Panorama

Stimmung wie zu Silvester Paris feiert ausgelassen in die Sperrstunde

imago0105693289h.jpg

Volle Bars und Restaurants in Paris: So begrüßen die Franzosen die strenge Ausgangssperre.

(Foto: imago images/Hans Lucas)

In Frankreichs Großstädten gilt ab sofort eine strikte nächtliche Ausgangssperre. Doch bevor der Vorhang fällt, lassen es die Pariser noch einmal richtig krachen. Während die Behörden hoffen, dass eine Sperrstunde von 21 bis 6 Uhr die Infektionszahlen drückt, suchen viele Franzosen schon neue Schlupflöcher.

Vollbesetzte Restaurants, Gedränge in den Bars, Feierstimmung: Kurz vor der rigiden abendlichen Ausgangssperre in Paris und weiteren französischen Großstädten sind Tausende Menschen noch einmal richtig ausgegangen. Um Punkt Mitternacht trat dann die von der Regierung angeordnete Ausgangssperre wegen der hohen Corona-Infektionszahlen in Kraft, ab Samstag müssen die rund 20 Millionen betroffenen Einwohner der Städte ab 21 Uhr zu Hause bleiben.

Die Stimmung in den Straßen von Paris glich am Freitag einem Silvesterabend. "Wir werden das so sehr genießen, wie wir nur können", sagte der 19-jährige Kurtys Magdelo. Er habe sich mit Freunden zu einer Tour durch mehrere Bars verabredet, danach sei ein nächtlicher Spaziergang entlang der Champs-Elysées geplant, fügte Magdelo hinzu.

Sperrstunde genießt Unterstützung

Obwohl die Ausgangssperre in der Bevölkerung Umfragen zufolge breite Unterstützung findet, beschwerten sich mehrere Restaurantbesitzer bitterlich: Die Maßnahme ergibt ihrer Ansicht nach wenig Sinn angesichts der strengen Corona-Regeln, die bereits gelten. "So etwas habe ich in den 50 Jahren, die ich hier bin, noch nie gesehen", sagte Restaurantbesitzer Stain Roman.

Auch die Behörden mehrerer Städte zeigten sich besorgt über die wirtschaftlichen Folgen der mindestens vierwöchigen Teil-Ausgangssperre. Die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo und Kultusministerin Roselyne Bachelot riefen die Regierung auf, die Regeln für kulturelle Einrichtungen zu lockern. Finanzminister Bruno Le Maire erteilte den Forderungen eine Absage. "Wenn wir anfangen, Ausnahmen zu erlauben, werden wir es nicht schaffen", sagte er.

*Datenschutz

Die Ausgangssperre gilt neben Paris in acht französischen Städten mit besonders hohen Corona-Zahlen - Marseille, Lyon, Lille, Rouen, Saint-Etienne, Grenoble, Toulouse und Montpellier. Betroffen ist damit fast ein Drittel der französischen Bevölkerung. Ab sofort dürfen die Menschen in den betroffenen Gebieten ihre Häuser zwischen 21 und 6 Uhr morgens nicht mehr verlassen.

122 Corona-Tote, 25.000 neue Fälle

Frankreich meldete am Freitagabend mehr als 25.000 Corona-Neuinfektionen innerhalb eines Tages, am Vortag waren es sogar mehr als 30.000 gewesen. Die Zahl der Corona-Toten stieg um 122 auf insgesamt 33.303 seit Beginn der Pandemie.

Die neue Ausgangssperre ist in Frankreich die härteste Maßnahme seit Ende des landesweiten Lockdowns am 11. Mai. Premierminister Jean Castex betonte beim Besuch in der Universitätsklinik Lille, damit wolle die Regierung den Krankenhäusern helfen, die in der zweiten Corona-Welle wieder unter Druck geraten.

Viele sind dennoch skeptisch, ob die Maßnahmen die sich ausbreitenden Infektionen eindämmen können. Manche suchen schon nach Auswegen: Um weiter mit Freunden zum Essen oder Trinken gehen zu können, wollten sich künftig alle einfach "früher als gewohnt" treffen, berichtete der 28-jährige Dimitri in Rouen.

Quelle: ntv.de, mau/AFP