"Sünde von äußerster Schwere"Vatikan exkommuniziert erzkonservative Bischöfe der Piusbruderschaft

Nach jahrzehntelangem Streit kommt es nun erneut zur Eskalation. Obwohl Papst Leo XIV. es ausdrücklich verbietet, weihen die Piusbrüder in der Schweiz vier Bischöfe. Das hat harte Konsequenzen - sie werden sofort aus der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen.
Sie haben ein unmissverständliches Verbot von Papst Leo XIV. ignoriert und bezahlen dafür nun mit der Verbannung aus der katholischen Kirche. Die erzkonservative Piusbruderschaft hat gegen den Willen des Pontifexes vier neue Bischöfe geweiht und damit einen "schismatischen Akt", also eine Abspaltung von der Kirche, vollzogen. Der Vatikan hat keine 24 Stunden nach der Weihe die Exkommunikation der Beteiligten bestätigt.
In einem Dekret bestätigte der Vatikan die Exkommunikation von sechs Bischöfen: des spanischen Bischofs Alfonso de Galarreta, der die Weihe ausführte, und der neuen Bischöfe Pascal Schreiber (Schweiz), Michael Goldade (USA) sowie Michel Poinsinet de Sivry und Marc Hanappier (beide Frankreich). Auch Bischof Bernard Fellay (Schweiz) ist betroffen. Damit verlieren die sechs Geistlichen all ihre kirchlichen Ämter und Würden.
Die Priesterbruderschaft St. Pius X. - so der offizielle Name der Glaubensgemeinschaft - hatte am Mittwoch im schweizerischen Écône trotz ausdrücklicher Warnung des Vatikans neue Bischöfe geweiht. Der Vatikan hatte bereits Wochen zuvor klargemacht, dass ein solcher Schritt ohne Zustimmung des Papstes den automatischen Kirchenausschluss nach sich zieht.
Noch am Dienstag wandte sich Papst Leo XIV. mit einem Brief an den Generaloberen der Piusbrüder, Davide Pagliarani, und warnte vor einem Bruch. "In diesem Geist und erfüllt von christlicher Liebe bitte ich euch und ersuche euch von ganzem Herzen: Kehrt um!" Eine Abspaltung stelle eine "Sünde von äußerster Schwere" dar, so der Pontifex. Doch nichts half, die Männer ignorierten den Papst.
Eskalation nach jahrelangem Streit
Mit der Weihe gegen den ausdrücklichen Willen von Papst Leo XIV. hätten sie einen "Akt schismatischer Natur" vollzogen, hieß in dem veröffentlichten Vatikan-Dekret. Damit wird eine Handlung bezeichnet, die die Spaltung der katholischen Kirche bezweckt. Die mächtige Behörde für Glaubenslehre warnte Geistliche und Laien der Gemeinschaft davor, sich dem Schisma anzuschließen.
Mit der jüngsten Entwicklung ist ein seit Jahrzehnten schwelender Konflikt eskaliert. Die Gemeinschaft wurde 1970 vom französischen Erzbischof Marcel Lefebvre gegründet und lehnt zentrale Reformen des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) ab. Dieses Konzil veränderte etwa die Beziehungen zu anderen Christen, Juden und weiteren Religionen sowie zur Laienwelt grundlegend und erlaubte die Messe in Landessprachen statt auf Latein.
Bereits 1988 hatte Lefebvre gegen den Willen von Papst Johannes Paul II. vier Bischöfe geweiht. Er und die neu geweihten Bischöfe wurden daraufhin exkommuniziert. Papst Benedikt XVI. hob die schwere Kirchenstrafe 2009 aber als Zeichen der Versöhnung wieder auf. Die Entscheidung des deutschen Papstes löste weltweit Kritik aus, weil unter den damals geweihten vier Bischöfen auch der britische Holocaust-Leugner Richard Williamson war.