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Gewalt trifft Einsatzkräfte Polizei beklagt zunehmende Aggressivität an Silvester

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Böller und Raketen bringen an Silvester Gefahren mit sich.

(Foto: imago/Lichtgut)

Silvester ist nicht nur die letzte Party des Jahres, sondern auch ein Abend voller Ängste. Die Behörden nehmen immer mehr Gewaltbereitschaft und Respektlosigkeit in der Nacht zum neuen Jahr wahr. Diese richtet sich gegen Mitbürger und sogar Rettungskräfte.

Der Spaß an Silvester scheint in Deutschland getrübt. Polizisten nehmen laut der Gewerkschaft der Polizei (GdP) seit Jahren eine zunehmende Aggressivität und Respektlosigkeit wahr - auch gegenüber Rettungskräften .Polizeibeamte stellen laut Gewerkschaftsangaben in den vergangenen Jahren eine erhebliche Gewaltbereitschaft rund um den Jahreswechsel fest.

Diese treffe nicht nur die Polizei, sondern auch Rettungskräfte und Feuerwehrleute. "Da werden Böller beispielsweise gezielt auf Menschen geworfen und Raketen verantwortungslos in Richtung von Häusern abgeschossen. Die Gewalt trifft auch immer öfter Einsatzkräfte, die Orte mit Verletzten oder Brandstellen sichern", sagte GdP-Chef Oliver Malchow.

Auf Skepsis stößt bei Malchow dennoch der Ruf nach einer Ausweitung von Böllerverboten. "Die derzeitige Diskussion um ein Verbot von Silvesterfeuerwerk in eng besiedelten Stadtgebieten sehe ich skeptisch, da die Polizei die hierzu notwendigen Kontrollen personell überhaupt nicht leisten kann", sagte Malchow. "Schon jetzt sind Tausende meiner Kolleginnen und Kollegen rund um den Jahreswechsel bundesweit im Einsatz, um für Sicherheit und Ordnung zu sorgen." Die bereits bestehenden punktuellen Verbote seien "völlig richtig und werden von den Einsatzkräften auch kontrolliert".

Sprengstoffgesetz verhindert flächendeckendes Verbot

Einige Städte haben in ihrer City dieses Jahr erstmals Verbote erlassen, darunter Hannover. In Berlin hätte die rot-rot-grüne Landesregierung gern schon dieses Jahr weitergehende Verbotszonen eingerichtet. Der Linken-Abgeordnete Niklas Schrader sagte dem RBB, das Bundessprengstoffgesetz verbiete es den Bezirken aber, die Böllerei ganz zu untersagen. Darum wolle man auf Bundesebene aktiv werden.

Der Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) erwartet wieder einen Umsatz von etwa 137 Millionen Euro mit Raketen, Batterien und Knallkörpern. Organisationen wie Brot für die Welt und die Tierrechtsorganisation Peta rufen zum Böllerverzicht auf. Auch das Umweltbundesamt empfiehlt einen Verzicht auf das private Silvesterfeuerwerk.

Verschiedene Umfragen förderten ein gespaltenes Bild in Sachen Einstellung der Deutschen zu Silvester und Feuerwerk zutage. In einer Umfrage des Online-Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Online-Portale der Funke-Mediengruppe sprachen sich fast 60 Prozent von mehr als 5000 Befragten für Feuerwerksverbote in deutschen Innenstädten aus.

Einer repräsentativen GfK-Umfrage vom Januar 2018 im Auftrag der Tierrechtsorganisation Peta zufolge sprachen sich 58,2 Prozent ab 14 Jahren dafür aus, lautes Feuerwerk aufgrund der großen Belastung für Tier und Mensch zu untersagen. Laut einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts INSA für die "Bild" will die Mehrheit der Menschen in Deutschland gar nicht böllern. Nur 18 Prozent gaben an, Knallkörper zünden zu wollen.

Quelle: n-tv.de, mba/dpa

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