Panorama

Ermittler heben Hehlerlager aus Polizei stellt in Hamburg 1500 Räder sicher

Alle 90 Minuten wird in Deutschland ein Fahrrad gestohlen, das geht aus der Statistik hervor. Nun gelingt der Hamburger Polizei ein Schlag gegen die organisierte Kriminalität: Sie durchsuchen eine Lagerhalle und finden etliche gestohlene Räder.

Riesenerfolg für die Ermittlungsgruppe Fahrrad der Hamburger Polizei: Mit Hilfe von 180 Beamten hat sie im Stadtteil Rothenburgsort rund 1500 Fahrräder sichergestellt. "Wir gehen davon aus, dass es sich mutmaßlich um gestohlene Fahrräder handelt", sagt Polizeisprecher Timo Zill. Zunächst hatte die Polizei erklärt, dass 3500 Fahrräder gefunden worden seien. Diese Angabe korrigierte sie jedoch später.

Vom Mountainbike über das Damenfahrrad bis zum Kinderrad ist alles dabei. Zum Abtransport des Diebesguts ist das Technische Hilfswerk mit 15 Lastwagen und einem Gabelstapler gekommen. "Mit diesen 1500 heute sichergestellten Fahrrädern ist der Polizei in unserer Geschichte der größte Schlag gegen die organisierte Fahrradkriminalität gelungen", sagt Zill.

Zeitgleich mit der Aktion in vier Lagerhallen haben Beamte zwei Wohnungen durchsucht, eine in Hamburg, die andere in Essen (NRW). Die Polizei ermittele gegen drei Männer im Alter von 42 bis 44 Jahren. Ob es weitere Verdächtige gibt, wollte der Polizeisprecher nicht sagen. "Wir haben Beweismaterial sichergestellt, das nun ausgewertet wird."

Nun folgt "Sisyphusarbeit"

Was machen Diebe oder Hehler mit so einer gewaltigen Menge an gestohlenen Fahrrädern? Die Lagerhallen inmitten eines Gewerbegebietes waren laut Polizei offensichtlich der Sammelpunkt für Hamburg und Norddeutschland. Von dort seien die Räder mit Kleintransportern nach Osteuropa gebracht worden.

"Wir gehen davon aus, dass einige wenige für eine Vielzahl von Taten verantwortlich sind", sagt Zill. "Insofern freuen wir uns sehr, dass wir in dieses Wespennest hineingestochen haben." Nun stehen die Beamten allerdings vor einer "Sisyphusarbeit". Zill vermutet, dass allein der Abtransport der Fahrräder in eine Lagerhalle der Polizei bis zu zwei Tage dauern wird. Dann müssten die Räder gesichtet, untersucht und katalogisiert werden. Das könne mehrere Wochen dauern. Die Polizei müsse sich noch überlegen, wie sie die Fahrräder der Öffentlichkeit zur Schau stelle. Denn die rechtmäßigen Besitzer sollen ihr Eigentum möglichst bald zurückbekommen.

Der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) lobt die Ermittler: "Das ist ein spektakulärer Erfolg für die Hamburger Polizei", sagt ADFC-Sprecher Dirk Lau. Mit einem Aufruf an seine Mitglieder will der Club bei der Zuordnung der Räder helfen. Dass die Diebstahlquote in Hamburg relativ hoch ist, sei jedem Clubmitglied bekannt. Alle Aktiven seien leidgeprüft. Wer täglich mit dem Fahrrad unterwegs sei, wisse, dass er sein Gefährt besonders gut sichern müsse.

Laut ADFC haben Deutschlands Stadtstaaten im Vergleich der Bundesländer die höchsten Diebstahlquoten: Hamburg und Berlin liegen ganz vorn mit je über 800 Fahrraddiebstählen je 100.000 Einwohner. 4,35 Millionen Fahrräder und E-Bikes seien 2015 in Deutschland gekauft worden, 340.000 im selben Jahr als gestohlen gemeldet. Das bedeutet nach Berechnung des ADFC: Alle 90 Sekunden passiert ein Fahrradklau.

Quelle: ntv.de, Bernhard Sprengel, dpa

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