihrer Verantwortung oft nicht gerecht geworden seien, "dass wir gesündigt haben in Gedanken, Worten und Taten, in dem, was wir getan und unterlassen haben". "Es sollte uns nicht überraschen (...), wenn die Menschen schlecht über uns reden, uns Misstrauen entgegenbringen, uns manche drohen, uns ihre materielle Unterstützung zu verweigern", sagte Philip Naameh, Vorsitzender der Bischofskonferenz in Ghana, in seiner Predigt. "Darüber dürfen wir uns nicht beschweren, wir sollten uns lieber fragen, was wir anders machen müssen."

Quelle: ntv.de, sba/dpa