Streit mit Leo um BischofsweihePiusbrüder nennen päpstliche Exkommunikation "ungültig"

Mit Verweis auf den rechten Glauben setzt sich die Piusbruderschaft über den Vatikan hinweg. Gegen die kirchliche Regel weihen die Erzkonservativen eigene Bischöfe. Die Exkommunikation durch Papst Leo wollen sie nun ebenfalls nicht akzeptieren.
Die Piusbruderschaft hat die jüngsten Exkommunikationen als "objektiv ungerecht und ungültig" zurückgewiesen. Die Bruderschaft werde "diese neuen Sanktionen nicht mit Verbitterung oder Aufruhr aufnehmen", schrieb ihr Generaloberer, der italienische Priester Davide Pagliarani, in einem offenen Brief an Papst Leo XIV. "Diese jüngsten Verurteilungen treffen, wie jene der Vergangenheit, das, was uns am teuersten ist: unsere Verbundenheit mit unserer Mutter, der römischen Kirche."
Die vom Vatikan beanstandeten Bischofsweihen seien eine "außergewöhnliche Initiative zum Heil der Seelen, mitten in der lehrmäßigen und moralischen Verwirrung, in die die Kirche gestürzt ist", erklärte Pagliarani. "Wir erheben in keiner Weise den Anspruch, uns an die Stelle der Kirche zu setzen, und wir haben keinen anderen Ehrgeiz, als treu zu bleiben."
Der Vatikan hatte am Donnerstag sechs Bischöfe der ultrakonservativen Piusbruderschaft exkommuniziert. Die vier am Vortag von der Bruderschaft ohne Zustimmung des Papstes geweihten Bischöfe sowie die beiden Weihbischöfe wurden aus der römisch-katholischen Kirche ausgeschlossen.
Leo: Ein schismatischer Akt
Die Piusbruderschaft hatte am Mittwoch im schweizerischen Écône erstmals seit 38 Jahren vier neue Bischöfe geweiht und sich damit über eine ausdrückliche Warnung von Papst Leo XIV. hinweggesetzt. Der Papst hatte von einem "schismatischen Akt" gesprochen, also einer spalterischen Handlung. Für die römisch-katholische Kirche gilt die Weihe eines Bischofs ohne Zustimmung des Papstes als direkter Ungehorsam.
Die traditionalistische Piusbruderschaft lehnt zentrale Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils aus den 1960er Jahren ab. Sie hat nach eigenen Angaben weltweit rund 600.000 Gläubige und 751 Priester und ist somit innerhalb der katholischen Kirche mit rund 1,3 Milliarden Gläubigen eine kleine Minderheit.
Zuletzt hatte die Piusbruderschaft 1988 Bischöfe ohne Zustimmung des Papstes geweiht. Die damals verhängten Exkommunikationen wurden 2009 von Papst Benedikt XVI. aufgehoben.