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Aufruf zu weiteren Protesten Polizei geht gegen Nawalny-Unterstützer vor

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Die Polizei verhaftet einen Mann bei Protesten in Chabarowsk.

(Foto: picture alliance/dpa/AP)

In Russland geht die Polizei gewaltsam gegen Demonstranten vor, die die Freilassung des Putin-Kritikers Nawalny fordern. Seine Anhänger rufen dennoch zu Straßenprotesten auf. In ihren Augen sind sie "das einzige Mittel, jemanden aus dem Gefängnis herauszubekommen".

Bei Protesten von Unterstützern des inhaftierten russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny hat die Polizei zahlreiche Menschen festgenommen. Noch vor dem offiziellen Beginn eines Demonstrationszuges in Moskau nahm die Polizei etwa 20 Menschen in Gewahrsam. Auch im Osten Russlands lösten die Sicherheitskräfte nach Angaben der Bürgerrechtsorganisation OWD Proteste auf und nahmen rund 200 Menschen fest. Die Demonstrationen richteten sich gegen die Inhaftierung Nawalnys sowie gegen den russischen Staatschef Wladimir Putin.

Unter anderem in den ostrussischen Städten Wladiwostok, Chabarowsk und Tschita gingen nach Angaben von Nawalnys Unterstützern Tausende Menschen auf die Straße. In der Pazifikküstenmetropole Wladiwostok versammelten sich die Demonstranten im Zentrum und riefen: "Freiheit für Nawalny" und "Putin ist ein Dieb". Auf Video-Aufnahmen waren Polizisten in voller Kampfausrüstung zu sehen, die zum Teil mit Schlagstöcken auf Demonstranten einschlugen. Auch in Jakutsk gingen Menschen auf die Straße - trotz Temperaturen von minus 50 Grad.

In Moskau sollte eine Demonstration für Nawalny um 14 Uhr (Ortszeit, 12 Uhr MEZ) beginnen. Die Demonstranten wollten sich am zentral gelegenen Puschkin-Platz treffen und von dort zum Kreml ziehen. Auch Nawalnys Frau Julia kündigte ihre Teilnahme an dem Demonstrationszug an. "Für mich, für ihn, für unsere Kinder, für die Werte und Ideale, die wir teilen", schrieb sie im Online-Dienst Instagram.

Russland verbittet sich Einmischung aus Ausland

Nawalnys Anhänger haben für diesen Samstag in mehr als 90 russischen Städten zu Protesten aufgerufen. Sein enger Verbündeter Leonid Wolkow appellierte an die russische Zivilgesellschaft, die Freilassung des prominenten Kreml-Kritikers zu erwirken. "Straßenproteste sind in Russland das einzige Mittel, jemanden aus dem Gefängnis herauszubekommen", sagte Wolkow der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung".

Russland hat sich wegen der Proteste für die Freilassung des inhaftierten Kremlkritikers Alexej Nawalny eine Einmischung aus dem Ausland verbeten. Das russische Außenministerium kritisierte in einer Mitteilung die US-Botschaft in Moskau, die mehrere geplante Demonstrationen mit genauen Treffpunkten und Uhrzeiten aufgelistet hatte. Unter dem Deckmantel der Sorge um die Sicherheit von US-Bürgern im Ausland wolle Washington die Proteste in Russland anheizen, kritisierte Moskau.

Die Behörden drohen mit hohen Strafen für die Teilnahme an den nicht genehmigten Kundgebungen. Bereits vor dem offiziellen Beginn der Demonstration ging die Polizei gegen Protestteilnehmer vor. AFP-Reporter sahen, wie Sicherheitskräfte Menschen Handschellen anlegten und in Gefangenentransporter abführten. In den vergangenen Tagen waren bereits zahlreiche Mitstreiter des Oppositionspolitikers festgenommen worden, darunter seine Pressesprecherin Kira Jarmysch.

Nawalnys Team hatte Anfang der Woche unter dem Titel "Ein Palast für Putin" ein Enthüllungsvideo veröffentlicht, das beweisen soll, dass der Präsident sich aus Schmiergeldern ein riesiges Anwesen am Schwarzen Meer bauen ließ. Der fast zweistündige Film hatte nach wenigen Tagen mehr etwa 67 Millionen Aufrufe auf Youtube. Der Kreml bezeichnet die Vorwürfe als "Unsinn" und "Lüge".

Nawalny drohen viele Jahre Gefängnis

Nawalny war am Montag in Moskau in einem umstrittenen Eilverfahren zu 30 Tagen Haft verurteilt worden. Der 44-Jährige soll gegen Meldeauflagen in einem früheren Strafverfahren verstoßen haben, während er sich in Deutschland von einem Giftanschlag vom 20. August erholte. Ihm drohen weitere Prozesse und viele Jahre Gefängnis.

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Laut Laborergebnissen in Deutschland, Frankreich und Schweden, welche die Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) bestätigte, wurde Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Nawalny wirft dem russischen Geheimdienst FSB vor, hinter seiner Vergiftung zu stecken und beschuldigt den russischen Staatschef Wladimir Putin, den Mordanschlag in Auftrag gegeben zu haben. Die russische Regierung bestreitet jede Beteiligung an der Attacke auf Nawalny.

Wolkow sagte der Zeitung, es sei in Russland schon vorgekommen, dass Oppositionelle zweimal hintereinander vergiftet worden seien. Deshalb sei "der einzige Schutz" für Nawalny "maximale Sichtbarkeit und Unterstützung in der Bevölkerung".

Quelle: ntv.de