Panorama

Zweijährige am Bahnhof verletzt Polizei sucht rücksichtslosen Flaschenwerfer

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Polizisten nahmen die Personalien der Fahrgäste auf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Während der Fahrt eines Partyzuges von Köln nach Ostfriesland schmeißt eine Person eine Whiskyflasche achtlos aus dem Fenster. Wie ein Geschoss trifft sie ein kleines Mädchen auf einem Bahnsteig am Kopf. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Ein Vater trägt seine kleine Tochter auf dem Arm die Bahnhofstreppen zum Gleis hinauf, als das Unglück geschieht: Die Zweijährige wird plötzlich am Kopf von einer Whiskyflasche getroffen und lebensgefährlich verletzt. Der Gegenstand "flog" nach ersten Erkenntnissen der Polizei aus einem Zug, der gerade den Bahnhof in Kamen durchfahren hat. Es ist der späte Freitagvormittag gegen 10.50 Uhr am Feiertag Allerheiligen in Nordrhein-Westfalen.

Rettungskräfte bringen das schwer verletzte Mädchen in ein Krankenhaus. Nach einer Operation ist sein Zustand stabil, berichtet ein Sprecher der Dortmunder Polizei einen Tag später. Unterdessen gehen die Ermittlungen der Behörden weiter. Nach Informationen der Staatsanwaltschaft Dortmund hat sich bisher noch kein Verursacher gemeldet. "Im Moment gibt es keine Hinweise auf einen etwaigen Werfer der Flasche", sagte Staatsanwalt Henner Kruse.

Der Zug fährt am Freitag zunächst noch weiter, doch im etwa 65 Kilometer entfernten Greven rückt die Bundespolizei mit einem Großaufgebot an, das aus dem Münsterland, dem Ruhrgebiet und dem Rheinland zusammengezogen wurde. Dutzende Beamte nehmen die Personalien der Reisenden des Zuges auf, die von der Domstadt Köln zur ostfriesischen Insel Norderney unterwegs waren. Die 580 Passagiere verhielten sich dabei sehr kooperativ, schildert ein Sprecher der Bundespolizei.

"Hoffentlich kriegen sie den"

"Ich habe vollstes Verständnis für die Polizei. Gut, dass sie den Täter finden wollen", sagt Dieter Nübling der "Bild"-Zeitung. Der 57-Jährige war demnach am Freitagmorgen mit seinem Kegelklub in Köln in den zehn Waggons umfassenden Zug eingestiegen. Der Reisende Norbert Rumbach sagte dem Blatt: "Ich mache seit 30 Jahren solche Fahrten, aber das habe ich noch nie erlebt. Hoffentlich kriegen sie den."

Der Zug konnte dem Medienbericht zufolge nach der Überprüfung am Freitagabend Richtung Norden weiterfahren - ohne eine Festnahme. Staatsanwaltschaft und Polizei Dortmund ermitteln weiter - in die Richtung, dass die Whiskyflasche aus einem durchfahrenden Zug geworfen worden sei, erläutert Staatsanwalt Kruse. Dazu gehörten auch Befragungen. Ermittelt werde wegen fahrlässiger Körperverletzung.

Die Behörden haben "unsere volle Unterstützung und erhalten von uns alle Informationen, die sie benötigen", erklärt derweil der Geschäftsführer der Müller-Touristik GmbH & Co. KG in Münster, Bernd Niemeyer, in einer schriftlichen Stellungnahme. Das Unternehmen, das die Zugfahrt veranstaltete, verurteile die Tat zutiefst und wünsche dem Mädchen eine baldige und vollkommene Genesung.

An Bord des Partyzugs seien verschiedene einzelne Gruppen gewesen. Getränke an Bord würden in weichen Pfandbechern aus biologisch abbaubarem Material ausgegeben. Allerdings sei das Mitbringen von Getränken und Speisen nicht untersagt. "Ein Recht zur Taschenkontrolle haben wir als Reiseveranstalter nicht." Einige Fenster könnten - wie auch in alten ICs (Intercity-Zügen) - während der Fahrt zu einem Teil geöffnet werden.

Quelle: ntv.de, fzö/dpa