Panorama

Täter "verwirrt und ziemlich jung" Polizei erschießt Geiselnehmer in Viernheim

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Die Spezialkräfte hatten den Mann "final bekämpft und getötet".

(Foto: dpa)

Großeinsatz im hessischen Viernheim: Ein Mann dringt mit einem Gewehr in einen Kinokomplex ein und nimmt Geiseln. Die Polizei rückt an und erschießt den Täter. Bislang deutet nichts auf einen islamistischen Hintergrund hin. Aber viele Fragen sind dennoch offen.

Im südhessischen Viernheim hat ein bewaffneter Mann ein Kino gestürmt und ist kurz darauf von Spezialkräften der Polizei erschossen worden. Die Mitarbeiter und Kinogäste, die von dem Mann offenbar festgehalten wurden, konnten das Kinocenter unverletzt verlassen. Das Motiv des Angriffs ist noch unklar. Ein Kassierer des Kinos sagte, der Angreifer sei jung gewesen und habe "verwirrt" gewirkt.

Die Polizei war am Nachmittag alarmiert worden. Der Mann habe das Kino "maskiert und bewaffnet" betreten, erklärten Staatsanwaltschaft und Polizei. Es habe eine "akute Bedrohungslage" bestanden. Spezialeinsatzkräfte der Polizei erschossen den Mann, nachdem sie das Kino gestürmt hatten. Zu möglichen Geiseln konnte eine Polizeisprecherin keine Angaben machen. Nach einer ersten Einschätzung der Sicherheitsbehörden hatte die Tat vermutlich aber keinen terroristischen Hintergrund.

Unklar ist auch, was für eine Waffe der Angreifer bei sich hatte. In manchen Medienberichten war von einer Schreckschusswaffe die Rede. Der hessische Innenminister Peter Beuth sprach von einer "Langwaffe". Die Polizeisprecherin sagte dazu, dies werde noch untersucht.

Die Zeitung "Mannheimer Morgen" berichtete, die Polizei habe mitgeteilt, dass sich ein Rucksack des Täters als harmlos erwiesen habe. Die Polizei habe keinen Sprengstoff gefunden. Zuvor hatte die "Bild"-Zeitung von einen Sprengstoffgürtel und einer Handgranate gesprochen.

Nach noch unbestätigten Berichten wurden 25 Menschen durch Reizgas verletzt. Innenminister Beuth sagte lediglich, er habe keine Erkenntnisse, dass auch Dritte geschädigt wurden. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt und das hessische Landeskriminalamt übernahmen die Ermittlungen.

Täter wirkte "verwirrt"

Der 21-jährige Student Guri Blakaj, der in dem Kino als Kassierer arbeitet, sagte, der wohl zwischen 18 und 22 Jahre alte Angreifer sei mit einem "langen Gewehr" bewaffnet gewesen. "Ich habe erst mal gedacht, das wäre ein verkleideter Kunde", sagte Blakaj. Dann aber sei ihm der Ernst der Lage klar geworden.

Als der Mann ihn ins Büro des Kinos geschickt habe, habe er im Aufzug stehend mehrere Schüsse gehört, berichtete Balkaj. Der Täter ging dem Kassierer zufolge konfus vor, Geld habe er nicht gefordert. "Verwirrt hat er auf mich gewirkt", sagte Blakaj.

Zunächst habe er sich mit seinen Kollegen auf den Boden legen müssen, dabei habe er heimlich mit einem dafür vorgesehenen Knopf Alarm ausgelöst. Der Täter habe ihn dann aufgefordert, die Türen des Kinos zu verschließen, sei mit ihm danach bis kurz vor die Kinosäle gegangen und habe ihn schließlich ins Büro geschickt.

Der Geschäftsführer der Kinopolis GmbH, Gregory Theile, sagte dem Hessischen Rundfunk, zum Zeitpunkt der Tat hätten sich angesichts der Hitze nur "etwa 30 Gäste und neun Mitarbeiter" in dem Kino aufgehalten. Das Kino bleibe in den kommenden Tagen geschlossen. "Diesen Schock müssen wir alle erst mal verarbeiten", sagte Theile.

Quelle: n-tv.de, ppo/AFP/dpa/rts

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