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Über die Zukunft des Priesters muss noch entschieden werden.
Über die Zukunft des Priesters muss noch entschieden werden.(Foto: picture alliance / dpa)
Mittwoch, 06. Dezember 2017

Ein Jahr nach Suizid: Pfarrer gesteht intimen Kontakt zu Flüchtling

Ein Geständnis des örtlichen Pfarrers löst in der 8000-Einwohner-Gemeinde Kirn in Rheinland-Pfalz Bestürzung aus. Der Seelsorger hatte Sex mit einem schwer traumatisierten Flüchtling - der sich kurz darauf das Leben nahm.

Am Abend des 9. Dezember 2016 nimmt sich ein 23-jähriger Flüchtling aus Syrien im rheinland-pfälzischen Kirn das Leben. Polizeiangaben zufolge läuft er "plötzlich und unvermittelt" auf die Straße - direkt vor ein Auto. Der junge Mann stirbt wenig später.

Kurz vor dem Suizid hatte der Flüchtling bei der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach Anzeige gegen den örtlichen Pfarrer erstattet - wegen sexueller Aktivitäten. Das Verfahren wurde jedoch wieder eingestellt, weil kein Strafbestand vorlag. Der 23-Jährige habe sich den Angaben zufolge "wohl einfach ausgenutzt gefühlt", zitiert die "FAZ" einen Sprecher. "Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass der Pfarrer sich in irgendeiner Form strafbar gemacht hat."

Den Seelsorger dürften dennoch Gewissensbisse plagen, wie neue Informationen jetzt nahelegen. Im Gemeindebrief der katholischen Gemeinschaft Kirn legte der Pfarrer, der seit einem Jahr krankgeschrieben ist, eine Art Beichte ab. Er schreibt, dass ein schwer traumatisierter Flüchtling aus Syrien im vergangenen Jahr Hilfe und auch den persönlichen Kontakt bei ihm gesucht habe. Er habe ihm geholfen und dabei seien sie dann auch körperlich intim geworden. Der Pfarrer gesteht: "In dieser Situation habe ich die Distanz, die meine Rolle als Begleiter eines geflüchteten Menschen und auch meine Rolle als Priester geboten hätte, nicht gewahrt. Ich habe das Vertrauensverhältnis in nicht angemessener Weise ausgenutzt."

Er bedauere und bereue das Vorgefallene zutiefst und habe dem Bischof angeboten, auf die Pfarrstelle in Kirn zu verzichten. Zwar glaube er nicht, dass der Suizid irgendetwas mit dem sexuellen Verhältnis der beiden Männer zu tun hatte, dennoch belaste ihn die Tatsache sehr. Es gebe "nach allem, was wir wissen, keinen direkten Zusammenhang zwischen unserem Kontakt und der Entscheidung des Mannes, sich das Leben zu nehmen."

Am Ende seines Briefes bittet er die Bewohner von Kirn um Verzeihung, "sofern Ihnen das möglich ist". Ihm sei die Arbeit während der Flüchtlingskrise über den Kopf gewachsen. Jetzt wolle er sich in einen längeren stationären Aufenthalt begeben, "um eine gefestigte Handlungssicherheit für die Zukunft zu gewinnen". Über seinen künftigen Einsatz als Priester könne erst nach Ende der Therapie entschieden werden. Das sei auch mit dem Bistum Trier so vereinbart.

Quelle: n-tv.de

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