Panorama

Vier Tote in der Innenstadt Polizei rätselt über Berliner Horror-Crash

Vier Menschen sterben, als ein Porsche über einen Gehweg in Berlin-Mitte rast. Unter den Todesopfern ist auch ein Kleinkind. Bislang ist unklar, wie es zu dem schrecklichen Unfall kam. Laut Polizei gibt es bisher keine Hinweise auf ein illegales Autorennen.

Nach dem schweren Verkehrsunfall mit vier Toten und drei Schwerverletzten in Berlin-Mitte versucht die Polizei, den Hergang des Geschehens zu klären. Bis in die Nacht waren Experten der Verkehrspolizei vor Ort, um Spuren des Unfalls zu sichern. Die Spuren sollen dann - gegebenenfalls auch in einem 3-D-Modell - zusammengeführt werden. So wolle man die Fahrt des Autos rekonstruieren und klären, ob es sich möglicherweise überschlagen habe. Medienberichten zufolge waren unter den Toten ein Kleinkind und dessen Großmutter.

Derzeit prüft die Polizei auch, ob ein medizinischer Notfall beim Fahrer des Wagens die Ursache gewesen sein könnte. Erste Hinweise darauf flössen ebenso wie andere Aussagen, Informationen und Beweise in das Ermittlungsverfahren ein, teilte die Behörde mit.

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Die Polizei versucht, den Hergang des Unfalls zu rekonstruieren.

(Foto: dpa)

Zunächst ist noch vieles unklar. Am Freitagabend gegen 19 Uhr ist an der Ecke Invalidenstraße und Ackerstraße ein Geländewagen über einen Gehweg und durch einen Bauzaun in ein Baugrundstück gerast. Ein Polizeisprecher geht nach jüngstem Erkenntnisstand davon aus, dass die Todesopfer Passanten gewesen seien und die drei Verletzten im Fahrzeug gesessen hätten. Zunächst stand die Frage im Raum, ob es sich um eine vorsätzliche Tat gehandelt habe. Es deute jedoch alles auf einen Verkehrsunfall hin, sagte der Polizeisprecher.

Fest steht inzwischen, dass das Auto auf dem Gehweg vier Menschen erfasst hat: Einen drei Jahre alten Jungen, eine 64-Jährige Frau sowie zwei Männer im Alter von 28 und 29 Jahren. Sie alle erlagen an der Unfallstelle ihren Verletzungen.

Ausdrücklich bat die Polizei auf Twitter: "Bitte unterlassen Sie Spekulationen aus Rücksicht auf die Angehörigen." Zuvor war in dem Onlinedienst unter anderem über ein illegales Autorennen spekuliert worden. Dazu sagte ein Polizeisprecher: "Es gibt derzeit keine Erkenntnisse, dass ein zweites Fahrzeug involviert war."

Mutter des Kleinkinds überlebt

Den Hilfskräften, die im Großaufgebot zum Unfallort kamen, bot sich ein Bild des Schreckens: Das schwarze Autowrack zerfetzt auf dem Grundstück, davor auf dem Gehweg vier sehr schwer verletzte Menschen. Die Versuche, sie zu reanimieren, blieben erfolglos. Überlebt hat die Mutter des getöteten Kleinkindes. "Sie war - zumindest körperlich - unversehrt und hatte ein weiteres Kind dabei, das auch nicht weiter verletzt wurde", berichtete ein Feuerwehrsprecher. Laut Polizei erlitten eine 38-Jährige und ihr neunjähriger Sohn einen Schock.

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Der zerstörte Porsche-SUV wird auf einen Abschleppwagen gehoben.

(Foto: dpa)

Dem 42-jährigen Fahrer sei Blut entnommen worden. Er erlitt bei dem Unfall Kopfverletzungen und liegt im Krankenhaus. Wie ein Feuerwehrsprecher berichtete, konnte er aber zuvor noch mitteilen, dass ein Kind im Wagen gesessen habe. Dieses wurde verletzt ins Krankenhaus gebracht. Bei dem Kind handelt es sich laut Polizei um ein sechsjähriges Mädchen. Die dritte Person im Fahrzeug soll eine 67 Jahre alte Frau gewesen sein. Mädchen und Frau erlitten einen Schock. Zu möglichen Verwandtschaftsverhältnissen wollte die Polizei keine Angaben machen.

Noch Stunden nach dem Unfall suchte die Feuerwehr mit Wärmebildkameras den weitläufigen, verwilderten Ort ab, um sicherzugehen, dass alle Unfallopfer geborgen wurden. Die Feuerwehr war mit 40 Einsatzkräften sowie Spezialteams am Ort, die Zeugen und auch eigenen Leuten psychologische Unterstützung anboten. Von der Polizei waren ein halbes Dutzend Streifenwagen und zudem mehrere Mannschaftstransporter vor Ort. Krankenwagen warteten hintereinander. Zeugen wurden befragt, um den Unfallhergang zu klären. In der Umgebung kam es zu erheblichen Verkehrsbehinderungen.

Aufrufe zur Mahnwache

Mehrere Organisationen riefen für Samstagnachmittag zu einer Mahnwache am Ort des Unfalls an der Invalidenstraße Ecke Ackerstraße auf. "Wir sind entsetzt", erklärte Ragnild Sörensen vom Verein Changing Cities, der sich für mehr Sicherheit für Fußgänger und Fahrradfahrer einsetzt. Vier Menschen seien getötet worden - "wegen Rasen. Durch ein einziges Auto".

Roland Stimpel von Fuss e.V. forderte "Schluss mit dem Tempowahn". Auch wenn Einzelheiten noch nicht bekannt seien, sei klar: "Jeder Stundenkilometer mehr ist eine zusätzliche Gefahr." Heiner von Marschall vom Verkehrsclub Deutschland (VCD Nordost) kommentierte: "Wie lange noch wollen wir das in unserer Stadt so einfach hinnehmen?"

Ähnlicher Unfall in Stuttgart

In Stuttgart ereignete sich fast zeitgleich ein ähnlicher Unfall - allerdings weniger folgenschwer. Ein Auto raste vor einem Supermarkt auf den Gehweg und verletzte drei Fußgänger schwer. Ein vierter Passant wurde leicht verletzt, als er zur Seite sprang, wie die Polizei in der Nacht zum Samstag mitteilte.

Der betrunkene Fahrer hatte am Abend die Kontrolle über seinen Wagen verloren, streifte eine Verkehrsinsel und krachte gegen die Wand des Einkaufsmarktes. Notärzte und Sanitäter versorgten die Opfer. Der Raser kam mit leichteren Blessuren davon.

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Quelle: n-tv.de, kst/ibu/dpa/AFP

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