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Amoklauf in München Polizei fasst mutmaßlichen Waffenhändler

Nach dem Amoklauf von München mit neun Toten nimmt die Polizei den mutmaßlichen Waffenverkäufer des Täters fest. Er und seine Lebensgefährtin werden in Marburg gefasst, teilen die Behörden mit. Die Polizei lockte ihn mit einem Scheingeschäft in die Falle.

Der mutmaßliche Verkäufer der Waffe des Amoklaufs von München ist bei einem Scheingeschäft gefasst worden. Der 31-Jährige wurde in Marburg in Hessen festgenommen, ebenso wie seine gleichaltrige Lebensgefährtin, die seinen Ausweis bei sich trug, wie die Generalstaatsanwaltschaft und das Zollfahndungsamt Frankfurt mitteilten. Es bestehe der dringende Verdacht, dass der Mann die in München verwendete Tatwaffe samt Munition geliefert habe, hieß es in der Mitteilung der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft.

Die Ermittler hatten dem mutmaßlichen Waffenhändler, der Ware im Darknet angeboten hatte, eine Falle gestellt. Bei der Anbahnung des Geschäfts habe der Mann gesagt, dem Amokschützen bei einem Treffen im Mai in Marburg die verwendete Pistole - eine Glock 17 - und vier Tage vor dem Amoklauf die Munition verkauft zu haben. Diese Angaben würden durch die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft München und des Bayerischen Landeskriminalamts gestützt.

Der 18 Jahre alte Amokschütze hatte am 22. Juli am Münchner Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen und sich anschließend selbst getötet. Er hatte zuvor offenbar systematisch nach einer Pistole des Herstellers Glock gesucht. Kurz nach der Tat war bekannt geworden, dass die Waffe im Darknet, einem verdeckten Bereich des Internets, gekauft worden war.

Offenbar zweite Festnahme

Bei dem Scheingeschäft stellten die Ermittler nun die vereinbarte Maschinenpistole, eine Pistole vom Typ Glock 17 und Munition zum Preis von insgesamt 8000 Euro sicher. Der Mann habe zu seiner Eigensicherung in einem Schulterholster eine durchgeladene Pistole bei sich gehabt. Er wurde festgenommen.

Das festgenommene Paar ging bei derartigen Geschäften offenbar mit geteilten Rollen vor: Während der Waffenhändler mit Käufern zunächst das Finanzielle regelte, bestand der Part der Frau darin, die Ware zu übergeben. Die Festnahme der beiden Verdächtigen sei nach den Schilderungen der Einsatzkräfte "völlig reibungslos" verlaufen, sagte der Sprecher der Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft.

Zwei Käufer bringen Polizei auf die Spur

Ermittlungen gegen einen 62 Jahre alten Buchhalter aus Nordrhein-Westfalen und gegen einen 17 Jahre alten Schüler aus Hessen hatten die Strafverfolger auf die Spur des Beschuldigten gebracht. Beide sollen Schusswaffen und Munition bei dem Mann gekauft und die Geschäfte über das Darknet, wo illegale Geschäfte durch Verschlüsselung anonym gehalten werden, angebahnt haben.

Beim Amoklauf des 18-Jährigen verletzten sich Dutzende Menschen unter anderem auch bei der Flucht. Klar ist den Ermittlern zufolge, dass der Amokläufer wohl Sympathien für den rechtsextremen norwegischen Attentäter Anders Behring Breivik hatte. Auch habe er seinen Geburtstag am 20. April, derselbe wie von Adolf Hitler, als "besonders positives Schicksal" angesehen. Es gebe aber keine Hinweise, dass er in rechtsextreme Netzwerke verstrickt gewesen war.

In einem von dem 18-Jährigen verfassten mehrseitigen Schriftstück äußere sich dieser hauptsächlich über seine schulische Situation, sein örtliches Umfeld und seine psychiatrischen Erkrankungen, wie die Ermittler mitgeteilt hatten. "Vor dem Hintergrund der psychiatrischen Erkrankung des Amoktäters ist derzeit eine abschließende Bewertung, was reales Geschehen und was Fantasie des Täters ist, nicht möglich."

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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