Panorama

Unesco-Erbe in Gefahr Plünderer ziehen durch antike Tempel

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Tempel und Pagoden so weit das Auge reicht - für die vielen antiken Bauten ist Myanmar weltbekannt.

(Foto: AP)

Myanmars antike Königsstadt Bagan ist seit 2019 Unesco-Weltkulturerbe. Doch wegen der Corona-Krise bleibt der erhoffte Besucheransturm auf die historischen Tempel und Pagoden aus - zur Freude von Plünderern, die Jagd auf Reliquien und Schmuck machen.

Sie haben es auf Reliquien, Münzen und Schmuck abgesehen: Seit dem Corona-Lockdown wird Myanmars antike Königsstadt Bagan mit ihren 3000 Pagoden von Plünderern heimgesucht. Deswegen patrouillieren mittlerweile etwa 100 Polizisten und Feuerwehrleute Tag und Nacht, mit Fackeln und zu Fuß, in Geländewagen und Motorrädern auf der 50 Quadratkilometer großen Ebene im Zentrum Myanmars.

Seit Jahrzehnten seien die Stätten nicht mehr so massiv geplündert worden, sagt der stellvertretende Leiter der Archäologiebehörde von Bagan, Myint Than. Er zeigt, wie die Diebe übers Dach in eine Stupa, ein buddhistisches Bauwerk, eindrangen. "Als hier Touristen waren, gab es keine Plünderungen."

2019 wurde die Stadt im Irrawady-Flussdelta mit ihren mehr als 3500 antiken Stupas, Tempeln, Wandbildern und Skulpturen zum Unesco-Weltkulturerbe erklärt. Doch Pläne, aus dem neuen Status Bagans Kapital zu schlagen, hat die Pandemie zunichtegemacht. Durch den Besuchermangel stehen Tempel und Hotels leer, was den Einheimischen die Lebensgrundlage entzieht und Plünderern ihre Raubzüge erleichtert. Than betont, die Einbrüche seien sicher nicht das Werk von Leuten aus Bagan: Einheimische würden nicht "ihr Erbe verraten", ist er sich sicher.

Sicherheitskräfte patrouillieren Tag und Nacht

Bei einer Flut von Einbrüchen Anfang Juni wurden zwölf verschiedene Tempel geplündert und dabei unter anderem antike Münzen und Jadeschmuck gestohlen. Einige Reliquien stammen aus dem 11. bis 13. Jahrhundert, als Bagan die Hauptstadt des ersten birmanischen Reiches war, das dann infolge mehrerer Erdbeben an Einfluss verlor.

Zur Unterstützung der örtlichen Touristenpolizei und der Feuerwehr wurde nun zusätzlich eine regionale Polizeieinheit nach Bagan entsandt. Bei Einbruch der Dunkelheit postieren sich Wachen mit Helmen und Waffen vor den Tempeln. Vorerst scheint die zusätzliche Polizeipräsenz zu wirken - die Einbrüche gingen zurück. "Unsere Sicherheitskräfte patrouillieren Tag und Nacht", sagt Polizeioberstleutnant Sein Win. "Im Moment haben wir es unter Kontrolle, aber es ist eine Herausforderung." Ein Polizist mit Mundschutz erzählt: "Es ist nicht leicht zu patrouillieren, weil das Gebiet so groß ist." Auch vor giftigen Schlangen müssten sie sich in Acht nehmen.

Bagan ist auf den Tourismus angewiesen. Nach jahrzehntelanger Militärdiktatur kamen in den vergangenen Jahren immer mehr Besucher, 2019 war es fast eine halbe Million. Doch seit April sind die meisten Stätten für Touristen gesperrt. Zwar hat das südostasiatische Myanmar offiziell nur ein paar hundert Corona-Infektionen und eine Handvoll Todesfälle verzeichnet, doch will die Staatsführung angesichts des fragilen Gesundheitssystems kein Risiko eingehen.

Ganze Region leidet stark unter der Touristen-Flaute

Hotels und Restaurants sind geschlossen, während die Straßenverkäufer und Tuk-Tuk-Fahrer in den menschenleeren Gassen zwischen den Tempeln vergeblich auf Kunden warten. Allein ihre Einnahmen aus dem April mit dem birmanischen Neujahrsfest würden ihre Familie normalerweise ein halbes Jahr ernähren, sagt die Souvenir-Verkäuferin Wyne Yee. "Doch dieses Jahr haben wir schon jetzt kein Geld mehr."

Die Plünderungen machen sie traurig. Allerdings ist sie sich sicher, dass ein Fluch über die Täter kommen wird. "Die Bagan-Tempel werden das nicht tolerieren", sagt sie. "Die Diebe werden bestraft werden."

Quelle: ntv.de, Su Myat Mon, AFP