Panorama

Teils sehr junge TäterPolizei durchsucht Neonazi-Zellen in zwölf Bundesländern

06.05.2026, 08:13 Uhr
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Die Neonazi-Gruppe "Jung und Stark" forderte auf einer Demonstration im März in Essen die Remigration von Ausländern. (Foto: picture alliance / Jochen Tack)

Die Zahl der Straftaten von rechten Gruppen nimmt zu. Ihre Mitglieder werden immer jünger. Mutmaßliche Mitglieder einer rechtsextremen Jugendgruppe geraten in mehreren Bundesländern ins Visier der Polizei.

Mit einer Razzia in zwölf Bundesländern ist der Generalbundesanwalt gegen 36 junge mutmaßliche Rechtsextremisten vorgegangen. Sie sollen wichtige Mitglieder der Gruppen "Jung & Stark" oder "Deutsche Jugend voran" beziehungsweise "Neue Deutsche Welle" sein, wie die Karlsruher Behörde mitteilte. In sozialen Medien und bei Treffen der Gruppierungen wird demnach zu Gewalttaten gegen politische Gegner und vermeintlich Pädophile aufgerufen.

Einige Beschuldigte sollen Angehörige der linken Szene oder Menschen angegriffen haben. Die Opfer wurden jeweils von mehreren Angreifern geschlagen und verletzt, wie die Bundesanwaltschaft ausführte. Im Fokus der Ermittlungen stehen 36 Beschuldigte, denen die Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen wird. Teils soll es sich um Jugendliche oder Heranwachsende handeln. Der jüngste Beschuldigte soll 16 Jahre alt sein.

Beide bundesweit organisierte Gruppen existieren den Angaben zufolge seit Mitte 2024 und haben in den Ländern Regionalgruppen. Die Bundesanwaltschaft wirft den meisten Beschuldigten vor, Rädelsführer der Gruppen zu sein. Gegen acht von ihnen werde auch wegen gefährlicher Körperverletzung ermittelt.

Festgenommen wurde am Mittwoch niemand. Die Durchsuchungen sollten die bestehenden Verdachtsmomente aufklären. In den zwölf Bundesländern sind den Angaben nach mehr als 600 Polizeikräfte im Einsatz. Sie durchsuchen etwa 50 Objekte in Bayern, Berlin, Brandenburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein. Ausgenommen waren also nur Baden-Württemberg, Bremen, Hamburg und Thüringen.

Neue Vernetzung

Seit 2024 häufen sich die Gewalttaten von teils sehr jungen Neonazis, etwa bei Angriffen auf Paraden zum Christopher Street Day, der den Rechten von lesbischen, schwulen und anderen queeren Menschen gewidmet ist.

Das Bundeskriminalamt (BKA) erklärte Mitte 2025: "Die Polizeibehörden aus Bund und Ländern beobachten seit etwa Mitte vergangenen Jahres, dass in der rechten Szene neue Jugendgruppen in Erscheinung getreten sind, die sich zunächst im virtuellen Raum gegründet haben." Diese treten inzwischen vermehrt durch Veranstaltungen, Störaktionen und Straftaten in Erscheinung.

Die größte dieser Gruppen war damals nach Angaben aus Sicherheitskreisen "Jung und Stark" mit einer Anhängerzahl im mittleren dreistelligen Bereich. Auch die Gruppe "Deutsche Jugend Voran" ist im Visier der Ermittler. Schätzungsweise mehr als hundert Menschen fühlen sich demnach dieser Gruppe zugehörig. Weitere relevante Vereinigungen seien "Der Störtrupp" sowie die Gruppe "Letzte Verteidigungswelle". Mutmaßliche Angehörige der "Letzten Verteidigungswelle" stehen aktuell in Hamburg wegen mehrerer Gewalttaten vor Gericht.

Bundesjustizministerin Hubig hat den gewaltorientierten Rechtsextremismus als die größte Gefahr bezeichnet, die Deutschland von innen drohe. "Militante rechtsextreme Gruppen haben Zulauf – erschütternderweise gerade auch unter jungen Menschen», fügte sie hinzu. "Ihre Aktionen richten sich gegen alle Menschen, die sie in ihrem rechtsextremen Weltbild als Feinde identifiziert haben - und zugleich gegen unsere Demokratie." Hubig weist auf das Ausmaß der Durchsuchung hin. "12 von 16 Bundesländern sind betroffen, mehr als 45 Objekte wurden durchsucht. Deutlich zeigt sich einmal mehr: Wir reden von einer gesamtdeutschen Bedrohung durch gewaltorientierten Rechtsextremismus."

Quelle: ntv.de, raf/dpa

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