Panorama

Jakobswege sind vollPilgerreisen in Europa boomen

24.01.2017, 11:23 Uhr
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Kilometer null: Der letzte Kilometerstein des Camino a Fisterra am Endpunkt des Jakobswegs am Kap Finisterre. (Foto: imago/imagebroker)

Der Alltag vieler Menschen ist stressig und manche möchten der Hektik ab und zu entfliehen. Bei Pilgerwanderungen suchen sie Ruhe und Abgeschiedenheit. Ob Jakobsweg oder weniger bekannte Ziele - Wanderreisen zur inneren Einkehr sind ein Megatrend.

Wandern, Nachdenken und die Stille genießen ist für viele Urlaub und Herausforderung zugleich. Und der Pilger-Boom in Europa ist ungebrochen. Wie der Soziologe Christian Kurrat von der Fernuniversität Hagen auf der Reisemesse CMT berichtete, habe der Jakobsweg in Spanien einen neuen Teilnehmerrekord verzeichnet: 280.000 Menschen hätten sich 2016 auf den Weg nach Santiago de Compostela gemacht.

Spiritueller Tourismus sei ein "Sehnsuchtsmarkt", der jährlich einen Umsatz von 13,5 Milliarden Euro erzeuge, sagte Kurrat auf der Urlaubsmesse. Habe es 1990 in Deutschland nur rund ein Dutzend Buchtitel zum Thema Pilgern gegeben, so seien es 2015 bereits mehr als 430 gewesen.

Bestseller verstärkte den Hype

Hape Kerkelings Pilgerbuch "Ich bin dann mal weg" sei mit elf Millionen Exemplaren zum meistverkauften Sachbuch Europas geworden, sagte Kurrat. Nach der Veröffentlichung habe man einen "Kerkeling-Effekt" verzeichnet: Die Zahl der deutschen Pilger auf dem Jakobsweg sei binnen eines Jahres um 70 Prozent gestiegen.

Kurrat wies auf Ergebnisse seiner soziologischen Forschung hin, wonach sich Menschen aus ganz unterschiedlichen Gründen auf Pilgerschaft begeben. Während die einen beim Pilgern eine Krise wie etwa den Tod eines geliebten Menschen verarbeiten wollten, suchten andere eine Auszeit von einem turbulenten Alltag. Spiritueller Tourismus sei eine Versuch, Ruhe in einen immer hektischeren Alltag zu bringen, sagte Ulrich Heckel von der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Laut Umfragen schaue sich jeder Zweite auf Reisen gerne Kirchen und Klöster an, jeder Dritte könne sich sogar einen Klosterurlaub vorstellen.

Quelle: ntv.de, sgu/epd

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