Panorama

Kritik am Impfstoffkauf unfairPharmaindustrie kommt Regierung zu Hilfe

04.01.2021, 18:54 Uhr
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Fläschchen, Stopfen, Kappen, Spritzen: Die Impfstoffproduktion umfasst eine größere Wertschöpfungskette. (Foto: imago images/Cavan Images)

Es kommt selten vor, dass die Pharmaindustrie der Bundesregierung helfen muss. Doch der Streit um knappen Impfstoff ist so heftig, dass die Arzneimittelmanager die Einkäufer in Schutz nehmen. Den SPD-Vorschlag eines Impfgipfels findet der Pharma-Verbandschef sinnlos.

Im Streit um den knappen Corona-Impfstoff springt die Pharmaindustrie der Bundesregierung zur Seite. "Die EU und auch die Bundesregierung haben sich nach unserer Kenntnis sehr rechtzeitig mit der Beschaffung von Impfstoffen auseinandergesetzt", sagte Hans-Georg Feldmeier, der Vorsitzende des Bundesverbands der Pharmazeutischen Industrie (BPI). Dabei sei mit allen potenziellen Impfstoffherstellern verhandelt worden.

Die Bundesregierung ist mit scharfer Kritik konfrontiert, weil in Deutschland verhältnismäßig wenig Impfstoff zur Verfügung steht und sich die Lieferungen an die Bundesländer verzögert haben. "Was wir jetzt feststellen ist, dass die einzelnen Firmen mit einer unterschiedlichen Entwicklungsgeschwindigkeit zum Erfolg gekommen sind", sagte der BPI-Chef dazu. "Zum Zeitpunkt der Verhandlungen konnte aber niemand voraussehen, wann welche Firma eine Impfstoffentwicklung erfolgreich abschließt." Im Hauptberuf ist Feldmeier Vorstandschef des in Grünwald bei München ansässigen Herstellers Dermapharm.

Feldmeier schlug eine pragmatische Lösung vor, um schnell mehr Impfstoff zur Verfügung zu stellen: "Eine gute Möglichkeit zur kurzfristigen Steigerung der vorhandenen Kapazitäten wäre aus unserer Sicht die frühzeitige Zulassungsänderung bezüglich der Anzahl der Impfdosen pro Behältnis von fünf auf sechs durch die EMA." Die EMA ist die europäische Arzneimittelbehörde.

"Bewertung im Nachhinein nicht zielführend"

Die EU hatte sich bei den Bestellungen auf sechs Pharmaunternehmen konzentriert, von denen angenommen wurde, dass sie ihre jeweiligen Impfstoffe am schnellsten entwickeln würden. "Nun haben wir die Situation, in der weniger Firmen als vorausgesehen die Zulassung haben", sagte Feldmeier. "Im Nachhinein die Richtigkeit der Bestellstrategie bewerten zu wollen, ist nicht zielführend." Feldmeier betonte, dass zum Zeitpunkt der Zulassungserteilung schon sehr viel Impfstoff vorhanden gewesen sei. "Das ist nicht selbstverständlich und bedeutet, dass die Hersteller auf eigenes Risiko bereits vor der Zulassungserteilung mit der Produktion begonnen haben."

Eine Herausforderung ist nach Worten des Pharmamanagers nicht nur die Produktion des Impfstoffs selbst. "Die Wertschöpfungskette beginnt zum Beispiel mit der Produktion der Fläschchen, geht über die Herstellung von Stopfen und Kappen bis zu speziellen Devices wie Einwegspritzen und Hilfsstoffen und mündet dann in der eigentlichen Impfstoffproduktion." Der Einkauf all dieser Materialien und die Produktion seien globale Herausforderungen.

Einen Impfstoffgipfel, wie die SPD ihn vorgeschlagen hat, hält Feldmeier nicht für sinnvoll. "Die akuten Fragestellungen sind nicht politischer, sondern regulatorischer und technologischer Natur. Diese Fragen können nicht auf einem Gipfel mit der Politik beantwortet werden."

Quelle: ntv.de, mau/dpa

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