Panorama
Die Taktik des Sondereinsatzkommandos hatte Erfolg.
Die Taktik des Sondereinsatzkommandos hatte Erfolg.(Foto: REUTERS)
Montag, 06. November 2017

Bewaffneter im Jugendamt: Polizei nimmt Geiselnehmer fest

In Pfaffenhofen an der Ilm nimmt ein bewaffneter Mann eine Mitarbeiterin des Jugendamts als Geisel. Medienberichten zufolge handelt es sich bei ihm um einen Vater, der das Sorgerecht verloren hat. Nach mehreren Stunden nimmt die Polizei den Mann fest.

Eine stundenlange Geiselnahme im Jugendamt von Pfaffenhofen an der Ilm ist weitgehend unblutig zu Ende gegangen. Spezialeinsatzkräfte der Polizei überwältigten den mutmaßlichen Täter am Nachmittag mit einer Elektroschockpistole. Der 28-Jährige sei festgenommen worden, teilte die Polizei mit. Dem Opfer, eine 31 Jahre alte Sachbearbeiterin in der Jugendbehörde des Landratsamtes, fügte der Täter leichte Schnittverletzungen am Hals und der rechten Hand zu. Das Motiv der Geiselnahme ist ein Sorgerechtsstreit des laut Staatsanwaltschaft psychisch labilen Mannes um sein kleines Kind.

Der 28-Jährige - ein in Kasachstan geborener Deutscher - hatte sich gegen 8.30 Uhr mit der Mitarbeiterin der Behörde in dem Nebengebäude des Landratsamtes verbarrikadiert. Er ließ den Rollladen im Dachgeschoss des dreistöckigen Hauses herunter, so dass die Polizei keinen Sichtkontakt zu Täter und Opfer aufnehmen konnte. Der Angreifer bedrohte die Frau mit einem Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge.

Zugriff nach fünf stundenlangem Nervenkrieg

Schon kurz nach Bekanntwerden der Geiselnahme in der oberbayerischen Kreisstadt evakuierte die Polizei das Gebäude. Danach waren nur noch Täter und Opfer in dem Büro. Die Polizei sperrte das Gelände weiträumig ab. Spezialeinsatzkommandos (SEK) wurden angefordert. Rettungskräfte eilten an den Tatort. Es begann ein stundenlanger Nervenkrieg mit der Polizei. Die Verhandlungsgruppe nahm am Vormittag telefonisch Kontakt mit dem Geiselnehmer auf. Die speziell für Geiselnahmen geschulten Beamten versuchten, deeskalierend auf den Mann einzuwirken.

Zunächst verlangte der Geiselnehmer Wasser, eine Notfall-Toilette und eine scharfe Schusswaffe. Als die verletzte Frau einen Arzt für sich forderte, griff das SEK zu und überwältigte ihn. Die Beamten setzten dabei nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann eine Elektroschockpistole, einen sogenannten Taser, ein.

Das Opfer sei zwar seelisch nach dem über fünfstündigen Psychodrama angegriffen, körperlich aber nicht weiter verletzt, teilte die Polizei mit. Die 31-Jährige wurde in ein Krankenhaus gebracht. Auch der mutmaßliche Täter sei bis auf Schürfwunden bei dem Zugriff unverletzt geblieben, teilte die Polizei mit.

Behörden: Täter wollte Frau nicht verletzen

Nach Einschätzung der Ermittler wollte der 28-Jährige die Frau nicht ernsthaft verletzen. Die Verhandlungsgruppe der Polizei habe festgestellt, dass der Täter nie in der emotionalen Lage gewesen wäre, das Leben der Frau zu gefährden, sagte Polizeipräsident Günther Gietl vom Präsidium Oberbayern Nord.

Als Motiv gaben die  Beamten an, der Geiselnehmer habe gewollt, dass seine anderthalb Jahre alte Tochter, die derzeit in der Obhut einer Pflegefamilie ist, zurück in die Obhut der Mutter kommt. Opfer und mutmaßlicher Täter kannten sich offenbar. Einen Termin hatte er bei der Sachbearbeiterin am Montag jedoch nicht - der 28-Jährige betrat das Jugendamt spontan. Der mutmaßliche Täter soll morgen einem Haftrichter vorgeführt werden.

Dieser solle die Schuldfähigkeit des 28-Jährigen prüfen, sagte der Leitende Oberstaatsanwalt Wolfram Herrle. Der Mann habe psychische Probleme. Daher werde geprüft, ob er in Haft kommt oder in eine Nervenklinik. An dem Einsatz waren nach Polizeiangaben etwa 330 Beamte beteiligt, darunter etwa 100 Spezialkräfte.

Quelle: n-tv.de