Panorama

"Stromschlag ist Frage der Zeit"Beamte klagen über horrende Zustände in Berliner Polizeiwache

22.04.2026, 16:43 Uhr
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Stromkabel mit Paketband in der Berliner Wache an der Friedrichstraße, die derzeit umgebaut wird. Dort häufen sich nach Darstellung Betroffener die Probleme. (Foto: picture alliance/dpa/GdP Berlin)

Tote Ratten, marode Bausubstanz und Stromkabel, die mit Paketband fixiert werden: In einer Polizeiwache in Berlin sind die Wachräume nicht nutzbar, auch monatelange Umbauarbeiten schaffen keine Abhilfe. Die Beamten sollen nun selbst Hand anlegen, um ihre Wache wieder begehbar zu machen.

Die Berliner Gewerkschaft der Polizei beklagt unerträgliche Arbeitsbedingungen und einen eklatanten Platzmangel in den Räumen der Wache des Regionalabschnitts Friedrichstraße - zuständig unter anderem für weithin bekannte Kriminalitäts-Hotspots wie Görlitzer Park und Kottbusser Tor. "Neben bröckelnder Bausubstanz und eklatantem Platzmangel für die Beschäftigten flattern Motten durch die Schränke, tote Ratten wurden bereits entdeckt", heißt es in einer Pressemitteilung.

Der Personalrat beklage auch das Ignorieren arbeitsrechtlicher Vorschriften und eklatante Gesundheitsgefahren, erklärt Vizechef Thorsten Schleheider. "Monitore müssten aufgrund des Platzmangels der alten Wachräume auf Fensterbänken abgestellt werden, im sogenannten Pausenraum sollen teilweise kaputte Ramsch-Möbel zusammengeschoben worden sein", berichtet er. Bei den schon lange laufenden Umbauarbeiten habe man einen behindertengerechten Zugang "vergessen", heraushängende Stromkabel würden mit Paketklebeband provisorisch fixiert. Auf eine sicherheitsrelevante Scheibe wartet man nach seinen Worten seit neun Monaten, sodass Wachräume nicht nutzbar sind - was den Platzmangel in der kürzlich personell aufgestockten Wache verstärkt.

15 Jahre Warten auf Sanierung

Als neue Idee sollten die Kollegen selbst neue Wandfarbe aufbringen, weil sich keine Firmen finden, empört sich Schleheider. "Wir reden über den wohl am stärksten belasteten Polizeiabschnitt unseres Landes. Aber die Raketenwissenschaftleridee besteht darin, dass unsere Kollegen dann auch noch selbst malern sollen, um Geld und Zeit zu sparen. "Insgesamt herrschten nicht erst seit gestern Zustände, bei denen andere Gebäude wegen Gesundheitsgefahren dichtgemacht werden müssen. Wenn Motten aus dem Schrank flattern und tote Ratten auf dem Boden liegen, ein Stromschlag praktisch eine Frage der Zeit ist, kann das keiner einfach wegatmen."

Polizeipressesprecher Florian Nath sagt dazu der "BZ", die Kritik am Bauzustand werde ernst genommen. Gleichzeitig sei zu berücksichtigen, dass Besserung in Sicht sei. Die Dienststelle befinde sich nach rund 15 Jahren Wartezeit "buchstäblich auf den letzten Metern des entscheidenden Teilabschnitts einer umfassenden Sanierungs- und Umbauphase".

Es seien Verbesserungen geplant mit dem Ziel, eine "moderne und funktionale Dienststelle zu schaffen, die den Anforderungen und Bedürfnissen aller Kolleginnen und Kollegen gerecht wird", so eine Polizeisprecherin. Heraushängende Stromkabel, welche die Gewerkschaft der Polizei anprangerte, führten demnach keinen Strom mehr, abgestellte Monitore stellen laut Polizei keine Büroarbeitsplätze dar.

Quelle: ntv.de, kaz/dpa

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