Sechs Menschen gestorbenPolizei zu Busbrand in Kerzers: Täter war "psychisch auffällig"
Im Westen der Schweiz gerät am Abend ein Linienbus in Brand. Schnell ist klar: Ein Insasse zündete sich und Mitreisende an. Jetzt nennt die Polizei weitere Details der Tragödie.
Das Feuer in einem Schweizer Linienbus in Kerzers mit mehreren Toten und Verletzten ist Polizeiangaben zufolge von einem psychisch labilen Mann verursacht worden. Der Täter soll ein Schweizer sein, der 40 Minuten vor der Tat mit einer Tasche in den Bus einstieg. Später habe er sich selbst mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen, sagte Raphael Bourquin von der Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz am Nachmittag nach dem Vorfall. Der Mann sei zuvor von seiner Familie vermisst gemeldet worden. Er sei als "psychisch auffällig" bekannt gewesen, sagte Bourquin weiter. Zum Alter machte der Staatsanwalt keine Angaben. Der Mann soll zuletzt im Kanton Bern gewohnt haben. Die Behörden gehen davon aus, dass der Mann unter den Todesopfern ist.
Die Polizei geht weiter von einer vorsätzlichen Tat aus, jedoch nicht von einem terroristischen Akt. Im Bus wurden DNA-Spuren gesichert, um den Fall rekonstruieren zu können, sagte Polizeisprecher Philippe Allain auf der Pressekonferenz. Die Polizei sicherte zudem bereits Videoaufzeichnungen aus der Umgebung. Ob Aufnahmen aus dem Bus vorliegen, ging nicht aus den Statements hervor.
Sechs Menschen, darunter der Brandstifter, kamen am Dienstagabend ums Leben, als der Bus gegen 18.25 Uhr in Flammen stand. Wer die anderen Opfer sind, blieb bisher unklar. Die Identifizierung der Leichen könnte mehrere Tage dauern, sagte ein Sprecher der Kantonspolizei Freiburg. Sie stammten den Angaben nach allesamt aus der Region. Fünf weitere Personen, darunter ein Sanitäter, wurden verletzt. Drei davon kamen schwer verletzt ins Krankenhaus. Ein erster Patient konnte bereits aus der Klinik entlassen werden.
Augenzeugen sprachen von einem Mann, der sich in dem Bus anzündete. Die Kantonspolizei Freiburg war schnell überzeugt, dass es sich um eine vorsätzliche Tat handelt. "Zeugenaussagen werden angehört, um die genauen Umstände des Dramas zu ermitteln", sagte der Sprecher. Dafür suchen die Ermittler weitere Zeugen. Personen, die sich gegen 17.45 Uhr an der Bushaltestelle in Düdingen befanden, auf der Strecke Düdingen-Kerzers unterwegs waren oder Videos vor dem Eintreffen der Einsatzkräfte haben, sollen sich unter der Telefonnummer +4126/3470117 melden.
Augenzeugen berichten von Inferno
Der Vorfall zog viel Aufmerksamkeit in dem 5600 Einwohner zählenden Ort auf sich. Schnell bemerkten Zeugen, was sich auf der sonst so belebten Straße abspielte. "Alles ging so schnell - und dann stand binnen Augenblicken alles in Flammen", sagte ein Mann, dessen Autowerkstatt unweit des Unglücksortes liegt. "Von der Hitze explodierten sogar die Reifen und flogen bis zu 200 Meter weit", erzählte er "Blick".
Ein Rentner, der neben dem Brandort im Zentrum von Kerzers wohnt, schilderte der Zeitung, dass ein Mann mit einem Stein eine Scheibe des Busses eingeschlagen habe. Kurz darauf habe sich jemand aus dem Fahrzeug befreien können. "Das ist einfach nur schlimm und traurig", sagte er.
Videos von dem Inferno sind beklemmend. Eine der Aufnahmen zeigt, wie der Bus an einem Zebrastreifen in Kerzers steht. Zunächst steigt dunkler Rauch aus dem Fahrzeug in den Abendhimmel. Dann flackern auch Flammen auf. Aus einer anderen Perspektive ist zu sehen, dass das Feuer zunächst offenbar in der Mitte des Busses loderte. In einer weiteren Aufnahme brennt bereits das ganze Fahrzeug lichterloh.
"Die Gemeindebehörde von Kerzers bekundet ihre Betroffenheit mit den Familien und Angehörigen der Opfer", hieß es auf der offiziellen Homepage des Ortes.
Die Schweizer Politik reagierte entsetzt. Im etwa 26 Kilometer entfernten Bern gedachten beide Kammern des Parlaments der Todesopfer. "Wie aus dem Nichts nimmt eine alltägliche Situation eine unvorstellbare Wende, vielleicht auf dem Heimweg von der Arbeit oder von der Schule", sagte Stefan Engler, der Präsident des Ständerats, in dem die Schweizer Kantone vertreten sind. "Dieses tragische Ereignis erschüttert nicht nur eine Region, einen Kanton, sondern weit darüber hinaus", sagte Nationalratspräsident Pierre-André Page.
