Panorama

Räumpanzer auf der Fusion? Polizei soll Großeinsatz auf Festival planen

120034554.jpg

70.000 Menschen erleben auf der Fusion jedes Jahr Musik, Theater und Kunst. Die Polizei kam bislang nur im Notfall aufs Gelände.

(Foto: dpa)

Das Fusion-Festival mit rund 70.000 Besuchern gilt als besonders friedfertig. Trotzdem rüstet die Polizei sich offenbar weit stärker als bisher bekannt: Einem internen Bericht zufolge sollen selbst Wasserwerfer und die Bundeswehr zum Einsatz kommen. Es ist nicht die einzige brisante Enthüllung.

Wenige Tage vor der Entscheidung über die Zukunft des Fusion-Festivals in Mecklenburg-Vorpommern ist ein Polizeipapier aufgetaucht, das den Streit um die Polizeipräsenz auf dem Festival anfeuert. Ein Einsatzkonzept der Polizei vom 12. März, das "Zeit Online" vorliegt, legt nahe, dass die Polizei einen weit größeren Einsatz plant als bisher angenommen. Es sieht vor, dass rund um die Uhr etwa 100 Beamte zeitgleich auf dem Gelände patrouillieren. Eine weitere Einsatzhundertschaft soll den Verkehr regeln. Die Polizeiführung geht demnach davon aus, dass rund 1000 Polizisten in der Nähe des Geländes stationiert werden müssen.

Außerhalb des Festivalgeländes sollen dem Papier zufolge zudem Wasserwerfer und Räumpanzer zur Verfügung stehen - genauso wie eine TMÖL-Truppe (Technische Maßnahme Öffnen und Lösen), die normalerweise in Gleisbetten angekettete Demonstranten losschneidet. Auch die Bundeswehr kommt demnach zum Einsatz. Soldaten sollen laut dem Einsatzkonzept eine Zufahrt zum Polizeicamp bauen. 

Seit Wochen tobt ein Streit um einen Polizeieinsatz auf dem Festival mit rund 70.000 Besuchern, das bisher ohne dauerhafte Polizeipräsenz ausgekommen war. Vor allem die von Neubrandenburgs Polizeipräsident Nils Hoffmann-Ritterbusch geforderte mobile Polizeiwache auf dem Festivalgelände sowie anlasslose Personenkontrollen stoßen beim Veranstalter des Festivals auf scharfe Ablehnung. Der Verein Kulturkosmos Müritz schlägt stattdessen eine Polizeiwache in unmittelbarer Nähe zum Festivalgelände vor, die die Besucher im Notfall fußläufig erreichen können.

Auf die nun veröffentlichten Polizeipläne reagieren die Veranstalter mit Entsetzen. "Unsere schlimmsten Befürchtungen scheinen sich zu bewahrheiten", sagte der Kulturkosmos-Vorsitzende Martin Eulenhaupt "Zeit Online". Die Polizei habe jeglichen Bezug zur Realität verloren, wenn sie "einen Polizeieinsatz mit bürgerkriegsähnlichen Szenarien gegen ein Kulturfestival mit friedlichen Gästen aus der ganzen Welt" plane. Laut "Zeit Online" ist das Polizeipräsidium Neubrandenburg jedoch noch nicht sicher, ob das Konzept tatsächlich umgesetzt wird - es gebe eine "Vielzahl von Einsatzvarianten".

Sensible Daten weitergegeben

Für Aufsehen sorgt auch ein zweites Papier im Zusammenhang mit dem Fusion-Festival: Eine Bachelorarbeit an der Polizeifachhochschule in Güstrow über das Sicherheitskonzept des Festivals lässt vermuten, dass sich die Polizei seit Monaten auf einen möglichen Großeinsatz vorbereitet. Besonders brisant: Die Behörden stellten für die Arbeit laut dem Medienbericht auch ungeschwärzte Unterlagen zur Verfügung - die etwa die Telefonnummern der Veranstalter enthielten.

Diese sensiblen Daten sollen auch zum Betreuer der Bachelorarbeit gelangt sein. Ulf-Theodor Classen, Dozent für Einsatzlehre und ehemaliger AfD-Politiker, war 2016 wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt worden, weil er Jugendliche mit Reizgas angegriffen hatte, die einen AfD-Stand mit Konfetti bewarfen. Für die Veranstalter ist das ein Skandal. "Wie sollen wir einem Polizeipräsidenten vertrauen, der selbst Gesetze bricht und mit rechten Gewalttätern zusammenarbeitet?", sagte Fusion-Veranstalter Eulenhaupt "Zeit Online".

Die Entscheidung über die Genehmigung des Festivals soll Mitte oder Ende der Woche fallen. Bis dahin prüft das Amt Röbel/Müritz das verbesserte Sicherheitskonzept der Veranstalter. Der Polizeipräsident hatte das zunächst eingereichte Konzept wegen Mängeln etwa bei den Rettungswegen und beim Jugendschutz nicht freigegeben.

Quelle: n-tv.de, ftü

Mehr zum Thema