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Fehler bei Missbrauchsskandal Polizeipräsident muss Arbeitsplatz räumen

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Uwe Lührig trat das Amt des Göttinger Polizeipräsidenten im April 2015 an.

(Foto: picture alliance/dpa)

Bei den Ermittlungen im Zuge des Northeimer Missbrauchsskandals kommt es zu erheblichen Pannen. Die Konsequenzen daraus trägt nun der Göttinger Polizeipräsident: Uwe Lührig muss seinen Posten aufgeben und wird in den einstweiligen Ruhestand versetzt.

Der Göttinger Polizeipräsident Uwe Lührig wird in den einstweiligen Ruhestand versetzt. Die Entscheidung traf die Landesregierung. Innenminister Boris Pistorius von der SPD habe Lührig zuvor persönlich über diesen Schritt informiert und sich bei ihm für die geleisteten Dienste bedankt. Eine offizielle Begründung für den Schritt wurde nicht genannt. Wie der NDR unter Berufung auf Politikkreise berichtete, gehe es um mangelndes Vertrauen.

Lührig werde vorgeworfen, die politische Verantwortung für Fehler bei Ermittlungen im sogenannten Northeimer Missbrauchsskandal zu tragen. Innerhalb der Polizei werde das strittig gesehen. Seit April 2015 war Lührig in der Funktion des Polizeipräsidenten der Polizeidirektion Göttingen tätig. Nachfolgerin an der Spitze der Polizeidirektion Göttingen soll die langjährige Leiterin der Polizeiinspektion Mitte in Hannover, Gwendolin von der Osten, werden.

Bei den Ermittlungen in Northeim ging es um zwei Männer, die in Verbindung zum Haupttäter der Missbrauchsserie auf dem Campingplatz im lippischen Lügde (Nordrhein-Westfalen) standen. Niedersachsens Polizeipräsident Axel Brockmann hatte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" gegenüber Versäumnisse eingeräumt. Demnach erhielt die Polizei in Northeim schon im Frühjahr 2019 Hinweise auf mögliche Täter, ging diesen aber nicht nach. Zu einer Festnahme kam es erst ein Jahr später.

Fehlerhafte Kommunikation zwischen Bundesländern

Einer der Männer, ein 49-Jähriger aus dem Landkreis Northeim, war im März 2020 festgenommen worden. Gegen ihn läuft ein Strafverfahren wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen. Der zweite Mann ist auf freiem Fuß.

Im Herbst 2019 hatte das Landgericht Detmold im Missbrauchsfall Lügde zwei Männer zu langjährigen Haftstrafen und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Sie hatten auf dem Campingplatz an der Landesgrenze zu Niedersachsen 32 Kinder jahrelang schwer sexuell missbraucht.

Nach Angaben von Polizeipräsident Brockmann richtete das Innenministerium nach der Festnahme des 49-jährigen Tatverdächtigen eine Expertengruppe ein, die mögliche Versäumnisse bei der Polizei in Northeim und der verantwortlichen Polizeidirektion Göttingen prüfen sollte. Die Kommunikation zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen sei "nicht eindeutig" gewesen, hatte er der "HAZ" gesagt. Strafrechtlich gebe es keine Vorwürfe, mögliche dienstrechtliche Folgen würden von der Polizeidirektion geprüft.

Quelle: ntv.de, jru/dpa